Abenteuer in der Muggelwelt: Opfer oder Täter?

Die letzte Woche meines diesjährigen Urlaubes verlief stressig und leicht verstörend. Wir erinnern uns: Mein Neffe ist Gast in meinem Hexenheim. Wir verbringen die Urlaubszeit damit zu zaubern, ich lehre ihn ein paar Tricks und Rezepte und ansonsten gehen wir ins Kino, züchten ein paar Drachen nebenher und genießen das wunderbare Sommerwetter. Klingt traumhaft, wenn nicht… ja, wenn ich nicht letzten Freitag Opfer einer Straftat geworden wäre, die mich ziemlich durcheinander geschüttelt hat. Und das kam so:

Ich besitze einen kleinen Zweisitzer für die Stadt. Hexen erscheint er in der Regel als schnittiger Besen, Muggel erkennen ein smartes, gelbes Auto. Da ich ja in der Großstadt Berlin lebe, habe ich ihn ordnungsgemäß gemeldet, sowohl beim Bundesamt für magische Wesen als auch beim hiesigen Straßenverkehrsamt. Aus diesem Grunde führe ich an meinem smarten Besen ein amtliches Kennzeichen, umgangssprachlich als Nummernschild bezeichnet. Dazu bin ich verpflichtet, auch als magischer Bürger der Stadt. Als ich nun letzten Freitag, kurz vor dreizehn Uhr, mit meiner Mutter von einem Ausflug in die kulinarische Welt meiner schönen Heimatstadt zurück kam, da erlebten wir eine böse Überraschung: Meinem smarten Gefährt waren die amtlichen Kennzeichen entwendet worden. Ja, und ich muss zu meiner Schande gestehen, dass ich die Standard-Schutzzauber nicht erneuert hatte. Als aufgeklärte Hexe und Bürgerin dieser Stadt wusste ich jedoch genau, was zu tun ist! Umgehend informierte ich – zunächst telefonisch – die zuständige Polizeidienststelle. Ich wurde dazu aufgefordert das Fahrzeug unverzüglich dort vorzufahren und bekam für diese Fahrt zur Polizeidienststelle eine Genehmigung. So machte ich mich auf den Weg, fuhr das Fortbewegungsmittel vor und erstattete Anzeige. Das Fahrzeug wurde in Augenschein genommen und ich musste nun umgehend neue Kennzeichen beantragen. Ungünstigerweise war zu diesem Zeitpunkt das Straßenverkehrsamt der Muggel bereits geschlossen. Die freundlichen Polizisten jedoch gaben mir eine Mitteilung für mein Gefährt. Darauf befand sich die Sachbearbeitungsnummer. Sie meinten ich sollte diese Mitteilung sichtbar in mein Fahrzeug legen, so wüsste man, dass das kleine, gelbe Auto Opfer einer Straftat geworden wäre. Über das Wochenende war ich ja handlungsunfähig. Ich solle mir keine Sorgen machen wegen des Ordnungsamtes der Muggel (die ja angehalten sind nicht gemeldete Fahrzeuge – also zumeist Fahrzeuge ohne Nummernschild – zu entfernen).

Das Hexenfahrzeug erscheint Muggeln als Auto.

Das Hexenfahrzeug erscheint Muggeln als Auto.

An dieser Stelle atmen wir kurz durch. Der Sachverhalt: Mein Fahrzeug ist ordnungsgemäß gemeldet. Es ist steuerpflichtig, die Steuer ist entrichtet. Das Fahrzeug ist durch eine Straftat von seinen Kennzeichen gelöst worden. Dies ist der Polizei bekannt und gemeldet, Anzeige ist erstattet. Das Fahrzeug wird vor meinem Nachbarhaus geparkt, mit der gut leserlichen, polizeilichen Mitteilung angeklebt hinter der Windschutzscheibe.

Was macht Eure liebste Bloghexe inzwischen? Es ist Freitag, das Straßenverkehrsamt ist – nach wie vor – zu. Ich müsste am Montag zum Amt und dort mit meiner Anzeige vorsprechen. Dann bekomme ich vom Amt einen Termin, zu diesem Termin müsste ich dort erscheinen und bekäme neue Nummernschilder. Vorgangsdauer? Hier in Berlin – bei völlig überlasteten Ämtern – bis zu mehreren Wochen! Bei Straftaten muss jedoch ’schnellstmöglich‘ reagiert werden. Was auch immer dies heißen mag. Dennoch schafft Eure Bloghexe noch am Freitag das scheinbar Unmögliche!!!  Mit ihrem scharfen Geist und der guten Kenntnis der Muggelwelt glaubt sie dem Schicksal ein Schnippchen zu schlagen. Sie geht zu einem privaten Anmeldedienst und schildert die Situation. Sogleich erhält sie alle nötigen Informationen. In spätestens 10 Tagen sind die neuen Nummernschilder da. Auch die Nummer erhält die Bloghexe schon. Uff. Alles gut, oder?

