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Hexenkalender 2018

19.11.2017

Was hat der Wind mit zugetragen? Herbstlaub? Blätter?

Der Wind fährt durch das letzte Herbstlaub und wirbelt es auf. Ich ziehe die Mütze tief ins Gesicht, von Osten her schneidet die kalte Luft in die Haut. Von einem Tag auf den anderen ist der Herbst älter geworden und der Wind riecht nach dem kommenden Winter. In nur wenig mehr als einem Mondumlauf ist die Wintersonnenwende. Spürbar wird es kälter, das Bedürfnis sich daheim einzuigeln wird stärker. 

Als ich durch die Nacht vom Kino und Essen nach Hause gehe schlage ich den Kragen meines Mantels hoch. Eiseskälte umgibt mich, die Laternen spenden Licht in der Finsternis und ich bin froh mein Haus zu erreichen, schließe die Haustüre auf, stapfe die Treppenstufen nach oben. Schon der Hausflur ist angenehm warm und als ich meine Wohnungstür erreiche stocke ich, ehe ich aufschließe. Auf meiner Fußmatte liegt etwas. Hermes, Gott der Kommunikation, hat es vorbei gebracht, es mit dem Wind her getragen. Ich ahne was es ist und spüre wie Vorfreude in mir aufsteigt. Rasch bücke ich mich, nehme das kleine Paket auf, gehe in die Wohnung und trotz der späten Stunde und der Tatsache, dass Hexenkater Iggy schon im Bett liegt, kann ich die Packung unmöglich bis morgen liegen lassen…

Der Hexenkalender 2018 steht unter dem Motto ‚Luft‘.

Der Hexenkalender 2018 ist da! Mit dem Wind weht mir der Hexenkalender ins Haus, ein letztes Mal begleitet der Hexenkalender aus dem Hause Zauberfrau mich unter dem Motto eines Elementes, nämlich der Luft. Mit dem nunmehr fünften Hexenkalender (Mitte-Erde-Wasser-Feuer und nun Luft) beginnt der Tanz der Feen. Schmetterlinge flattern, Bienen summen, Luftdrachen spielen im Herbstlaub, Magie wirkt; Käfer krabbeln, Federn fliegen, Luftschiffe erheben sich in ungeahnte Höhen; Freya legt das Falkengewand um, Hermes überbringt Botschaften, Wodan stürmt durch die Rauhnächte, Hexen rasen durch die Lüfte. Es geht um Atem, es geht um Düfte, es geht um Klarheit, es geht um Gedanken. Klänge schwingen, Herzen singen, eine kühle Brise bringt Erkenntnisse. 

Durch die Lüfte kommt Hermes, der griechische Bote. Vielleicht begegnest Du ihm in Deinem Kalender?

Ich blätter durch die Seiten, lasse mich von den unentgeltlich mitwirkenden Künstler-Hexen verzaubern, Feen laufen Schlittschuh, Schneeflocken wirbeln mit entgegen, schillernde Libellenflügel entführen die Gedanken. Vögel zwitschern, eine Eule ruft und ein kleiner Dschinn tanzt über das Papier. Wieder einmal vermag der Hexenkalender zu verzaubern, mit Tusche, mit Feder, mit Zauberstab wurde gewirkt, digitale Kunst verbindet sich mit Bleistift; Clipart verschmilzt mit schwungvollen Entwürfen. Ballons steigen auf, ebenso die Müdigkeit in mir. Fast habe ich es vergessen: es ist mitten in der Nacht! Vorhin war ich noch mit einer Mithexe im Kino und danach essen. Jetzt freue ich mich über meinen neuen Hexenkalender. Endlich ist er da! Den gebe ich nicht mehr her. Glücklich schlüpfe ich in mein Bett, vorgewärmt von meinem Kater.
Und wenn auch Du jetzt so eine Freude erleben möchtest, einen Hexenkalender haben möchtest, so solltest Du schnell zuschlagen, denn erfahrungsgemäß ist dieses zauberhafte Werk stets recht schnell vergriffen. In diesem Jahr ist er auch über einen einschlägigen Internetanbieter zu erhalten.

