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Deine Magie verzaubert mich

17.08.2017

Deine Magie führt mich ins Licht. Und so war es für mich eine besondere Freude, als just an meinem Geburtstag eine lang herbei gesehnte CD ihren Weg zu mir fand. Endlich gibt es zum Buch ‚Der ewige Kreis Teil 1‘ auch die Musik-Cd mit allen Liedern aus dem Buch. Dabei ist die CD genau so besonders wie das Buch. Denn das CD-Album lehnt sich auch im Konzept an die literarische Vorlage an. ‚Lieder im ewigen Kreis‘ hat nicht umsonst den Untertitel ‚dem Pfad der Jahreszeiten singend folgen‘. Und so möchte ich Euch heute eine CD vorstellen, die für Hexen auf der einen Seite eine Begleitung im rituellen Alltag sein kann, auf der anderen Seite kann sie die Gestaltung von Jahreskreisfesten inspirierend begleiten.

Pearl Branskaldi ist unter anderem Musikerin, Reclaimerin und Schafferin wundervoller Werke. Sie lebt in Nordrheinwestfalen, wo sie übrigens regelmäßig Jahreskreisfeste veranstaltet. Auch ist sie Mit-Organisatorin des Reclaiming-Phoenixwitchcamps. Mit der CD ‚Lieder im ewigen Kreis I“ legt sie ihr erstes musikalisches Soloprojekt vor. 

Lieder im ewigen Kreis… dem Pfad der Jahreszeiten singend folgen… ins Licht

Die CD umfasst 24 Tracks. Nach einem kleinen Intro folgen vier Kapitel, die sich musikalisch jeweils um ein Thema drehen. Jedes Kapitel beginnt mit einem Musikstück zur traditionellen Melodie von „Greensleeves“, welches das Thema einleitet. Es geht auf dieser CD um die vier Jahrekreisfeste der ersten Jahrehälfte: Das Lichtfest im Februar, das Frühlingsfest im März, den Maiabend und Mittsommer im Juni. Diese Jahreskreisfeste liegen in der Zeit, in der die Tage länger werden und zur Sommersonnenwende, dem Mittsommer, im Juni ihren Höhepunkt erreichen mit dem längsten Tag und der kürzesten Nacht im Jahr. Somit begleitet uns die CD in das Licht. 

Die Musikstücke, die alle von Pearl Brankaldi selbst stammen und sich nur in Ausnahmefällen an geliehene Melodien anlehnen, sind alle in englischer oder deutscher Sprache abgefasst. Sie befassen sich mit dem jeweiligen Jahreskreisfest und Aspekten, die um dieses Fest herum bedeutsam sind. So finden sich zum Beispiel Göttinnenlieder (wie ‚Brigid‘ oder ‚Lied für Freya‘) passend zum entsprechenden Fest oder auch – was mir besonders gut gefällt – einmal ein Kräuterlied für den Beifuss. Unterstützend finden sich Musikstücke, die beispielsweise für die Erdung oder die Anrufung der Elemente genutzt werden können. Dank eines liebevoll gestalteten Booklets, welches alle Liedertexte und kleine Informationen enthält, fällt es leicht die Stücke mitzusingen und zu erlernen. So können allein feiernde Hexen nur mit der CD schon eintauchen in die Energie des entsprechenden Jahreskreisfestes. 

Ich könnte gar nicht sagen welches Musikstück der CD mein Lieblingsstück ist. Für mich ist es besonders schön die Stücke nun bei mir zu Hause zu haben, die ich bereits ‚live‘ aus der Ritualarbeit gemeinsam mit Pearl kenne. So beinhaltet diese CD für mich kleine Tagebucheinträge in Form von Liedern, die für mich in meinem Herzen stets mit besonderen magischen Momenten verbunden sind. Dies macht diese Publikation für mich zu einer ganz besonderen CD, die auch stets einen besonderen Platz bei mir haben wird.

