Blog-Archive

Die fünfte lange Nacht der Religionen in Berlin

 

Peti Songcatcher and Friends - Duke Meyer von den Singvögeln und Paula Noske

Peti Songcatcher and Friends – Duke Meyer von den Singvögeln und Paula Noske

Es ist Vollmond. Ich höre im Halbschlaf die Trommeln. Es ist die Nacht zum 17. September, die Nacht vor der langen Nacht der Religionen. Und doch höre ich bereits die Klänge der Hexen und Heiden, das rhythmische Vibrieren der Trommelfelle, Gitarren und Gesang. Langsam gleite ich hinüber in mein Traumwelten während nebenan Peti, Duke und Paula proben. Sie bereiten sich auf die 5. Nacht der Religionen in Berlin vor. Ich persönlich habe meine Vorbereitungen glücklicherweise bereits abgeschlossen. In diesem Jahr beherberge ich Gäste und deren Betten sind schon einen Tag zuvor gemacht gewesen.

Nach dem Frühstück (bestehend aus sehr viel Kaffee und ein Stück Apfelkuchen von Paulas Mutter) am Morgen des 17. September packe ich meine Tasche zusammen. Der Fotoapparat muss schließlich mit. Leider soll ich im Laufe des Tages feststellen, dass meine alte Kamera immer schlechter wird und ich dringend eine neue brauche. Nur die Hälfte meiner Fotos ist wirklich etwas geworden.
Meine musikalischen Freunde sind schon längst unterwegs und ich höre draußen die Glocken der Kirchen läuten. Der ‚Tag der Religionen‘ ist eröffnet. Denn es geht bereits vor 14.00 Uhr in ganz Berlin los.

Berlin sprüht vor Magie! Auch der OTO sowie das Projekt 'Magic Berlin' sind präsent.

Berlin sprüht vor Magie!
Auch der OTO sowie das Projekt ‚Magic Berlin‚ sind präsent.

Im letzten Jahr habe ich eine Veranstaltung des Eldarings besucht. In diesem Jahr habe ich beschlossen bei den Paganen Wegen und Gemeinschaften vorbei zu schauen. Hier würde sich das magische Leben Berlins versammeln und an unterschiedlichen Ständen, bei Ritualen und Vorträgen vorstellen. Zudem sollte mir auch bald klar werden, dass die Berliner ‚Nacht der Religionen‘ inzwischen eine Strahlkraft hat, die weit über die Grenzen der Stadt hinaus geht. Denn ich traf alte Freunde und Bekannte, die ich zum Teil seit Jahren nicht mehr gesehen hatte. Aus ganz Deutschland – und darüber hinaus – reisten Menschen mit heidnischer Orientierung an, um sich zu präsentieren. 

Das Programm der Veranstaltung spiegelt zum einen das bunte, magische Berlin wieder. Zum anderen stellen sich heidnische Gruppen, die ihre Hauptpräsenz in anderen Bundesländern haben, vor. So präsentierte sich aus dem Bereich der Ordensmagie beispielsweise der Berliner Zweig des OTO mit einem kleinen Informationsangebot, während zu den Veranstaltungen der Reclaiming-Gemeinschaft  Reclaimer nicht nur aus Berlin, sondern aus ganz Deutschland angereist gekommen sind. Auch aus unserer kleinen Gruppe der Zaunköniginnen waren einige zum Informationsaustausch gekommen.

Deutschlandweit reisten Reclaimer zur 'Nacht der Religionen'.

Deutschlandweit reisten Reclaimer zur ‚Nacht der Religionen‘.

Da das Areal, auf dem sich die Veranstaltung ausdehnte, viel Platz bot gab es zahlreiche Möglichkeiten mit den Anwesenden in Gespräche zu kommen. Und so war es gar nicht möglich alle Veranstaltungen wahr zu nehmen, da es so viele Angebote gab, dass in zwei unterschiedlichen Seminarräumen zeitgleich gewirkt wurde. Zugleich fanden im Freien diverse Ritualangebote statt. 

