Kashmir – Symphonic Led Zeppelin

Rezension: ‚Kashmir – Symphonic Led Zeppelin, Produced by Jazz Coleman and Youth

Eine Reise durch Led Zeppelins Welt

Inhaltsverzeichnis 

Der Titel: KASHMIR
Jaz Coleman
Das Cover
Die Musik
Resümee

Das von Led Zeppelin nach wie vor eine unwiderstehliche Faszination aus geht beweist sicher nicht nur die Tatsache, daß ich mich heute einem Album zuwendet, welches sich ausschließlich mit dem Neuarrangement von Led Zep Songs befasst.

Das vorliegende Album habe ich ursprünglich nur deshalb gekauft, weil ich es sehr günstig bei Ebay ergattert habe und mir dachte, daß es vielleicht reinhörbar sei. Mitte der 80er Jahre war es mal ,in‘ alle möglichen Rocksongs symphonisch umzusetzen, was damals für mich nach einer Weile recht langweilig klang. Aber dennoch habe ich mein Glück mit vorliegendem Album noch mal ausprobiert, zumal es sich um ein Werk der späten 90er handelt – welches nun auch schon zahlreiche Jahre auf dem Buckel hat. ,KASHMIR‘ erschien 1997.

Ich sollte den Kauf der CD in keiner Weise bereuen, denn das vorliegende Werk ist erfrischend anders, wohltuend neu arrangiert und außerordentlich eingängig und erfreulich. Doch lest selbst…

Der Titel: KASHMIR

Als im Jahre 1975 Led Zeppelins Doppelalbum ,Physical Graffiti‘ heraus kam enthielt es unter anderem das phänomenale Stück ,Kashmir‘. Dieses Stück, welches übrigens in Marokko entstand und keineswegs in Kashmir, gehört wohl zu einem der Klassiker der Band. Der bombastische Einstieg, welcher vor allem bei Live – Inszenierungen wahre Schauer über den Rücken jagen lässt, ist oft gecovert und selten erreicht worden. Die jüngere Generation unter Euch kennt Auszüge aus dem Stück sicherlich aus der unsäglichen Coverversion ,Come with me‘ von Puff Daddy.

Doch zurück zur vorliegenden CD… Arrangiert wurde die CD von Jazz Coleman. Er hat sich für den Titel ,Kashmir‘ entschieden, weil ihn dieses Stück in seiner Jugend nicht mehr aus den Ohren gehen wollte. Laut eigenen Angaben hat er es stundenlang immer wieder hören können und war wie besessen von der Komposition. Insofern lag es für ihn nahe seiner Neuinszenierung diesen Titel zu geben.

Jaz Coleman

Die musikalische Karriere Jaz Colemans, der diese CD arrangiert und mit produziert hat, könnte kaum facettenreicher sein. Ende des Jahres 1978 hat Coleman, der in Leipzig und Kairo orientalische Musik studiert hat, zusammen mit Drummer Paul Ferguson ,Killing Joke‘ begründet. Der Bandname bezieht sich übrigens auf den tödlichen Witz der Monty Python Truppe.
Nachdem die beiden sich Bassist Martin ‚Youth‘ Glover und Gitarrist Geordie Walker hinzuholen starten sie durch – bis 1982. Da erklärt Coleman, der sich für okkulte Ideen begeistern kann, daß die Apokalypse bevorsteht. Er beschließt das Ende seiner Tage in Island (andere Quellen sprechen von Neuseeland – so genau scheint das keiner zu wissen) zu verbringen.
Seltsamerweise kommt es zu keiner Apokalypse – jemand muß sie wohl lautlos verhindert haben. Und so wird der Komponist Ende der 80er Jahre Dirigent des neuseeländischen Symphonieorchesters.

Seine Begeisterung für symphonische Musik verbindet Coleman alsbald mit seiner Freude an Rock Musik. Und so werden neben Led Zeppelin auch Bands wie Pink Floyd oder The Doors von ihm symphonisch bearbeitet.
In der Produktion der vorliegenden CD stand Jaz übrigens Youth zur Seite.


Das Cover

Das Pappcover ist sehr liebevoll und aufwendig gestaltet. Im mystischen grün gehalten bilden auf der Front Bücher den Rahmen für die lesende Dame, die sich im Mittelpunkt des Bildes befindet. Auf dem Schoß hält sie ein Buch, sie selbst sitzt auf einem gewaltigen Turm aus Büchern. Über ihr schimmert leicht angedeutet ein Regenbogen, im Hintergrund sieht man zerfallene, antike Ruinen.