Um Dir einen Eindruck von Pearls Musik zu machen empfehle ich Dir in ihren magischen Youtube Kanal rein zu hören. Hier findest Du übrigens auch ein kleines Video, welches unser zauberhaftes Phoenix-Witchcamp vorstellt.

Pearl Branskadis CD ‚Lieder im ewigen Kreis CD I‘ kostet 12 €, die sich lohnen, und ist über Pearl direkt zu beziehen. Du kannst sie hier kontaktieren.

Lasse auch Du Dich von der Magie dieser CD verzaubern! 

Die Zeit hinter der Zeit

05.08.2017

Wir glauben sie zu spüren; wir können sie jedoch weder sehen, noch riechen, noch schmecken. Und doch: Wir nutzen sie, um unser Leben zu organisieren, wir richten unsere Jahreskreisfeste nach ihr aus und sie ritzt Linien in unser Gesicht, in unsere Haut. Wir können sie messen und wir können sie einteilen, dies glauben wir zumindest. Denn es ist nicht einmal klar, ob sie überhaupt existiert. Alle Versuche, sie wissenschaftlich zu fassen, sind missglückt. Und inzwischen geht die Physik davon aus, dass es sie nicht gibt. Zumindest nicht in der Form, in der wir sie zu messen glauben. Zeit, wie wir sie vermeinen wahr zu nehmen, existiert nicht. Und wenn wir an den Pforten der Zeit stehen, dann betreten wir unerforschte Regionen und begeben uns somit in die Welt der Magie.

Der Kessel 4 mit Chronometer

So erstaunt es nicht, dass die vierte Ausgabe des Kessels sich diesmal „An den Toren der Zeit“ bewegt. Und auch diesmal bin ich mit gereist durch die magischen Welten und habe mich neuen Impulsen hingegeben. Einige Stunden – wir bleiben bei der illusionären Einteilung der Zeit, auch wenn sie sich real so nicht darstellt – habe ich mich durch die Augen einer Anderen auf die Pfade der Göttinnen dieser Welt begeben. Geleitet wurde ich durch Artedea, die mich in einem intensiven und erfrischendem Gespräch in ihre Welt führte. Entstanden ist aus dieser Begegnung ein Artikel, den ihr unter zahlreichen anderen, im neuen Kessel lesen könnt. Für mich persönlich war die Begegnung eine erweiternde, erfreuliche Erfahrung, eine Begegnung von Frau zu Frau, von Herz zu Herz, von Göttin zu Göttin. 

Begegnungen. Das ist es, was der Kessel Euch bieten kann. Die Zeitschrift für Naturverehrung, Vielgötterei, Magie und Hexenkunst ist für mich inzwischen aus dem neuheidnischen Spektrum kaum noch weg zu denken. Sich auf den Kessel einzulassen bedeutet sich vom Denken und Schreiben der Magier und Hexen unserer Zeit inspirieren zu lassen. Individuelle Standpunkte, neue Impulse, humorvolle Hinweise werden unterstrichen von künstlerischen Ausdrücken. Und dies alles in einer sehr edlen, aufwändigen Aufmachung und Gestaltung. Ich kann nur empfehlen: Gönnt Euch diese Zeitschrift, die mehr ein großes Buch als ein Heft ist. Es erwarten Euch wieder spannende, zum nachdenken anregende Artikel, inspirierende Bilder und Impulse für Körper, Geist und Hausgeist. Kräuterkunde und Rezepte gibt es ebenso wie Poesie und Philosophie. Als besonderes Bonbon gibt es diesmal einen Ausflug in die Welt einer Runen von Duke Meyer, der uns in die Magie der Zeit entführt. Oder war es gar nicht die Zeit? War es nicht vielmehr die Geschwindigkeit? Ist das überhaupt relevant? Und schon ist man mitten drin im Strom der Ereignisse – und ehe man sich versieht hat man sie durchschritten: Die Tore der Zeit. Was mag sich dahinter erstrecken?

