Der Furcht entgegen

19.10.2017

Loki und seine Kinder -ein Feuersturm im Hintergrund.

Ein Tosen und Toben wütet über mir – wütet in mir. Mein Blut ist in Wallung, ich tobe innerlich, spüre die ungezügelte Kraft der Wut, die brodelt, in mir. Vor aufbrausender Erregung erzittere ich, mein Körper verkrampft sich und ich versuche mich aufzurichten. Doch die Nacht hat mich in ihrer Hand, drückt auf meine Brust wie ein Stein. Ich schaffe es nicht mich aufzurichten. Mein Herz rast. Die Wut droht zu überschäumen, ich möchte schreien, allein es geht nicht. Loki zerrt an seinen Fesseln, Schmerz fährt durch mich hindurch, die Erde bebt… tatsächlich. Die … Erde … bebt. Was in dieser Nacht geschieht, ich habe solcherart Aufruhr hier in diesem Haus noch nicht erlebt. Doch ich greife den Ereignissen voraus…

Die geneigte Leserschaft erinnert sich – ich hatte unerwarteten Besuch von Diana Paxon erhalten und so hatte ich den Samstagabend gemeinsam mit ihr und Thors Freundin Patricia Asunja verbracht. Und es war ein toller Abend, voller Gespräche um Reclaiming, die Göttinnen, Hexenkunst, Hexen und Magie. Wie in einer Zeitmaschine tauchten wir ab in die Vergangenheit und ich erfuhr viel über die Anfänge von Reclaiming in den USA, erinnerte mich an eigenes Erlebtes. Es war einfach schön. Gemeinsam sind wir essen gegangen, hatten Spaß und Freude, zusammen genossen wir hausgemachten Likör und erfreuten uns an unserer Gegenwart, um schließlich rechtschaffen müde in die Betten zu fallen… Ein schöner Tag geht zu Ende, eine magische Begegnung nimmt ihren Lauf und mit einem Male erschüttern Erdbeben mich…

Eine Party ist über mir im Gange. Sehr junge Menschen sind neu in unser Haus eingezogen und feiern ihre Wohnungseinweihung. Doch was über mir geschieht ist keine Party! Trotz Ohrstöpseln schlafe ich zunächst nur schwer ein, immer wieder erwache ich durch laute Musik und Radau. Dann… rumms… die Wände wackeln, mit einem Male bin ich hell wach, reiße die Augen auf und vor mir steht der Wolf… ‚das ist ja mein Kind…‘ er reißt das Maul auf. ‚Pst‘ flüstere ich. Das Brodeln beginnt, Zorn wallt in mir auf, Wut steigt in meinen Schädel, bohrt sich in mich, ‚ich gehe da jetzt rauf und sorge für Ruhe! Die mache ich fertig!‘ . Ich will mich erheben, heiße Glut durchflutet mich, mein Atem geht schwer, ich will schreien. Allein, mein Mund ist wie zugenäht, ich kann ihn nicht öffnen. Mein Körper ist schwer wie Eisen, ich kann mich nicht bewegen. Vor Verzweiflung und Wut schießen mir die Tränen in die Augen. Der Zorn ist wie eine Klinge, die mich durchschneidet. Wie gelähmt liege ich da.
Mit einem Male ist da ein Gesicht, eine Göttin erscheint über mir, sie lächelt. Ich kenne sie. Sie kommt von sehr weit weg, ihr Name ist Kuan Yin. Sie nimmt mich in die Arme, drückt mich an ihre Brust und wiegt mich. Irgendwann döse ich ein, erwache wieder, döse wieder ein. Gefesselt liege ich da, die ganze Nacht, über mir tobt es. Gegen sechs Uhr morgens wird es still. Ich verliere das Bewußtsein. 

Zwei Stunden später erwache in meinem Bett, pitschnass, zitternd, Lichtblitze vor den Augen und hinter meiner Stirn pocht es gefährlich. Das hatte ich lange nicht mehr und es ist ein schlechtes Zeichen. Eine Aura, die einem Anfall voraus geht. Dieser nächtliche Lärm macht mich fertig. Leider war es nicht das erste Mal, dass ich nachts wach wurde. Seit einigen Wochen ist es lauter als sonst. Doch in dieser Nacht war es am allerschlimsten. Ich muß etwas dagegen tun. Die Deckenleuchter haben geschwankt, die Bilder an den Wänden schaukelten hin und her, lösten sich aus ihrer Halterung. Das ist kein Lärm, das ist Körperverletzung. Ich fühle mich schwach und erschöpft, fürchte die Konfrontation. Angst ist in mir. Und doch: Ich muß etwas tun.
Durch den Anfall kann ich diesen Sonntag, auf den ich mich sehr gefreut hatte, nicht zusammen mit Diana und Patricia verbringen. Meine Krankheit ringt mich nieder. Thors und Odins Vertreterinnen in Midgard müssen ohne mich los ziehen und einen herrlichen Sonnentag genießen. Und ich muß mein Zimmer verdunkeln, bleibe alleine zurück in meinem kranken Körper. Mit Loki. Er sitzt da, schaut mich an. Unruhig. Ich muß handeln, aber mir geht es sehr schlecht. Sein Plan aber steht. Ich lasse zu, das er es tut, überlasse ihm meinen Körper. Ich kann ohnehin nicht viel mit mir anfangen heute.