Bücher symbolisieren das Wissen der Menschheit. Durch die geschichtlichen Kulturen hindurch sind sie Basis dessen, was wir heute sind. So ist zum Beispiel die Bibliothek von Alexandria, die etwa um 250 v. Chr. begründet wurde, noch heute – trotz mehrfacher Zerstörungen – berühmt für ihre unglaublichen literarischen Schätze.
Zudem kann man bei genauerem Hinsehen auf einigen Büchern mystische oder magische Symbole erkennen, ein möglicher Hinweis auf Colemans Interesse am Okkulten, aber auch ein Hinweis des Interesses des Led Zeppelin-Gitarristen Jimmy Page an allem was mit Magie und Okkultismus zu tun hat.

Im Inneren der CD befindet sich ein auffaltbares, farbenfrohes Bild, welches die Mystik des Covers aufgreift. Es entfaltet sich eine mysteriöse Landschaft aus Gewässern, Labyrinthen, Gebäuden und mystischen Symbolen. Dabei sind die Illustrationen mit optischen Täuschungen versehen, die an den bekannten niederländischen Künstler M.C. Escher angelehnt sind.
Auf der Rückseite des Bildes befinden sich Informationen zu den einzelnen Stücken.

Die Musik

Die CD beginnt bereits sehr mystisch mit dem Einleitungsstück „Dawn at the Great Pyramid“ welches – ebenso wie das Outro (Kulu Valley) – die einzigen Stücke sind, die keine direkten Led Zep Cover sind, sondern eigenständige Kompositionen.

In „Dawn at the Great Pyramid“ hat man zunächst den Eindruck auf einem belebten Markt zu sein, man hört eine musikalisch erzeugte Geräuschkulisse, aus der sich nach einiger Zeit eine orientalische Flöte heraushebt und den Zuhörer in die kommende Melodie führt. Ein Hauch von Orient vermischt sich nach und nach mit dem leichten Einsatz von Streichern, die sich immer mehr in den Vordergrund spielen.
Und in dem Moment wo das Stück nahtlos in die ersten, energetischen Takte von „Kashmir“ über geht läuft zumindest mir ein heftiger Schauer über den Rücken. Das Arrangement ist einfach PERFEKT. Das Orchester greift die starke Energie des Zep-Klassikers auf und präsentiert sie in einem neuen und doch irgendwie vertrauten Rahmen. Denn mal ehrlich: Kashmir hat doch schon 1975 buchstäblich danach geschrien von einem ,echten‘ Orchester inszeniert zu werden.

Irgendwo in weiter Ferne hört man Irische Flöten und ein seltsames Brummen und Murmeln, wenig später setzen Schlaginstrumente ein und symbolisieren das Schlachtfeld, in dem es in „The Battle of Evermore“ geht. Das Stück, welches durch den ,Herrn der Ringe‘ (bevor ich hier laute Proteste höre, ich beziehe mich unter anderem auf folgende – eindeutige – Textstelle im Original: the ringwraiths ride in black) und Legenden aus der schottischen Mythologie inspiriert wurde, wird energetisch und kraftvoll umgesetzt und endet über dem öden Schlachtfeld in einer regelrecht melancholischen, todesähnlichen Starre.

Die träumerischen Klänge des nächsten Stückes werden in den meisten von Euch Assoziationen wecken. Denn „Stairway to Heaven“ ist wohl das bekannteste Stück von Led Zeppelin und so ist dieser verträumten und schönen Instrumentalversion nichts mehr hinzuzufügen. Sie beginnt entspannt und folgt dem Handlungsbogen der Vorlage, die im weiteren Verlaufe immer dynamischer und eindringlicher wird. Der Break ist phänomenal umgesetzt!

„When the Levee Breaks“ – mein Lieblingsstück von Zep! Hohe Flutwellen schlagen an, das Wasser steigt! Das bedeutet, daß die Deiche aufweichen – sie werden brechen. Insofern erzeugen die Streicher eine unterschwellige, dunkle, bedrohliche Stimmung. Harfenklänge perlen mitten im Stück wie der Regen am Ohr ab… und es regnet weiter und weiter… das hält kein Deich durch… Lautmalerisch unglaublich stark umgesetzte Version des Zep-Klassikers. Auch auf dieser CD – neben Kashmir – mein Lieblingsstück.