Lasst Euch verzaubern!

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Haltlosigkeit, Halt und gehalten werden

Freya by Penrose

Freya, Gemälde von James Doyle Penrose (1862–1932)


05.05.2017

Freya weiß es genau: Diesen Weg kann sie nur alleine gehen. Niemand kann sie stützen. Niemand kann ihr die Last, die Trauer aus der Seele nehmen. Niemand kann die Wunden in ihr heilen. Der Verlust schmerzt so sehr, dass sie alles hinter sich lässt. Ihr Heim, die Umgebung der Asen, ihr liebes, rauhes Schwein Hildiswini, ihre geliebten Katzen, ja, selbst ihr Dasein als Göttin. Sie muss gehen, sie muss herausfinden was geschehen ist, sie muss sich auf die Suche machen. Ihr Herz schmerzt so sehr, die Sorge um den Geliebten treibt sie um. Sie hat keine Wahl: Sie geht. Sie verlässt die Gemeinschaft der Ihren, um sich auf eine Suche zu machen, die sie zu allem führt, nur nicht zum Geliebten. Die Geschichte ist bekannt: Sie findet mannigfaches und magisches, sie bleibt lange fort und kommt dabei den Menschen so nahe, wie selten eine andere Göttin. Sie altert auf ihrem Weg und als sie wieder kehrt in die Gefilde Asgards ist sie eine alte Frau.
Zurück kommt sie in die Gemeinschaft der Götter und hier erwartet sie Idun mit ihren Äpfeln, die so köstlich sind, das man meint ihren Geschmack niemals zu vergessen. Sie schenkt sie Freya, schenkt ihr ihre Jugend zurück, ihre Göttlichkeit, und die Wundervolle blüht auf. Hier ist sie zu Hause, da ist ihr Bruder, Freyr, der glücklich ist sie wieder in die Arme schließen zu können und da ist Thor, der liebe Freund, dem sie nie eine Bitte abschlagen kann. Ihre Katzen laufen ihr mit erhobenem Schwanz glücklich entgegen, streichen ihr um die Beine und schnurren, wobei sie fragen: „Wo warst Du denn nur?“ um dann natürlich – wie es nun einmal Katzenart ist – gleich zum Futternapf stürzen und Leckeres zu fordern. Hildswini kommt angestürmt und respektvoll weichen alle zur Seite. Froh reibt sich das Schwein an seiner Herrin.
Freya ist wieder zu Hause!

Gemeinschaft verbindet. Quelle: Pixabay

Manchmal müssen wir die Gemeinschaft verlassen, um uns auf unseren ureigenen Pfad zu begeben. Den Weg, den nur wir beschreiten können, weil es ‚an der Zeit‘ ist. Vielleicht suchen wir etwas? Vielleicht versuchen wir etwas hinter uns zu lassen? Vielleicht wissen wir nicht einmal weshalb wie aufgebrochen sind? Vielleicht haben wir auch ein Teil von uns verloren? Gründe einen Pfad alleine zu gehen gibt es mannigfache. Doch wichtig ist es dabei zum einen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und zum anderen nicht zu vergessen woher wir eigentlich kommen. Beides kann jedoch öfter verloren gehen als man meint. Und dann kommt man ‚vom Weg ab‘, obgleich man zuweilen meint noch auf dem richtigen Pfad zu sein. Wie gut ist es dann, wenn die Gemeinschaft, aus der man kommt, ab und zu ruft und sich in Erinnerung bringt! Denn es ist nun einmal so, man selbst kann sich nicht so betrachten und reflektieren, wie man es vielleicht glaubt, meint oder möchte. Für einen Großteil magische Grundarbeiten ist Gemeinschaft notwendig! Einige meinen zwar, sie könnten und müssten alles alleine packen und regeln, aber dies ist und bleibt außerhalb menschlicher Schaffenskraft. Und, liebe Solo-Hexen, ‚Von Gemeinschaft frustrierte‘, ‚Ich-kann-alles-alleine‘ Hexen, das ist ein Fakt. So sind wir beschaffen. Punkt. Und ihr wisst es auch! Tief in Euch wisst Ihr es genau, sonst wärt ihr keine Hexen.
Vertraut Eurer Intuition – nicht Eurer Angst. Doch ich weiche ab…

Loki und seine Kinder -ein Feuersturm im Hintergrund.