Wenn auch Du den Mut hast Dich hinter die Fassade der sogenannten Realität entführen zu lassen, Dich einmal hinter das Denken des Menschen zu träumen, die Normen der Gesellschaft zu durchbrechen, so kann der Kessel ein erster Schritt in eine neue Zeit sein… oder so ähnlich.

Bleibt in Eurem Takt!

Techniken der Magie: Musik – Teil 2

23.05.2017

Peti und Duke musizieren für uns.

Kerzen brennen, wir sitzen entspannt auf Sitzkissen am Boden. Wir befinden uns im Tempelraum der Sternschnuppe. Heute Abend bekommen wir ein Konzert geschenkt. Peti Songcatcher wird für uns singen. Unterstützt wird sie von Duke Meyer. Ich selbst freue mich schon den ganzen Tag auf dieses Konzert, denn ich weiß, dass mich etwas besonderes, etwas bewegendes erwartet. Dies liegt daran, dass ich in der Vergangenheit schon Konzerte von Peti erleben durfte und von daher weiß wie mitreißend, lebensbejaend und emotional inspirierend ihre Performance ist. Jedes Konzert ist ganz und gar einzigartig. Die Ursache dafür liegt darin, dass ihre Konzerte anders sind als die Performances, die man gewohnt ist. Peti Songcatchers Konzerte sind – unabhängig davon ob sie vor 6, 60 oder 600 Leuten auftritt, Mitmach-Konzerte. Man kann nicht nur tanzen zu ihren Liedern, man kann auch mitsingen. Ja, das ist sogar gewünscht! Denn Peti ist Ritualmusikerin, sie ist darin geübt Menschen Lieder mit spirituellem Charakter schnell bei zu bringen und sie zum Mitsingen zu inspirieren. So haben ihre Konzerte stets etwas magisches an sich. Eigentlich sind es musikalische Rituale, die einen dazu einladen mit auf die Reise zu gehen. Auf die Reise der Initiation, der Übergänge, der Schmerzen im Herzen, auf die Reise der Freude, der Ausgelassenheit, der Lebenslust. Aus den Tiefen der Seele heraus steigen Gedanken und Gefühle auf. Peti singt nicht nur für das Ohr, für das Herz und für das Tanzbein, sie singt auch für die eigene Stimme und die Seelentiefen. Auf ihren Konzerten wird viel gelacht. Und zuweilen auch geweint.

Peti und Duke vor dem Konzert.

Bei Peti Songcatcher ist der Name Programm: Die Reclaimerin lebt und arbeitet in der Nähe von Bremen. In ihrer Freizeit reist sie um die Welt, besucht Hexen, Göttinnenkonferenzen, Reclaiming-Veranstaltungen und Witchcamps, mit denen sie sich vernetzt und austauscht. Sie bringt etwas mit: Lieder. Sie sammelt überall Lieder, die im Hexenwirken, in der Magie, im Ritual benutzt werden. Diese Lieder erlernt sie und bringt sie dann zur nächsten Veranstaltung mit, wo sie zum einen ihre gesammelten Stücke vorträgt, zum anderen neue Lieder hört und lernt. Und somit ist sie eine Liedersammlerin, eine echte Songcatcher eben. Sie teilt ihren Schatz dabei mit allen, die ein offenes Ohr dafür haben. Sie ist auch sprachlich international unterwegs, vor allem englische, spanische und deutsche Texte finden ihren Weg zu ihr. Dabei kann sie ihr eigenes Talent und das ihrer Freunde derart nutzen, dass einige Texte sogar in allen drei Sprachen zur Verfügung stehen, durch Übersetzungen, die sich ebenfalls singen lassen. Auf diese Art sind inzwischen schon zwei CDs entstanden: „Singing the Circle of Abundance through the weel of the year“ und „Lieder zwischen Himmel und Erde“. Durch diese CDs kann sie ihre Arbeit auch den Menschen zugänglich machen, die nicht die Möglichkeit haben zu ihren Konzerten zu gehen, die aber dennoch neugierig auf ‚echte Hexenmusik‘ sind. Und man kann die Musik nicht nur hören, sondern auch mitsingen, denn die Texte werden mit geliefert.