Wie Ihr Euch vorstellen könnt ist es schon unangenehm genug bestohlen zu werden. Damit verbunden ist viel Aufruhr, Aufwand und Stress. Hinzu kommt eine Portion Geld, die investiert werden muss, um den Schaden wieder glatt zu bügeln. Das Wochenende verlief zudem wenig entspannend und ich startete einige Anfragen, um mir privat einen Stellplatz für mein Auto zu mieten, in der Hoffnung solcherart Unbill in Zukunft zu vermeiden.

Am Montag jedoch dann kam ein böses Erwachen! Ich fand an meinem Fahrzeug eine riesige, gelbe Plakette vom Ordnungsamt (gleich neben der Polizeimitteilung). Sinngemäß: Dieser Wagen sei unverzüglich zu entfernen, ansonsten werde er entfernt und ich habe 10.000 € Bußgeld zu zahlen, da ich eine Ordnungswidrigkeit begehe.

Das Opfer einer Straftat wird zum Täter.

Das Opfer einer Straftat wird zum Täter.

Noch mal zur Info: Ich weiß, dass es nicht statthaft ist ungekennzeichnete Fahrzeuge auf öffentlichen Grund abzustellen. Aus diesem Grunde hat mir die Polizei den Hinweis gegeben die Anzeige im Fahrzeug zu deponieren, um klar zu machen, dass es sich nicht um eine vorsätzliche Ordnungswidrigkeit handelt, sondern um ein Fahrzeug, das Opfer einer Straftat wurde und in dieser Tat wird ermittelt. Die Anzeige ist klar und deutlich lesbar deponiert.
Ich bin schockiert und verwirrt. Also rufe ich die Polizei an und schildere den neuen Sachverhalt. Der Polizist, mit dem ich spreche, ist gelassen und meint, ich solle nichts tun,  denn es sei alles okay. Da habe sich bestimmt jemand vertan. Und selbst wenn ich vom Ordnungsamt Post bekäme, so müsse ich nur die Nummer meiner Anzeige bei der Polizei mitteilen.

Irgendwie ist mir trotzdem mulmig. Man droht mir damit meine Fahrzeug zu entfernen. Also beratschlage ich mit der Familie, was zu tun ist. Ihr erinnert Euch: Es ist Montag. Am Freitag wurde ich Opfer einer Straftat. Es ist ein Werktag vergangen, da werde ich vom Ordnungssamt einer Ordnungswidrigkeit bezichtigt. Ich beschließe in die Offensive zu gehen und beim Ordnungsamt anzurufen. Zeitgleich bemühe ich mich weiter um einen privaten Stellplatz. Es ist noch immer Montag, inzwischen nach 12.00 Uhr mittags. Da erreicht man beim Ordnungsamt niemanden… Ich muss einen alten Jeditrick anwenden, um ruhig zu bleiben. Was sind schon die Androhung von 10.000 € Ordnungsgeld und der Verlust eines Fahrzeuges im Anbetracht des unendlichen Universums? Also, in meinem Universum irgendwie doch schon ein ganz schöner Brocken… Ein Schnaps ist doch hilfreicher, als die Jedimeditation… hoffentlich kann ich diesen Fall bald abschließen, ohne Alkoholiker zu werden.

Dienstag früh, ich springe aus dem Bett und beginne direkt mit meinem großangelegten Kommunikationsangriff auf das Ordnungsamt. Ich trinke auch keinen Schnaps vorweg. Natürlich habe ich vorher auch einen Kommunikationszauber gemacht. Und TATSÄCHLICH geschieht das Unglaubliche. Gleich mein erster Anruf bringt Erfolg in Form einer Mitarbeiterin am anderen Ende. Damit hatte ich kaum gerechnet. Für eine Sekunde bin ich regelrecht perplex. Und was ich nun zu hören bekomme zieht mir echt die Schuhe aus. Aber Euch sei gesagt: Eure Bloghexe bleibt nicht nur ruhig und gelassen, sondern auch freundlich und wünscht allen Mitarbeitern des Amtes immer auch einen wundervollen Tag.