Leider hatte ich im Vorfeld nicht gewusst, dass die ganze Veranstaltung gefilmt wurde. Auf der Website zur ‚Langen Nacht der Religionen‘ habe ich bedauerlicherweise keine Hinweise auf Filmteams gefunden. Zwar begrüße ich die Idee auf Anfrage Interviews mit den Anwesenden zu führen, aber mir persönlich gefiel es nicht, dass zum Teil auch während der Rituale Filmaufnahmen gemacht wurden. Dies hielt mich persönlich mit davon ab an den rituellen Veranstaltungen Teil zu nehmen. Statt dessen zog ich mich in den ‚Raum der Stille‘ zurück. Dieser Meditationsraum war hingegen ganz und gar nach meinem Geschmack. Hier war ein kleiner Altar errichtet und es gab die Möglichkeit bequem zu sitzen oder zu liegen und einfach einmal auszuspannen.

Lesens- und Hörenswertes.

Lesens- und Hörenswertes.

Kulinarisch gab es eine vorbildliche Versorgung mit Kaffee und Kuchen, die auf Spendenbasis zu bekommen waren. Zudem gab es einen Hexenkessel mit Suppe. 

Im Großen und Ganzen ist auch in diesem Jahr zu sagen, dass ein einziger Tag viel zu kurz ist, um in die mannigfache Welt der Spiritualität und Religion einzutauchen, gerade für mich als ’nicht-religiöse‘ Religionswissenschaftlerin! Wieder einmal muss ich eine ‚Woche der Religionen‘ anregen.

Und als wir Zaunköniginnen am Abend ‚gen Heimat aufbrechen, begleitet von den wundervollen magischen Klängen von ‚Peti Songcatcher and Friends‚, die live spielten, da bin ich rechtschaffen erschöpft von all den anregenden, inspirierenden und wundervollen Gesprächen, die ich führen durfte.

Ich habe keine Religion. Ich habe eine Weltanschauung. Ich glaube nicht. Ich mache Erfahrungen.

Ich habe keine Religion. Ich habe eine Weltanschauung. Ich glaube nicht. Ich mache Erfahrungen.

Übrigens: Im nächsten Jahr findet ‚die lange Nacht der Religionen‘ am 25. Mai statt.

Bleibt neugierig!

 

 

Urfeuer

Tief im Inneren unserer Erde, da brodelt noch das Urfeuer, aus dem alles entsprungen ist. Damals, als Niflheim und Muspelheim aufeinander prallten und die Grundlagen der Welt aus ihnen entsprang. Der wärmende Kern unseres Planeten symbolisiert für mich das Herz des Urfeuers, ohne das kein Leben denkbar ist. Das Urfeuer ist Quell der Inspiration, wärmende Lebensenergie, Lebensgrundlage allen Seins und zugleich zerstörerische Kraft. Es brodelt unter unseren Füßen, tief in der Erde als heißer Erdkern und zugleich über unseren Köpfen, am Himmel in Form der gleißenden Sonne. Sie ist Lebensspenderin und Verbrennerin gleichermaßen.

Urfyr

Urfyr bei mir zu Hause

Das Urfeuer als Inspirationsquell dient auch als Grundlage für eine ganz besondere Form von Ritualmusik, die ich Euch heute vorstellen und ans Herz legen möchte: Urfyr Aus den Quellen der nordischen Mythologie schöpft diese außerordentliche Musikgruppe, die bereits mehrere CDs publiziert hat, ihre Inspiration. So basieren die beiden Alben „Nordische Götter“ sowie „Der Welten Neun“ auf dem Schatz der nordischen Mythologie. Beide CDs sind speziell dafür gemacht, um in Ritualen, persönlichen Meditationen oder der magischen Arbeit unterstützend eingesetzt zu werden. Aber natürlich kann man sie auch sehr gut bei allerlei kreativem Wirken hören. Ich habe beide Alben und finde sie ausgezeichnet. Das kommende Album, dass sich mit den nordischen Göttinnen befassen wird, kann kaum noch besser werden. Doch wer die nordischen Göttinnen kennt und mit ihnen arbeitet weiß natürlich: Sie krönen einfach alles Tun! 