Gemeinschaft stärkt. Gemeinschaft gibt Halt. Gemeinschaft verbindet. Gemeinschaft heilt. Und dabei ist die Gemeinschaft weitaus mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Die Kräfte potenzieren und ergänzen sich. Eine funktionierende Reclaiming-Gemeinschaft kennt keine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern, sondern Ergänzung, Wachstum, Freude, Bereicherung. Daraus wächst eine enorme Stärke und Schönheit, eine unglaublich schöne Kraftquelle, ein Brunnen der Kreativität und Magie.
Aber zugleich gibt es in einer Gemeinschaft auch stets Herausforderungen: Wo beginne ich? Wo ende ich? Wo beginnen wir? Wo enden wir? Wo werden Grenzen überschritten? Wessen Grenzen werden überschritten? Und so weiter… ihr kennt die Fragen. Jedoch auch hier: Eine funktionierende Gemeinschaft hat funktionierende Kommunikationsregeln. Und sie fängt auch Kommunikationsschwierigkeiten auf. Eine funktionierende Gemeinschaft verträgt es, wenn Du, wie Freya, einen Zeit lang einen eigenen Weg gehen musst. Und sie wird Dich offen wieder empfangen. Es ist doch ganz einfach, oder?

Eine funktionierende Gemeinschaft wird Dich, Deine Schwächen, Deine Talente, Deine Gaben, Deine Kräfte er-tragen. Und Du wirst die Gemeinschaft er-tragen“, flüstert er in mein Ohr, „die Frage ist nur: Erträgst Du Dich selbst?“
Mir wird fast körperlich übel, ich halte mich an meinem Weinglas fest. Ein leichter Schwindel erfasst mich. Eine Antwort bleibt in meinem Hals stecken.
„Lasse los von Deinem (vermeintlichen) Halt!“ höre ich Lokis Stimme und beginne zu wanken, zu schwanken, zu fallen… in die Arme der Gemeinschaft.
Curtis ist wieder zu Hause.

Heilungsoptionen

04.05.2017

Das wärmende Kaminfeuer erfreute auch die Hexentiere. Foto: Peti Songcatcher

Das Kaminfeuer prasselt. Wir sitzen zusammen, trinken, naschen Süßigkeiten und reden angeregt. Der Abend beginnt der Nacht Platz zu machen. Die Nacht vor Beltane bricht bald an. Das Gespräch, welches wir führen, wühlt mich auf. Etwas brodelt in mir.
Und da ist hinter mir mit einem Male eine wohl vertraute Präsenz. „Lasse los von Deinem Halt!“ Es ist eine verwandte Stimme, die mir ins Ohr flüstert. Doch noch ehe ich mich umdrehen kann und Loki ein Wiederwort geben kann werde ich haltlos und stürze…

Moment: Alles von Anfang an! Denn stets scheint es so, als greifen die Dinge ineinander. Vielleicht glauben einige auch an Ursache und Wirkung. Ich zumindest halte mich an Magie. Und genau die haben wir gewoben! Und sie wirkte, bis unter die Haut, in die Haarspitzen hinein, durchdrang das Fleisch und ritzte sich mühelos in die Knochen. Wie sie nun einmal so ist. Magie lässt nichts aus, sie ist bedingungslos. Wird Magie gewoben, so muss man sich den Konsequenzen stellen.

Diese tollen Preise standen zur Verlosung. Die Tombola wurde sehnsüchtig erwartet und auch wild gefeiert.