Ich klingel an der Tür meiner Nachbarn, strahle über das ganze Gesicht. Es ist Mittag und mein verschlafener Nachbar öffnet mir. „Hallo“, sage ich fröhlich, „ich freue mich, dass Sie sich so wohl bei uns im Haus fühlen und gut angekommen sind.“ Mein Nachbar lächelt ebenfalls, er ist wirklich sehr müde. Kein Wunder. Meine Stimme wird etwas leiser, dunkler, rauer, „aber wir einigen uns auf eins: Was heute Nacht geschehen ist, dass wird nie wieder geschehen.“ Er schaut mich verdutzt an, „was meinen Sie?“ Ich lache. Ich lache wirklich. Lauthals. Dann sehe ich ihn in die Augen, tief, lang und zwinkere, „wir wissen beide wovon wir hier reden. Das heute Nacht, das war keine Party. Das war ein Erdbeben.“ ich verkneife mir den Kommentar ‚und für die bin ich zuständig‘, sondern lasse mein Gesicht versteinern, „dieses Erdbeben hat die Wände wackeln lassen, die Lampen zum schwanken gebracht und ein Bild fiel herunter. Das wird nicht mehr geschehen. Lesen Sie ihren Mietvertrag, halten Sie sich dran und wir können alle in Zukunft gut schlafen“, Ich lächle, „das wollte ich nur kurz in einem Gespräch klären. Und jetzt: Gute Nacht.“ Ich gehe.

Ich lege mich in mein Bett und schlafe erst einmal ausgibig. Eines ist klar: Nie wieder lasse ich mir auf dem Kopf rum tanzen! Und während ich im Halbschlaf bin stelle ich fest, dass meine Angst vor unangenehmen Konfrontationen verschwunden ist…

Demnächst geht es hier wieder etwas heiterer zu, versprochen!

 

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Eine Hexe auf Wanderschaft

18.10.2017

Das Licht bricht sich im Herbstlaub

Der Herbst zeigt sich von seiner goldenen Seite. Das Sonnenlicht bricht durch das farbige Laub der Bäume und sprenkelt den Boden mit leuchtenden Tupfen, die Luft duftet nach Laub, etwas Sonne und kommenden Winden. Ein wundervolles Wetter für ein Frühstück im Freien, unter den Bäumen. Irgendwo in Asgard sitzen drei beisammen, ihr kennt sie alle. Sie sitzen an einem hölzernen Tisch, auf einer Bank. Brot, Butter, Käse, Lachs und Honig stehen bereit, Met steht in einer großen Karaffe, um die Hörner wieder aufzufüllen.

„Meine Priesterin zieht durch das Land im Herzen Europas und wird die Göttin Berolina besuchen“, brummt Odin nach einer Weile und zwinkert, sein Methorn ist doch tatsächlich schon wieder leer. „Sie benötigt eine Herberge, ein warmes Bett, einen Ort, an dem sie ruhen kann. Welchen Ort nur soll ich ihr weisen?“
„Ich kümmere mich darum“, und schon springt Loki enthusiastisch von seinem Platz an der Tafel auf, ohne überhaupt abzuwarten was die Anderen zu sagen haben, und rauscht davon.
Skeptisch sieht Thor ihm nach, „ob das so eine gute Idee ist die Sache ihm zu überlassen“, er schüttelt den Kopf.
Odin schaut auf seinen Sohn, lächelt, grinst dann und beginnt schließlich schallend zu lachen. Sein Lachen erfasst seinen Körper, schüttelt ihn durch und die Krempe seines Huts rutscht ihm in die Stirn, „das, mein Lieber, ist die beste Idee von allen!“
‚Ist das schon wieder so ein abgekartetes Spiel zwischen Odin und Loki? Oder lässt Odin den Verrückten wieder machen was er will?‘ fragt sich Thor innerlich. Er ist sich nicht sicher, was hier gerade abläuft, aber vielleicht sollte er diesmal ein Auge auf die Situation haben… er könnte ja… ja! Er könnte ja auch mal kräftig mitmischen…