Cover der CD "Nordische Götter"

Cover der CD „Nordische Götter“

Ich erinnere mich noch sehr wohl an den Moment, als ich Urfyr das erste Mal hörte. Das war noch lange vor der Publikation der beiden oben genannten Werke. Es muss wohl der Nikolaus selbst gewesen sein, der mir einen Link mit Hörproben von Urfyr brachte. Und ich war vom Hören der ersten Töne an im Bann dieser besonderen Klänge. DAS war genau der Sound, den ich liebte. Dunkle, inspirierende Klänge, die geradezu dazu einladen die Kerzen anzuzünden und sich mit den Göttern und ihrer Magie zu befassen. Nichts für Leute, die nicht bereit sind in ihren Schatten zu schauen! Für mich war sofort klar: Wenn es das mal auf CD gibt, dann muss ich es haben! Mein Wunsch wurde auch alsbald erhört, als die CD ‚Nordische Götter‘ erschien. Die CD befasst sich in zwölf Musikstücken mit den zwölf wichtigsten männlichen Gottheiten aus der germanischen Mythologie – Asen ebenso wie Vanen und diese ebenso wie ‚zugelaufene Jöten‘ 😉 Der , Silberling, für dessen künstlerische Covergestaltung Voenix die Feder schwang, ist sehr schön aufgemacht. Klappt man den Umschlag auf, so kann man aus dem Innenteil nicht nur die CD entnehmen, sondern an der Seite des Klappcovers auch ein Heft herausziehen, welches begleitende Texte zu den einzelnen Gottheiten birgt. Insgesamt ist die Aufmachung des Gesamtwerkes sehr liebevoll und mit Hingabe gestaltet. Vom Cover bis zur CD, vom Beiheft bis zur Musik, man spürt einfach das hier Menschen am Werk waren, die ihr Werk selbst als hingebungsvollen ‚Götterdienst‘ ansehen. Einige der Stücke jagen einen beim Hören regelrechte Schauer über den Rücken. Musik ist eben eine der Ausdrucksformen der Magie. Nicht umsonst vermag sie Menschen zum Tanzen, zum Singen, zum Weinen, zum Schlafen und zum Besinnen bringen!

Es ist schwer Musik zu beschreiben. Ich vermag lediglich meine persönliche Meinung wieder zu geben. Die basiert natürlich auf dem, was ich selbst wahr nehme und empfinde. Letztendlich ist Musik Geschmackssache. Aus diesem Grund gibt es jetzt eine gute, abschließende Nachricht: Wer sich selbst einen Höreindruck von Urfyr machen möchte, der mag dies hier tun.

 

Die Verdandihilfe – Unterstützung in Krisensituationen

Heute möchte ich Euch, liebe Hexen und Heiden, liebe neugierige Muggel, auf ein neues Projekt hinweisen.  Vor allem denen unter Euch, die alleine arbeiten, möchte ich es ans Herz legen.

In Krisensituationen- wie beispielsweise bei Erkrankungen – gibt es zahlreiche Angebote unserer Gesellschaft für Unterstützung: Angebote kommerzieller Natur, aber auch ehrenamtlicher Natur. Doch in tiefen Umbrüchen, die oft auch unser spirituelles Bewußtsein betreffen, stehen viele Hexen, Heiden oder Polytheisten oft alleine da. Hat man keinen Coven, keinen Orden, keine Gruppe, in der man arbeitet, so sieht man sich zuweilen mit seinen Ängsten und Unruhen, auch mit den spirituellen Krisen, die sich entwickeln können, oft auf sich selbst zurückgeworfen. Ich selbst weiß aus eigener Erfahrug wie hilfreich und stützend eine liebe Hand, ein offenes Ohr oder auch einfach nur eine gemeinsame Tasse Tee sein kann, wenn man mit den Kräften am Ende ist und manchmal einfach nicht mehr weiter weiß. Doch nicht alle Hexen oder Heiden haben Wurzeln in bestehenden Gruppen und sind dann gerade in Krisensituationen möglicherweise ‚allein gelassen‘.