Noch einmal zur Erinnerung: Ich bin in der Sternschnuppe Oldenbüttel zum Freunde des Phoenix Treffens. Inzwischen ist es der Samstag vor dem ersten Mai und alle, die wir erwartet haben, sind eingetroffen: Hexen und Heiden aus ganz Deutschland – und sogar eine aus Australien. Alte Freunde werden begrüßt, neue kennen gelernt. Die meisten haben lange Anfahrtswege auf sich genommen um hier zu sein. Aber dieser Ort ist in sich so besonders und die Menschen (und Hobbits!), die es hierher zieht, sind Teil einer so wunderbaren Kraft, dass es keinen scheut die lange Strecke mit dem Hexenbesen oder dem Muggelzug zurück zu legen. Hier Kraft zu tanken, Energie zu tauschen und Magie zu weben ist einfach so bereichernd, das kaum ein Weg zu weit erscheint. Nicht einmal der Weg um die Welt! Und hier sind wir nun. Ein Hexenmarkt eröffnet die Pforten – es gibt vier wunderbare Stände – eine Verlosung wird initiiert, überall laufen Gespräche, Ideen werden ausgetauscht und gemeinsam wird gegessen und getrunken. Zum Nachmittag wollen wir gemeinsam ein Heilungsritual machen. Darauf freue ich mich schon, denn Heilung – die brauche ich immer. Wer braucht sie nicht? Und so beginne ich auch gleich mit einer lieben Mithexe zusammen am Thema zu arbeiten: Wir verabreichen uns gegenseitig entspannende, heilsame Massagen. In der Zwischenzeit wird nebenan das Ritual geplant. Jemand fragt noch (ich weiß noch wer!): „Welchen Part im Ritual übernimmst Du, Curtis?“ Und ich winke nur ab: „Ist mir egal, solange ich nicht das Wasser anrufen muss!“ Das Wasser… dieses feuchte, emotionale Element, welches mich in den letzten Wochen und Monaten viel zu viel um getrieben hat. Nein, das will ich nicht! Das soll doch jemand anders machen! Und tatsächlich: Das Wasser muss ich nicht anrufen, zumindest nicht im Heilungsritual… da mache ich dann nur die Runentrance zum Finden der persönlichen Heilrunen… als ich das erfahre kippe ich fast aus dem Schuhwerk. Da wäre mir ja das Wasser fast wie ein Spaziergang vor gekommen… ich bin mir sicher, dass die Idee mit der Runentrance von Freya kam. Die hat sie mir aufs Auge gedrückt! Sie und Loki, die beiden bringen mich irgendwann noch um das letzte bisschen Verstand, das ich noch habe. Vermutlich habe ich es nicht anders verdient… ähm… gewollt.

Braucht es zum heilen einen Hexendoktor?

Das Wirken von Magie in einer Gemeinschaft ist wie eine Energiedusche! Die Kraft und Kreativität aller Mitwirkenden inspiriert letztendlich auch den eigenen Geist und verleiht ungeahnten Ideenreichtum. Wir kreierten eine gemeinsame Sphäre, in der unsere Befähigungen sich nicht etwa verdoppeln oder verdreifachen, sondern mit jeder Person neu potenzieren. Dies macht gemeinschaftliche Magie so extrem wirkungsvoll, dies lässt jeden Zauber verdichten und einzigartig werden. Zugleich entfalten sich ungeahnte Wirkungsbereiche.

Zurück zu unserem Kaminfeuer, mit dem etwas Neues begann. „Lasse los von Deinem Halt!“ Typisch Loki. Er bringt es einfach klar auf den Punkt. Mach mal. Spring doch einfach in den Abgrund! Aber es geht gar nicht! Schmerz durchdringt mich, Wasser – ich habe mich so geweigert es zu rufen – steigt in mir auf, bricht sich ungehindert seine Bahnen und fließt über mein Gesicht. Ich lasse los… falle… und werde aufgefangen von Armen die mich halten. Eine nur leicht bedeckte Wunde in mir bricht auf… zeigt sich… zeigt sich der Gemeinschaft. Und mit einem Male wird klar: Es gibt Verletzungen, die – selbst bei bester Behandlung – nur dann geheilt werden können, wenn man zulässt, dass auch andere die Wunden betrachten können und mit an der Heilung wirken. Und so wird es beim nächsten Mal hier um das Thema meiner Wunde gleichermaßen wie das Thema meiner Heilsoptionen gehen: ‚Gemeinschaft‘

Bleibt mir gewogen!