So – oder ähnlich – muß es sich in etwa abgespielt haben, denn anders lässt es sich wohl kaum erklären was in den letzten Tagen so abgelaufen ist…
Am letzten Samstag in den Nachmittagsstunden, ich sitze gerade im Pub und schaue Fußball, kommt der Anruf: „Diana sitzt vor Deinem Haus und wartet auf Einlass.“ Und ich laufe los, das Fussballspiel hat meine Mannschaft ohnehin schon verloren, und hotte nach Hause. Mein Pub ist nur drei Minuten von meiner Wohnung entfernt. Glücklich ist, wer noch eine echte Eckkneipe in der Straße hat. Ich laufe also los und da sitzt Diana Paxon auf einer Bank vor meiner Heimstatt in der Sonne und lächelt mir entgegen. In diesem Leben begegnen wir uns das erste Mal, begrüßen uns und ich lasse Diana ein in meine Heimstatt, wie es unter Heiden üblich ist: Einer wandernden Hexe, die ein Bett, Ruhe und ein gutes Frühstück benötigt, verwehre ich – wenn der Raum frei ist – nicht meine Gastfreunschaft. 

In den nächsten Tagen haben Götter und Menschen ihre schiere Freude, Magie wird sprühen, Energien werden transformiert und im Wind flüstern die Stimmen der Raben und Krähen. Runen wirken ihre Zauber und zwischen den Welten tanzen die Funken.

Ich danke Odin, ich danke Thor, ich danke Loki,
ich danke den Krähen und den Katzen,
ich danke Diana und Patricia,
ich danke Mara und Bianca
für eine wilde Reise,
göttlichen Spaß
und
eine Menge Hausaufgaben 😉

Weiteres folgt…

 

Mr. Wednesday

17.10.2017

Ein Wind hat sich erhoben, steigt auf, braust auf, erfasst mich, weht durch mich und klärt die Gedanken.

Heute Nacht habe ich mit Odin im Kreis gesessen, heute Nacht kreiste das Horn mit süßem Trunk, heute Nacht habe ich mit dem Allvater gesprochen, ihm meine Fragen gestellt und Antworten erhalten. Nicht nur das. Heute Nacht habe ich aus Odins Mund die Klänge der Runen vernommen, ich habe Hinweise für das magische Arbeiten bekommen und ich habe Unterstützung von Odin bekommen: Hugin und Munin, sie flüstern auch mir ihre Botschaften zu.

In den letzten Tagen ist viel passiert, überraschender Besuch kündigte sich an und ich öffnete die Tür zu einer magischen Reise, von der ich Euch demnächst berichten werde. So lange wandere ich schon selbst zwischen den Welten, aber die Magie der Götter, das Wirken der Nornen, es lässt mich immer wieder staunen. Und ich höre Grimnirs Lachen, seine Worte klingen in mir und wieder habe ich ein Teil des Puzzels meines Schicksals gefunden und an die richtige Stelle legen können. Nur um festzustellen, dass sich das vor mir liegende Mosaik als noch größer erweist als erwartet.

Bleibt mir gewogen und ich verspreche Euch noch in diesem Monat ein Aufwogen der Magie hier im Blog!

Die Postkarte ‚Hugin und Munin‘ ist für 1,70 €/Stück bei mir erhältlich. Weitere Motive werde ich demnächst vorstellen.

Elemente der Magie

02.10.2017

Keltisches Knotenpentagramm

Der Herbst ist angebrochen und somit kommt die Zeit der inneren Einkehr, die Zeit des Brauens, des Zauberns, des magischen Wirkens. Und schon freue ich mich, dass ich Euch heute auf einen zauberhaften Workshop hinweisen kann:

Gemeinsam mit Cassandra und Sabine erkunden wir die Magie der Reclaiming Tradion.
Vom 27. bis 29.10.2017 bieten die beiden erfahrenen Lehrerinnen in Berlin die Reclaiming-Kernklasse ‚Elemente der Magie‘ an. Dieser intensive Wochenendworkshop eignet sich für Einsteigerinnen und Einsteiger in die Reclaiming-Hexenkunst und hilft alten Hasen dabei ihr Wissen zu vertiefen. Gemeinschaftlich wird gezaubert, gewirkt, gelernt und erfahren. Dieser Workshop bietet Euch Informationen und Techniken rund um das persönliche magische Wirken, ihr erfahrt Eure Beziehungen zu den Elementen und rituelles Geschehen. Lasst Euch ein und taucht in die Welt der Magie!

Ich werde Euch übrigens, passend zur dunklen Jahreszeit, in den Pausen an einem kleinen Stand die Möglichkeit geben magisches und weihnachtliches zu erwerben. Bis eine Woche vor Seminarstart können auch noch individuelle Bestellungen bei mir aufegegeben werden.