Auf diesen Mangel hat nun ein Zusammenschluß unterschiedlicher, paganer Gruppierungen reagiert. Ab Januar 2016 gibt es die Möglichkeit über die Verdandihilfe Kontakt zu ehrenamtlich wirkenden, naturreligiös aktiven Menschen aufzunehmen. Die Privatinitiative bietet seelsorgerische Unterstützung an. Auf der Website der Verdandihilfe findet Ihr alle notwendigen Informationen.

Ich wünsche der Verdandihilfe hiermit einen guten Start in eine wichtige und wertvolle Arbeit!

Möge Verdani die Fäden weitreichend verflechten!

Manchmal hilft es, wenn jemand da ist, der für Dich ein Licht entzündet.

Manchmal hilft es, wenn jemand da ist, der für Dich ein Licht entzündet.

 

Hel – Herrscherin der Unterwelt!

Hel - Herrscherin der Unterwelt. Darstellung von Curtis Nike.

Hel – Herrscherin der Unterwelt. Darstellung von Curtis Nike.

Der Workshop Hel – Herrscherin der Unterwelt findet vom 21.11.2014 bis zum 23.11.2014 statt!

Workshopleitung: Cassandra und Curtis Nike
Der Workshop findet in der Sternschnuppe statt, bitte beachtet auch die Hinweise zur Anfahrt.

Die gefürchtete Göttin der Unterwelt, Tochter Lokis und der Angstbringerin ist das Thema dieser Reise. Aus dem Riesengeschlecht kommend, halb tot, halb lebend wurde sie von den Asen in die Tiefe geschleudert, aus ihren Augen geworfen, verdammt in die Unterwelt. Doch sie wurde in Helheim eine der mächtigsten Göttinnen! Als Herrscherin über eine der neun Welten empfängt sie die strohtoten Menschen, Asen und Elben in ihren Hallen.

Gemeinsam wollen wir zu Hel reisen, sie in der Unterwelt besuchen und erfahren, welche Verwandlungen Helheim durchgemacht hat. Wir wollen den Geschichten über die Unterwelten lauschen, werden hören und sehen wie Helheim gestaltet ist, woher die Mythen Hels stammen und wie aus Hel eine ‚Hölle‘ gemacht wurde. Dafür werden wir eintauchen in Geschichten aus der nordischen Mythologie, aber auch erfahren, wie christliche Missionare ihre Macht nutzten, um diese Bilder zu missbrauchen und zu deformieren. In einem rituellen Rahmen wollen wir die Schleier der Zeit heben und Hel in ihrer ursprünglichen Macht zeigen.

Wir werden Helslichter herstellen, die stets den Weg zurück leuchten und uns wieder in die Oberwelt zurück führen werden.

Beginn: Freitag, 21.11.2014, um 18.00 Uhr mit einem gemeinsamen Ritual und Abendessen.

Ende: Sonntag, 23.11.2014, nach einem gemeinsamen Mittagessen.

Die Ankunft kann am Freitag, 21.11.2014 ab 15.30 Uhr statt finden. Die Abreise sollte am Sonntag nicht vor 14.00 Uhr geplant werden!

Was bieten wir?

Ein Workshopwochenende mit Übernachtungen in behaglichen Mehrbettzimmern, vegetarischer Vollverpflegung, in einem kleinen Kreis von höchstens 8 Teilnehmer*Innen, betreut von zwei erfahrenen Leiterinnen (Cassandra und Curtis Nike).