May the Force be with you!

Eine Reise ins Seelenheim

03.05.2017

Boden unter den Füßen verloren? Keine Sorge, Loki holt Dich wieder runter! Überlebensgroß am Haus Sternschnuppe.

Ihr kennt das bestimmt auch: Manchmal läuft das Leben irgendwie rasant und alles scheint auf einmal zu geschehen. Eine Aufgabe, die jetzt wirklich auch anliegt, jagt die andere. Vieles will getan werden und mit einem Male bleibt das, was der Seele wichtig ist, auf der Strecke. Die tägliche Pflege kleiner Rituale bricht weg. Das Schreiben versickert, der morgendliche Sonnengruß fällt aus, die Tagesmeditation bleibt auf der Strecke und am Ende ist es sogar soweit, dass die Kerzen auf dem Altar nicht mehr entzündet werden. Dies ist, zumindest in meinem Leben, stets eine ungute Entwicklung. Aber so erging es mir in den letzten Wochen und Monaten, in denen Ereignisse und Arbeiten einander jagten. Selbst die kleine, magische Praxis verlief langsam im Sand. Und in dieser Zeit fiel es mir von Tag zu Tag schwerer abends nicht müde ins Bett zu fallen oder mich mit Computerspielchen abzulenken. Etwas blieb auf der Strecke.
Wie gut, dass ich bereits lange zugesagt hatte zu meinem geliebten Phoenix-Familientreffen in die Sternschnuppe Oldenbüttel zu fahren. Denn kurz vor meiner Abreise war ich so ohne Antrieb, dass ich wohl daheim geblieben wäre. Und dies wäre ein großer Fehler gewesen, denn ich hätte nicht nur zauberhafte Begegnungen, wundervolle Menschen und Tiere sowie einen schönen Ort verpasst, sondern auch eine große Brise Inspiration und Heilung für die Seele von mir gewiesen. Ja, ich kann es mal wieder im vollen Brustton der Überzeugung sagen: Gemeinschaft stärkt, Gemeinschaft heilt, Gemeinschaft bereitet Freude!

Alles ist im Wandel, aber die Bank zum ruhen ist jedes Jahr zu finden.

Am letzten Freitag ging es los: Mit dem kleinen, gelben Hexensmartie sammelte ich zunächst unsere rudower Zaunkönigin ein und dann ging es – voll bepackt – los in Richtung Sternschnuppe. Mit jedem Kilometer, den wir uns näher an die Sternschnuppe heran bewegten, wurde das Herz leichter und die Vorfreude größer.

Kennt Ihr das Gefühl, wenn man an einem Ort ankommt und sich sofort ‚zu Hause‘ fühlt? Und ich meine damit jetzt nicht Eure Wohnung. Ich meine die Orte des Herzens, die Orte des Ankommen, die Orte des Loslassen. In meinem Leben gibt es mehrere dieser Orte: Orte, an denen ich mich stets willkommen fühle; Orte, an denen ich einen Anker habe; Orte, an denen stets ein warmes Bett auf mich wartet. Einer dieser, meiner Seelenorte, ist in Irland. Ein anderer ist in Oldenbüttel: Es ist die Sternschnuppe von Cassandra. Wenn ich hier ankomme, dann fällt der Alltag schlagartig von mir ab, Sorgen und Kummer werden kleiner, Stress verflüchtigt sich und das Herz beginnt zu singen. Mein Lieblingsbett steht bereit und aus der Küche weht der Duft von Kaffee. Hündin Laisa begrüßt uns, als würde sie uns schon ewig kennen (dabei wohnt sie erst seit wenig mehr als drei Wochen in der Sternschnuppe), Cassandra weht mit dem elektrischen Hexenbesen noch durch die Zimmer und winkt uns zu, sie muss dringend noch saugen und mindestens einen Spiegel putzen. Zumindest von Letzterem halte ich sie erfolgreich ab. Wer putzt denn schon Spiegel? Aber ich kenne es ja selbst, das Gefühl wenn Hexen anrücken und alles im Haus stimmen soll.