Wenn Du in oder um Berlin bist und nun neugierig geworden bist, Dich verzaubern lassen möchtest, so lade ich Dich ein am Donnerstag, 25 Mai, ab 14.30 Uhr zur Nacht der Religionen zu der Veranstaltung der Paganen Wege und Gemeinschaften zu kommen. Hier kannst Du Peti Songcatcher persönlich antreffen, sie wird im Familienzentrum Menschenskinder in der Fürstenwalder Straße 25 in Berlin zusammen mit Paula Noske am Lagerfeuer singen. Und wenn Du sie siehst und ihr sagst, dass Du gelesen hast, dass sie beinahe jedem, der sie darum bittet, ein Lied singt, dann singt sie vielleicht auch für Dich… 😉

Alle Infos zur paganen Veranstaltungen bei der Nacht der Religionen. Um 16.15 Uhr und 20.15 Uhr finden Lieder am Lagerfeuer statt – freut Euch auf Peti!

Haltlosigkeit, Halt und gehalten werden

Freya by Penrose

Freya, Gemälde von James Doyle Penrose (1862–1932)


05.05.2017

Freya weiß es genau: Diesen Weg kann sie nur alleine gehen. Niemand kann sie stützen. Niemand kann ihr die Last, die Trauer aus der Seele nehmen. Niemand kann die Wunden in ihr heilen. Der Verlust schmerzt so sehr, dass sie alles hinter sich lässt. Ihr Heim, die Umgebung der Asen, ihr liebes, rauhes Schwein Hildiswini, ihre geliebten Katzen, ja, selbst ihr Dasein als Göttin. Sie muss gehen, sie muss herausfinden was geschehen ist, sie muss sich auf die Suche machen. Ihr Herz schmerzt so sehr, die Sorge um den Geliebten treibt sie um. Sie hat keine Wahl: Sie geht. Sie verlässt die Gemeinschaft der Ihren, um sich auf eine Suche zu machen, die sie zu allem führt, nur nicht zum Geliebten. Die Geschichte ist bekannt: Sie findet mannigfaches und magisches, sie bleibt lange fort und kommt dabei den Menschen so nahe, wie selten eine andere Göttin. Sie altert auf ihrem Weg und als sie wieder kehrt in die Gefilde Asgards ist sie eine alte Frau.
Zurück kommt sie in die Gemeinschaft der Götter und hier erwartet sie Idun mit ihren Äpfeln, die so köstlich sind, das man meint ihren Geschmack niemals zu vergessen. Sie schenkt sie Freya, schenkt ihr ihre Jugend zurück, ihre Göttlichkeit, und die Wundervolle blüht auf. Hier ist sie zu Hause, da ist ihr Bruder, Freyr, der glücklich ist sie wieder in die Arme schließen zu können und da ist Thor, der liebe Freund, dem sie nie eine Bitte abschlagen kann. Ihre Katzen laufen ihr mit erhobenem Schwanz glücklich entgegen, streichen ihr um die Beine und schnurren, wobei sie fragen: „Wo warst Du denn nur?“ um dann natürlich – wie es nun einmal Katzenart ist – gleich zum Futternapf stürzen und Leckeres zu fordern. Hildswini kommt angestürmt und respektvoll weichen alle zur Seite. Froh reibt sich das Schwein an seiner Herrin.
Freya ist wieder zu Hause!