Für wen ist dieses Workshopwochenende geeignet?

Für alle interessierten Menschen ab 21 Jahren. Auch Einsteiger und Neulinge in der Hexenkunst sind herzlich willkommen!

Kostenfaktor:

Der Workshop kostet 330 €

(120 – Unterbringung und Mahlzeiten; 210 – Workshopgebühr)

Bei Anmeldung werden 50% des Gesamtbeitrages für den Workshop fällig, bis zum 01. Oktober 2014 muß der gesamte Beitrag überwiesen sein.

Wir haben eine begrenzte Anzahl von Einzelzimmern zur Verfügung. Auf Wunsch ist es möglich ein Einzelzimmer gegen Preisaufschlag zu buchen. Anfragen bitte direkt an Cassandra (bitte runter scrollen)!

Bei einem Rücktritt vom Workshop bis zum 01.10.2014 wird die Gebühr zurück erstattet. Bei einem Rücktritt nach dem 01.10.2014 müssen wir eine Gebühr von 80 € einbehalten, da zu diesem Zeitpunkt bereits die Vorbereitungen so weit laufen, dass Anschaffungen gemacht wurden und finanzielle Auslagen entstanden sind. Ab dem 01. November kann keine Rückerstattung mehr erfolgen.

Anmeldungen können hier über die Website erfolgen, ihr erhaltet dann alle weiteren Infos! WICHIG: Es sind noch vier Plätze frei! Es gilt die Reihenfolge des Buchungseinganges!

Loki – Dein Gesicht hinter der Maske

Tom Hiddleston (http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Hiddleston) als Loki in den Marvel-Verfilmungen rund um Thor und die Avengers. Äusserlich durchaus ein Loki-Typ, dennoch entsprechen die im Film dargestellten 'Allmachtsfantasien' in keinster Weise der Loki-Energie!

Tom Hiddleston (http://de.wikipedia.org/wiki/Tom_Hiddleston) als Loki in den Marvel-Verfilmungen rund um Thor und die Avengers.
Äusserlich durchaus ein Loki-Typ, dennoch entsprechen die im Film dargestellten ‚Allmachtsfantasien‘ in keinster Weise der Loki-Energie!

Bis hierhin gab es Impressionen, Eindrücke, schöne Fotos und wunderbare Erlebnisse. Doch was hat es eigentlich wirklich auf sich mit diesem Loki, welche Energie trägt er? Was bewirkt er? Und weshalb begegnet man immer wieder Menschen – Hexen und Asatruar – die so extrem vor ihm zurückschrecken, ja abwehrend auf die Arbeit mit ihm reagieren, während andere sich Hals über Kopf in ihn verlieben?

Seit über einem Jahr arbeite ich intensiv am Thema ‚Loki‘, mit Loki-Energie und mit Loki persönlich. Diese Arbeit umfasst drei Gebiete, die sich miteinander überschneiden: Die Wissenschaft (Religionswissenschaft und Geschichtswissenschaft), die Psychologie und die magische Arbeit. Mit der Runenarbeit habe ich 1992 intensiv begonnen. Die nordische Mythologie kenne ich in ersten Zügen bereits aus meiner Kindheit. Das heißt, dass der Start der Arbeit für mich ein verhältnismäßig lockerer Einstieg gewesen ist.

Die hier im weiteren ausgeführten Gedanken, Wahrnehmungen und Empfindungen basieren ausschließlich auf meinen persönlichen Wahrnehmungen, fussend auf individuellen Erfahrungen, geprägt durch in der Vergangenheit von mir verfasste Schriften und Impressionen. Göttliche Energien können sehr unterschiedlich wahrgenommen werden, denn wir Menschen sind ja bekanntlich sehr unterschiedlich. Und so kann es sein, dass wir mit einem Gott, einer Göttin sehr gut können, die nächste Gottheit uns jedoch kaum berührt. Insofern haben die weiteren Ausführungen keinen Anspruch auf ‚Richtigkeit‘ oder gar irgendeine allgemeine ‚Wahrheit‘.