Ich schildere meinen Fall. Ihr erinnert Euch (sorry, dass ich mich wiederhole, doch zuweilen vergaß ich es fast selbst): Ich bin Opfer einer Straftat. Die Polizei ist an dem Fall dran. Es gibt eine polizeiliche Ermittlungsnummer. Mein Fahrzeug ist – nach wie vor – ordnungsgemäß gemeldet und versteuert. Ich tue ALLES mir möglich, um das Fahrzeug neu zu kennzeichnen und es von öffentlichem Boden weg zu bekommen. All dies kann ich auch belegen. Und was erfahre ich: Ich habe das Fahrzeug umgehend zu entfernen, ansonsten werde es kostenpflichtig entfernt. Alles andere spiele keine Rolle. Ich weise darauf hin, dass ich das Fahrzeug gar nicht fahren dürfe, da es keine Kennzeichen hat. Da hat das Ordnungsamt eine tolle Idee: Ich könne mir ja rote Kennzeichen besorgen und dann das Fahrzeug weg fahren. Wohin, das hingegen müsse ich selbst wissen. Wenn ich keinen eigenen Grund und Boden besitze, dann vielleicht in den Garten meiner Freundin in Neukölln… die wird sich bestimmt freuen. Ich könnte ihr Schnaps geben, bis es ihr nicht mehr auffällt, was da in ihrem Vorgarten steht…

Zu diesem Zeitpunkt ziehe ich die Konsultation eines Anwaltes ernstlich in Erwägung. Doch zunächst gehe ich wieder zu meinem Meister der Nummernschilder, der alles tut, um mich schnell und zuverlässig mit neuen Kennzeichen auszustatten. Leicht beunruhigt schildere ich ihm meine Abenteuer mit dem Ordnungsamt und sehe dabei, wie seine Gesichtszüge entgleisen. Ich weiß, ich wiederhole mich: Die Polizei hat mir erlaubt den Wagen mit der Anzeigennummer stehen zu lassen, das Ordnungsamt aber behauptet ich begehe eine Ordnungswidrigkeit (und die auch noch grob fahrlässig, da ich ja weiß, dass der Wagen ohne Nummernschildern nicht geparkt werden darf). Und nun soll ich mir ‚rote Kennzeichen‘ holen, um den Wagen zu überführen – zum Beispiel in den Garten meiner Freundin, die davon noch nichts ahnt. Beim Meister der Nummernschilder erfahre ich erstaunliches: Der Hinweis des Ordnungsamtes würde bedeuten, dass ich meinen Wagen abmelden müsste und neu wieder anmelden müsste. Das wiederum würde bedeuten, dass ich eine ECHTE Ordnungswidrigkeit begehe, denn unangemeldete Fahrzeuge dürfen nicht rumstehen. Nummernschild-Meister und ich sind uns einig: Das Ordnungsamt ist im Unrecht, ich im Recht. Aber: Das Ordnungsamt hat die Abschleppmacht. Und ich noch keinen Anwalt.

Es ist Dienstag Vormittag. Ich bin am Ende mit meinem Latein. Doch tatsächlich habe ich so lange bei meinen Nachbarn an den Türen gekratzt, bis ich – für ein paar Tage – einen Stellplatz für meinen Wagen gefunden habe. Und dann tue ich etwas unfassbares: Ich setze mich in mein Auto – ohne Nummernschilder – und fahre los… 40 Meter… über die Straße… in einen Hinterhof… das ist bestimmt ein Verbrechen. Möglicherweise sogar ein schweres, welches nicht mit einer Geldstrafe unter 10.000 €, die ich nicht habe, geahndet wird.
NEIN!!! Scherz beiseite! Selbstverständlich habe ich das Fahrzeug  ordnungsgemäß abschleppen lassen!!! Ich möchte mich ja nun keiner Ordnungswidrigkeit schuldig machen!!!

Möchte noch jemand einen Schnaps?

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Über Curtis Nike

Verhinderer apokalyptische Zustände.

Veröffentlicht am 24. Juli 2015 in Kuriositäten und mit , , , , , , , , , getaggt. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink. 5 Kommentare.

  1. Unfassbar, aber ich musste ehrlich geschrieben, auch sehr schmunzeln. Das Berlin kein Geld hat, ist ja hinlänglich bekannt, aber das sie es jetzt auch auf solch‘ kuriose Art und Weise eintreiben wollen, oh oh O_o

  2. Das ist ja UN-FASS-BAR…. und scheint mir dazu nicht nur muggelig, sondern auch sehr spezifisch berlinerisch zu sein! Ich hoffe, daß Deine neuen Nummernschilder schnell ihren Weg zu Dir finden und daß in der Zwischenzeit nicht noch jemand mit Deinen alten Schildern eine Straftat begeht, die man Dir dann auch noch in die Schuhe schiebt, weil eine dritte Behörde dafür zuständig ist (Kommunikation zwischen beteiligten Behörden scheint ja nicht stattzufinden). Hammer….

  3. Das ist ja unglaublich! Nicht der Behördenwahnsinn, das ist ja typisch, wie ich als kleines Rädchen der Maschinerie nur zu gut weiß. ABER… dass diese unverfrorene Hexe einfach ihren ordnungswidrigen Unrat auf unserem heiligen Grund und Boden (oder besser Mamas heiligem Grund und Boden, denn sie müsste mit Schnaps abgefüllt werden) abladen will… Eines sollte Dir klar sein: unser metallfressendes Efeu wartet schon inbrünstig auf Dein Auto… Klein und dick, des Efeus Glück! ;-P

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