Alle Informationen zum Workshop entnehmt bitte dieser PDF-Datei: Elemente der Magie_2017-1

Ich freue mich sehr, dass wir zwei so kompetente Lehrerinnen dafür gewinnen konnten bei uns in Berlin diesen Kernworkshop anzubieten. Wir freuen uns auf Euch!

 

Was macht die kleine Hexe…

27.09.2017

…wenn sie eine Konferenz besucht? 

Die Kuscheltiere sind ganz dick miteinander

Erst einmal geht die kleine Hexe nicht alleine auf die Konferenz, sondern mit ihrer Kuscheltiergruppe. Und nun muß ich erst einmal schreiben, was es mit dieser Kuscheltiergruppe auf sich hat: Manch‘ eine Hex‘ reist mit ihrem Begleittier (oder mit mehreren dieser Tiere) durch die Welt. Es geht mit ihr durch dick und dünn, durch Land und Luft und sitzt beim Ritual, beim Workshop oder bei der Konferenz stets irgendwo mit dabei. Und irgendwann – es war auf einem dieser magischen Treffen zwischen Hexen – begann jemand die Tiere zu fotografieren, denn sie erlaubten alle bedingungslos im Internet gepostet zu werden. Anhand der Tiere kann man später erkennen welche Hexen und Heiden anwesend waren – wenn man Bescheid weiß. Und so bleiben die begleitenden Hexenmenschen auf Wunsch weitestgehend anonym. Eine schöne Idee.

Wenn Duke vor liest ist dies Gänsehaut pur

Doch zurück zur Konferenz. Ich selbst war ja an meinem Stand mit Verkauf und Karten legen befasst, allerdings konnte ich in den frühen Abendstunden des Samstags die Pforten schließen und hatte so die Möglichkeit doch noch einiges mit zu machen. Eingeladen war unter anderem Duke Meyer, dessen herausragendes Buch zu den Runen ich bereits an anderer Stelle gepriesen habe. Inzwischen weiß ich jedoch, dass es noch etwas gibt, das tatsächlich besser ist als dieses – inzwischen in der dritten Auflage erschienene – Buch, und das ist eine Lesung desselben. Zumindest dann, wenn der Autor selbst liest. Duke schafft es nicht  nur mit seinen Worten die Wirkkraft des Buches zu unterstreichen, sondern er lässt die Runen lebendig werden, tanzen und brennt sie in die Herzen der Zuhörer. Seit meiner ersten Lesung, der ich vor einigen Monaten beiwohnte, bin ich sogar dem alten Speerschüttler – dem ich immer recht kritisch beäugte – etwas gnädiger gegenüber. Wer die Möglichkeit hat sich vom Meister selbst das Buch lesen zu lassen, sollte dies unbedingt in Anspruch nehmen! Eine solche Lesung verursacht zumindest mir Gänsehaut pur und man mag gar nicht mehr aufhören zuzuhören. 

Paula Noske an der Gitarre, daneben Peti Songcatcher und daneben Duke Meyer – glaubt es mir einfach 🙂

Das Programm des ersten Konferenztages endete mit einem Konzert von Peti Songcatcher and friends. Diese Konzerte sind immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis und ich zähle mich selbst inzwischen zu den größten Fans der Band. Zwar reise ich dem Tourwagen der Band nur dann hinterher, wenn ich den Weg nicht kenne, aber wenn ein Konzert in der Gegend ist, dann bin ich in der Regel ganz vorne mit dabei. Was mich so sehr an den Konzerten begeistert ist die Tatsache, dass die Musiker ihr Publikum in das Konzert integrieren. Und so kann ein Konzert mit Peti und ihren Freunden zu einem regelrecht rituellem Erlebnis werden. Nicht nur wird gemeinsam gesungen und getanzt, diesmal kam auch noch jemand auf die Idee einen Kreistanz, welcher alle Zuschauer mit einschloss, zu beginnen. Und so wogte und spiralte es durch den Saal, während alle Füße in Bewegung waren, viele Kehlen sangen und hier und da auch noch eine Träne floß. Diesmal gab es auch einige neue Lieder im Set und wer wirklich wissen möchte, was die kleine Hexe sonst noch so treibt (wenn sie nicht auf Konferenzen geht) wird nicht drum herum kommen sich dieses Wissen auf einem Konzert vorsingen zu lassen.

Der Tag endete nach 22.00 Uhr mit einem Feuerwerk, dann ging es Heim und die schreibende, kleine Hexe fiel rechtschaffen müde und glücklich in ihr Bett, den Kopf voller Melodien und neuer Eindrücke.