„Loki ist schmuck und schön von Gestalt (…).“ (aus der jüngeren Edda)

Loki bringt zunächst eine enorme Leichtigkeit, Lockerheit und sehr viel Humor mit sich. Mit kaum jemanden lässt es sich so gut lachen, feiern und Spaß haben (obgleich der gute Thor beim Feiern locker mit hält). Zudem ist er ein Charmeur, nett anzusehen und hat immer und zu jeder Lebenslage einen Spruch auf den Lippen. Er ist schlagfertig und geschickt mit der Zunge, weiß aber zuweilen nicht, wann er den Mund halten sollte. Seine schnelle Zunge bringt ihn das eine oder andere Mal in Schwierigkeiten, aus denen er sich geschickt – und meistens mit Gewinn – herauswindet. Laufeyson ist in seiner Art unverblümt und absolut direkt. Dies kann von Geschöpfen, die gerne mal die Ohren zuklappen oder in bestimmte Situationen nicht rein schauen wollen, als verletzend, stichelnd oder gar bösartig empfunden werden.

Idun reicht Loki einen Apfel, Darstellung von Foster, Mary H. 1901.

Idun reicht Loki einen Apfel, Darstellung von Foster, Mary H. 1901.

Eine der ersten Grundregeln in der Arbeit mit Loki lautet: Loki müssen klare Grenzen gesetzt werden! Er ist einer, der klare Worte schätzt! Ein: ‚Ach, Loki, könntest Du mal bitte dies oder das tun oder lassen‘ kommt bei ihm nicht an. „Hör auf meinen Met zu leer saufen!“ „Laß die Katze in Ruhe!“ „Ich will jetzt schlafen, verziehe Dich und komme frühestens in X Stunden wieder!“ „Finger weg von den Ohrringen!“ Das sind Sätze, die er versteht, aber oft begründet haben will. Handfeste Gründe akzeptiert er sofort. So wird er Dich schlafen lassen (kann er nachvollziehen, er ist selbst ein Langschläfer), aber durchaus den Met austrinken. Wenn Du ihn dann anmeckerst, das der Met weg ist, wundere Dich nicht, wenn er gut drauf ist, kann es sein, dass plötzlich in Deiner Manteltasche ein nie vermisster Geldschein auftaucht, um Nachschub zu besorgen.

Mit Loki kommt eine enorme Elementarenergie. Er ist verbunden mit dem Feuer, welches ihm zugeordnet ist, aber auch mit Luft und Erde. Das Wasser scheut er etwas in meiner Wahrnehmung. Dies scheint damit im Zusammenhang zu stehen, das unter der Lockerheit, der Leichtigkeit und dem spaßigen Wesen Loki Laufeysons ein immenser Schmerz ruht, der ihn umtreibt. Früh erkennt sein scharfer Geist die Leichtfertigkeiten der Asen. Er erkennt, dass sie beginnen dekadente Strukturen entwickeln. Odin fixiert sich seines Erachtens immer mehr auf Walhalla und Ragnarök. Die Götter nehmen ihre Kräfte und die Gaben, welche die Natur (in Form von Idun, die die Äpfel der Jugend reicht) und die Zwerge, ihnen reichen als selbstverständlich an. Achtsamkeit vor Natur und Leben schwinden. Dankbarkeit gegenüber den Mitgeschöpfen gibt es kaum. Tiere werden geschlachtet und wieder zum Leben erweckt. Es gibt kein Gefühl mehr für den Strom allen Seins.

Loki liebt Odin von ganzem Herzen und erträgt es kaum, wie dieser sich immer mehr auf den Ragnarök fixiert und nur noch Kämpfer für Wallhall ansammelt. Er mag Thor sehr, sehr gerne, weil Thor authentisch ist, klar an Struktur und ein Herz für die Menschen hat. Er verehrt Freya. Und er arbeitet viel öfter mit ihr Hand im Hand, als mir vor der Campwoche bewußt gewesen ist.