„Going to California“ hebt für einen Moment die Aufgewühltheit des Vorgängerstückes auf. Dunkel wabern die Streicher bis wenig später die kalifornische Sonne auch in diesem Stück aufgeht und die Stimmung hebt.

Mit „Friends“, daß epochal inszeniert wurde, wird das kürzeste Zep-Stück umgesetzt. Während es ein „Stairway to Heaven“ auf gut 10:40 Minuten bringt ist das phänomenale „Friends“ mit 5:50 Minuten beinahe kurz geraten, aber nicht desto trotz enorm eindringlich. Allerdings muß ich bei der etwas brachialen und dunkel gehalten Inszenierung schon schmunzeln. Das Led Zeppelin Stück entstand ursprünglich in einer Streitsituation der Bandmitglieder. Page und sein Sänger Plant waren durch ihre recht unterschiedlichen Charaktere wohl Garant für unschöne Szenen. Friends wurde also komponiert um sich gegenseitig auf musikalischem Wege die durchaus vorhandenen positiven Gefühle auszudrücken. Gab es Streit beim Proben begann einfach irgendjemand im Proberaum die ersten Takte zu spielen und der Streit war vorbei… Page hat sich beim Komponieren ursprünglich ein bisschen an Holts Planetensuits gehalten, wobei er sich seinen Lieblingsplaneten, den Mars (den Planet des Krieges), herausgesucht hat. Diese marsianische Kraft ist in der Instrumentalversion von ,Friends‘ voll zum Ausdruck gekommen.

Das traurigste Stück, welches Led Zeppelin je gemacht hat – ja machen musste – ist „All of my Love“, ein Stück, welches in der Instrumentalversion fast noch mehr Schmerz und Liebe ausdrückt, als in der Originalversion. Ursprünglich 1979 in „In through the out Door“ veröffentlicht geht es in diesem Stück um Karac Plant, den Sohn von Sänger Robert Plant, der im Alter von nur 5 Jahren durch eine Bauchfellentzündung ums Leben kam. Dementsprechend traurig, bewegend und nachdenklich ist die Stimmung des Stückes. Ich persönlich empfinde es als äußerst bewegend und es kann regelrecht zu Tränen rühren.

Abschließend verbindet „Kulu Valley“ noch einmal Zitate aus den schon gespielten Led Zeppelin Stücken zu einem akustischen Klangteppich welcher fast psychedelisch wirkt. Hier wurden auch Elemente aus der Ambiente Musik und dem Trance mit eingewoben (steht ja auch auf der Playlist als ,Ambient Remix).

Resümee

Normalerweise bespreche ich nicht jedes einzelne Stück auf einer CD, diesmal habe ich eine Ausnahme gemacht, weil es mir unmöglich erschien aus diesem eindringlichen Neuarrangement auch nur ein Stück besonders hervorzuheben. Led Zeppelin Kenner werden zudem feststellen, daß Coleman sich gezielt Balladen, die sich gut orchestral umsetzen lassen, für seine CD raus gesucht hat. Kein „Whole lotta Love“ oder „Black Dog“ – was ich persönlich auch eher als untreffend empfunden hätte.
Ich persönlich höre die CD sehr oft! Ich empfinde die Musik als schön, zuweilen entspannend und absolut ansprechend und empfehlenswert. Außerdem eignet sie sich hervorragend um LZ-Gegner (wie z.B. Eltern, Kinder neuer Generationen, genervte Bekannte etc.) an LZ heranzuführen.

Gesamtlänge
72:11 Minuten

Preisleistungsverhältnis
Anschaffung lohnt auf jeden Fall!

Urheberrechtliches:

Dieser Artikel wurde am 18.04.2006 ev von Curtis Nike verfaßt. Alle Rechte liegen bei der Verfasserin. Verstoß gegen das Urheberrecht wird nicht nur mit Fluch geahndet, sondern hat auch rechtliche Konsequenzen.

Dieser Artikel erschien erstmalig 2006 auf der
Verbraucherplattform Ciao unter meinem dortigen Usernamen Sowan. Wer neugierig geworden ist kann dort mal schauen, es liegen dort weit über 100 Artikel und Rezensionen von mir vor.

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