Frühling kommt!

Wir Zaunköniginnen sind noch nur zu zweit (eine dritte kommt erst am nächsten Tag nach) und wollen unsere Ankunft hier in der Sternschnuppe standesgemäß mit einem Bier feiern. Noch ist, außer uns beiden, nur eine weitgereiste australische Hexe hier angekommen und so nehmen wir sie in unsere Mitte und schlendern zum Nord-Ostseekanal. An der berühmten oldenbütteler Fischbude holen wir uns alle jeweils ein Bier, setzen uns in Richtung des Kanals und sinnieren über ein magisches Wesen, welches durch seine Seltenheit die Jäger zu so skurrilen Jagdmethoden inspirierte, dass man diese fast als ‚deutsche Leitkultur‘ bezeichnen könnte… wenn es den Wolpertinger wenigstens in ganz Deutschland gäbe, doch nach wie vor ist das bissige, seltene Geschöpf nur im bavarischen Wald anzutreffen. Oder etwa nicht?

Und wie wir da sitzen hören wir ein Horn, das uns ruft. Dampf steigt auf und dann kommt sie, in all ihrer Schönheit, nimmt unseren Blick gefangen. Nie sah ich eine schönere hier über den Kanal kreuzen. Tatsächlich stockt mir für einen Moment der Atem. Es ist niemand anders als Freya selbst! Und glaubt mir: alle Blicke folgten nur ihr!

Wir sind angekommen – zwischen den Welten…

P.S.: Raddampfer Freya wurde von uns glatt mit Zwillingsbruder Freyr verwechselt. Ich hörte Freyas Lachen. Als wüssten wir es nicht: Nur eine einzige ist so schön, dass selbst die Muggel stehen bleiben und in Ehrfurcht staunen!

 

Rückblick auf ein besonderes Konzert

Peti Songcatcher! Endlich haben wir uns mal wieder gesehen!

Peti Songcatcher!
Endlich haben wir uns mal wieder gesehen!

Schon lange habe ich mich auf das Konzert, welches Freitag Abend in der Martin-Luther-Kirche in Neukölln statt fand, gefreut. Es war die 30. Nacht der Spirituellen Lieder und das erste Mal würde Peti Songcatcher dabei sein. Zusammen mit Paula Noske. Und ich konnte es kaum erwarten Peti endlich einmal wieder zu sehen und einen Auftritt von ihr zusammen mit Paula zu genießen.

Wie sich herausstellte war der Konzertort für mich sehr schnell erreichbar, so dass ich wesentlich zu früh vor Ort war. Dachte ich zumindest. Doch zu meiner Überraschung war schon mehr als 40 Minuten vor dem Konzertereignis ein wahrer Menschenauflauf vor der Kirche zu sehen. Auch im Inneren des Gebäudes war schon viel Betrieb. Und als ich den Kirchraum betrat sah ich auch gleich Peti. Ihre Aura ist unverkennbar 🙂 Und wie Magneten strömten wir aufeinander zu und freuten uns darüber, dass wir uns endlich wieder in die Arme schließen konnten. Ich konnte es immer noch kaum glauben, wir hatten uns so lange nicht gesehen! Und endlich durfte ich auch Paula kennen lernen, deren Stimme ich schon so oft bei mir dabei genießen konnte, wenn ich eine von Petis CDs einlege.