Überhaupt nicht klar kommt er mit Heimdall, dem Wächter des Bifröst. Laufeyson ist der Meinung, dass die Übergänge zwischen den Welten für alle Geschöpfe offen sein sollten. Menschen sollten ungehindert nach Asgard gelangen können, um an den Kräften und Freuden der Götter Teil haben zu können. Loki differenziert nicht zwischen Menschen, Göttern, Riesen, Trollen, Elben… Er selbst ist Teil verschiedener Welten. Niemand sollte einem anderen den Zugang zum ‚Himmel‘ verwehren!

Jeder Mann und jede Frau ist ein Stern.“ (Old Crow)

Loki mag die Menschen, die zu sich stehen. Authentizismus liebt er, Perfektionismus mag er nicht. Er selbst ist bereit Fehler zu machen und zu ihnen zu stehen. Ein Lehrer und ein Lernender ist er, der an seinen Erfahrungen wächst. Er liebt die Menschlichkeit, die ‚Fehlerhaftigkeit‘ und dadurch die Schönheit im Handeln. Ohne Fehler können wir uns nicht entwickeln, ohne Fehler können wir nicht lernen, ohne Fehler bleiben wir dumm. Und so gibt es den ein oder anderen Menschenschlag, den Loki überhaupt nicht leiden kann: Besserwisser, Alles-Richtig-Macher, Fehlervermeider, Angsthasen, Selbstbemitleider, Zum-Perfektionismus-Erzieher, genormte Menschen, Erfahrungsvermeider… die Liste lässt sich lang fortsetzen.

Loki und Iduna, Darstellung von John Bauer.

Loki und Iduna, Darstellung von John Bauer.

Gott zu sein bedeutet in der Regel verehrt zu werden. Doch Anbetung und Verehrung, dies sind Dinge, denen Loki Laufeyson zuweilen sehr skeptisch gegenüber steht. Gerne trinkt er Met und Bier (und besonders gerne isst er – dies weiß ich aus erster Hand – frisches, noch warmes Brot, dass er fett mit Butter bestreicht) und freut sich über ein Festmahl, an dem er Teil nehmen kann. Er erfreut sich an Liedern und war in Anbetracht eines Witchcamps in seinem Zeichen ganz aus dem Häuschen. Offenkundig tanzt er auch sehr gerne (allerdings vermag ich nicht zu beurteilen ob gut) und wünscht sich viel Lachen von den Menschen. Er ist selbstverliebt und liebt es sich für ein Ritual ‚chic‘ zu machen… jedenfalls das was er darunter versteht… Wenn er offenen Herzens eingeladen wird, dann freut er sich zu kommen und sein Erscheinen bringt eine hohe Spaßgarantie. Natürlich liebäugelt er auch sehr mit einem schönen, krafvollen, bunten und nach Möglichkeit chaotischen Altar. Selbstgemachte ‚Loki-Devotionalien‘ findet er phantastisch. Egal ob selbst gemalte Bilder, Skulpturen oder Brennereien. Hauptsache sie sind so groß wie möglich.

Auf der anderen Seite gibt es einiges, was er ganz und gar nicht mag. Und dies sind unter anderem Demut, Unterwürfigkeit, ganz zu Schweigen von Heuchelei. Und: Komme keiner auf die Idee so absurde Dinge zu tun, wie zu Loki zu beten, ihn anzuflehen oder ihn vollzuheulen! Letzteres ist unter seltenen Umständen toleriert, wenn er selbst Verursacher der Heulerei ist und jemanden wirklich, wirklich auf die Füße getreten ist. Als Auswirkungen seiner eigenen Fehlerhaftigkeit erträgt er so gut wie alles. Loki Laufeyson ist ebenso Jötun wie Gott. Wir Menschen sind in seinen Augen Geschöpfe, die göttlich sind. Er trennt nicht zwischen sich und dem Menschen. Aber sehr gerne nimmt er wahr, dass die Menschen ’noch viel zu lernen haben‘ und ’noch klein sind‘ und so stellt er sich dann bereitwillig als Zuhörer, Lehrer und Ratgeber zur Verfügung. Doch Vorsicht: Er ist und bleibt Loki! Alles was er sagt und tut, sollte man mit einem zwinkernden Auge und Humor betrachten. Menschen ohne Humor empfehle ich dringendst einen großen Bogen um Loki zu machen!11366-2