30. Nacht der spirituellen Lieder! Der Altar

30. Nacht der spirituellen Lieder! Der Altar

Der Altarraum fiel mir gleich sehr positiv auf. Der Mittelpunkt des Altars in dieser protestantische Kirche war ein Bild, auf dem – an Stelle eines Kreuzes – ein Lebensbaum abgebildet war. Unter dem Baum saßen Menschen beisammen. Als Hexe und heidnisch orientierter Mensch ist mir dieses Motiv natürlich mehr als vertraut. Auch war ein kleiner Altar für das musikalische Ereignis errichtet worden. In seiner Struktur erinnerte er klassisch an die Altäre, die wir selbst in unseren Ritualen verwenden und dies vermittelte mir auch gleich ein sehr angenehmes, harmonisches Empfinden.

Der Kirchraum füllte sich bald und war – noch vor Konzertbeginn – voll. Insgesamt 600 Menschen mit unterschiedlichen religiösen Wurzeln wohnten dem Ereignis bei. Es waren Hexen vor Ort, ich sah Menschen mit offenkundig buddhistischem Hintergrund, Yoginis,  Christen, Menschen mit arababischen Wurzeln… Es war eine wundervolle, bunte Mischung. Eine ganz besondere Form von Ökumene fand hier statt. Dieses Konzert öffnete sich für alle religiösen Strömungen und das empfand ich persönlich als sehr öffnend und segnend.

Das Konzert selbst begann mit einer leicht nachzumachenden Erdung für alle, wie sie hex‘ schon kennt. Und dann folgte das gut durchmischte Konzertprogramm, welches sich zahlreichen spirituellen Richtungen öffnete. Neben Peti und Paula lernte ich auch die sehr schöne Stimme von Regine Steffens kennen und konnte in der wunderbaren Energie des Berliner Mantren Chors eintauchen.

Die Nacht der spirituellen Lieder darf man sich jedoch nicht wie ein klassisches Konzert vorstellen. Alle Besucher erhielten Texthefte mit den Liedern, die an diesem Abend gesungen werden würden und somit hatten alle die Möglichkeit mitzusingen. Und dies wurde auch getan!

Die Nacht der spirituellen Lieder! Mit Regine Steffes (linker Rand), Peti und Paula sowie dem Mantrenchor im Hintergrund.

Die Nacht der spirituellen Lieder! Mit Regine Steffes (linker Rand), Peti und Paula sowie dem Mantrenchor im Hintergrund.

In dem evangelischen Gotteshaus gab es zunächst eine angenehme, christlichen Eröffnung „Shalama, shalama bayta.“ (Lukas 10, 5: Friede diesem Haus), der dann die Liedernacht folgte. Und die war vielseitig. Es gab Lieder aus dem ‚New Age‘, buddhistische und hinduistische Mantren, afrikanische und syrische Musik und Songs aus dem Reclaiming und dem Hexenkult. Besonders berührend war für mich der Auftritt eines Flüchtlings aus Syrien, der nicht nur an dem Konzert Teil nahm, sondern auch ein Liebeslied aus Syrien mit brachte und uns beibrachte.

Das Konzert selbst war – schlicht und ergreifend – die Wucht. Alleine das „Om mani padme hum“ einmal in einem Gottestempel, gesungen mit sechshundert Menschen, zu erleben ist ein so segnendes und ergreifendes Erleben, das es herzöffnend wirkt. Doch für mich persönlich gab es einen Höhepunkt des Konzertes, der in dieser Form einzigartig war: Die Anrufung der Göttin in einer Kirche! Und dies gemeinsam mit Menschen aller Kulturen, die wie selbstverständlich mit machten und mit sangen. Es war wie eine Heilung, die hier ihren Anfang nimmt. Dieses Erlebnis werde ich so bald nicht vergessen.

Als ich nach dem Konzert nach Hause kam fiel ich in mein Bett und schlief ein mit dem Empfinden an einem segensreichen Ereignis Teil gehabt zu haben.

Danke für die 30. Nacht der spirituellen Lieder!

Danke an Peti Songcatcher und Paula Noske für ihre schönen Lieder!

Danke an Peti Songcatcher und Paula Noske für ihre schönen Lieder!