Und dann wäre da noch… Sex. Es gibt da eine Besonderheit, die Loki umgibt, die offenkundig dazu führt, dass Männer wie Frauen sich auf einer tiefen, sinnlichen und sexuellen Ebene zu ihm hingezogen fühlen. Eine enorme Feuerkraft, eine enorme Lebensenergie geht von ihm aus. Seine Präsenz ist absolut unleugbar. Diese sexuelle Energie ist so stark, dass der Zeitpunkt kam, an dem ich mich immer noch in keiner Weise auch nur annähernd in Loki verliebt hatte, ich mich fragen mußte, ob mir eine entscheidende Grundenergie Lokis verschlossen ist. Nahm ich vielleicht doch gar nicht so viel von ihm auf, wie ich glaubte? War ich möglicherweise total auf dem Holzpfad? Er war ständig um mich herum, suchte permanent körperlichen Kontakt, aber ausschließlich auf eine tiefe, respektvolle und herzliche Ebene. Wir lachten miteinander, wir unterhielten uns, wir gingen in tiefe Tiefen. Wir waren mit Themen befasst, die ausschließlich uns beide betreffen. Und ganz nebenbei kam – auch typisch für Loki – dann der Hammer: Er machte mir ein Angebot (magischer Natur, völlig unsexuell!), das zunächst dazu führte, dass ich ihn erst mal auf Abstand kickte. Das mußte sein, denn im ersten Moment hielt ich es für einen der typischen Loki-Scherze: „Hey komm, lass uns los ziehen und einen Schatz suchen!“ – wo man dann schon ahnt, dass man in der nächsten Dorfschänke hängen bleibt und drei Tage durch säuft.

Doch wenn es etwas gibt, womit Laufeyson gut umgehen kann, so ist es klares Handeln. Und so ließ er seinen Worten sehr zeitnah Taten folgen, die meine Sichtweise auf ihn und sein Wesen noch einmal enorm vertieften und klärten.

Sexuelle Energie ist Lebenskraft. Eine Lebenskraft, die Loki Laufeyson beinahe mehr benötigt als alles andere. Er schwimmt darin, er lebt darin, er möchte gerne geliebt werden. Und wenn sich diese Liebe auf einer sexuellen Ebene äußert, so schwimmt er auf diesen Wogen mit. Mir ist nun klar geworden, weshalb das ‚Loki-Fieber‘ so um sich gegriffen hat, weshalb viele sich in ihn verlieben, weshalb andere ihn aber eben auch fürchten:

Loki Laufeyson liebt die Menschen, er bewundert sie, er taucht ab in ihre wundervolle ‚Fehlerhaftigkeit‘ und ‚Kurzlebigkeit‘. Er sehnt sich nach den Lebenszyklen, die bei ihm so lange dauern, dass er sich selbst immer wieder an sie erinnern muß.

Loki ist verliebt in die Menschen. Und diese Liebe reflektiert sich in einer enormen Lebensfreude, Kraft und einem tiefen, brennendem Feuer.

Und manchmal ist Lokis Liebe schwer zu ertragen. Denn sie ist bedingungslos, klar und sie wird Dich, wenn Du sie zulässt, zu Deinen göttlichen Wurzeln führen.

Möge die Reise weiter gehen!

Lachen