Gemeinschaft verbindet. Quelle: Pixabay

Manchmal müssen wir die Gemeinschaft verlassen, um uns auf unseren ureigenen Pfad zu begeben. Den Weg, den nur wir beschreiten können, weil es ‚an der Zeit‘ ist. Vielleicht suchen wir etwas? Vielleicht versuchen wir etwas hinter uns zu lassen? Vielleicht wissen wir nicht einmal weshalb wie aufgebrochen sind? Vielleicht haben wir auch ein Teil von uns verloren? Gründe einen Pfad alleine zu gehen gibt es mannigfache. Doch wichtig ist es dabei zum einen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und zum anderen nicht zu vergessen woher wir eigentlich kommen. Beides kann jedoch öfter verloren gehen als man meint. Und dann kommt man ‚vom Weg ab‘, obgleich man zuweilen meint noch auf dem richtigen Pfad zu sein. Wie gut ist es dann, wenn die Gemeinschaft, aus der man kommt, ab und zu ruft und sich in Erinnerung bringt! Denn es ist nun einmal so, man selbst kann sich nicht so betrachten und reflektieren, wie man es vielleicht glaubt, meint oder möchte. Für einen Großteil magische Grundarbeiten ist Gemeinschaft notwendig! Einige meinen zwar, sie könnten und müssten alles alleine packen und regeln, aber dies ist und bleibt außerhalb menschlicher Schaffenskraft. Und, liebe Solo-Hexen, ‚Von Gemeinschaft frustrierte‘, ‚Ich-kann-alles-alleine‘ Hexen, das ist ein Fakt. So sind wir beschaffen. Punkt. Und ihr wisst es auch! Tief in Euch wisst Ihr es genau, sonst wärt ihr keine Hexen.
Vertraut Eurer Intuition – nicht Eurer Angst. Doch ich weiche ab…

Loki und seine Kinder -ein Feuersturm im Hintergrund.

Gemeinschaft stärkt. Gemeinschaft gibt Halt. Gemeinschaft verbindet. Gemeinschaft heilt. Und dabei ist die Gemeinschaft weitaus mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Die Kräfte potenzieren und ergänzen sich. Eine funktionierende Reclaiming-Gemeinschaft kennt keine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern, sondern Ergänzung, Wachstum, Freude, Bereicherung. Daraus wächst eine enorme Stärke und Schönheit, eine unglaublich schöne Kraftquelle, ein Brunnen der Kreativität und Magie.
Aber zugleich gibt es in einer Gemeinschaft auch stets Herausforderungen: Wo beginne ich? Wo ende ich? Wo beginnen wir? Wo enden wir? Wo werden Grenzen überschritten? Wessen Grenzen werden überschritten? Und so weiter… ihr kennt die Fragen. Jedoch auch hier: Eine funktionierende Gemeinschaft hat funktionierende Kommunikationsregeln. Und sie fängt auch Kommunikationsschwierigkeiten auf. Eine funktionierende Gemeinschaft verträgt es, wenn Du, wie Freya, einen Zeit lang einen eigenen Weg gehen musst. Und sie wird Dich offen wieder empfangen. Es ist doch ganz einfach, oder?

Eine funktionierende Gemeinschaft wird Dich, Deine Schwächen, Deine Talente, Deine Gaben, Deine Kräfte er-tragen. Und Du wirst die Gemeinschaft er-tragen“, flüstert er in mein Ohr, „die Frage ist nur: Erträgst Du Dich selbst?“
Mir wird fast körperlich übel, ich halte mich an meinem Weinglas fest. Ein leichter Schwindel erfasst mich. Eine Antwort bleibt in meinem Hals stecken.
„Lasse los von Deinem (vermeintlichen) Halt!“ höre ich Lokis Stimme und beginne zu wanken, zu schwanken, zu fallen… in die Arme der Gemeinschaft.
Curtis ist wieder zu Hause.

Hexenkalender Meditation zur Luft

29Januar 2017

Ich öffne das Fenster weit. Kalte Luft strömt mir entgegen, füllt meine Lungen, erfrischt den Geist. Es ist früh morgens, die Sonne ist noch nicht ganz aufgegangen, doch man sieht im Osten bereits die erst Strahlen aufsteigen. Die kalte Winterluft strömt in mein Wohnzimmer. Nach ein paar Atemzügen schließe ich das Fenster wieder.

Meditation und Kontemplation fordern den Geist und sind der Luft zugeordnet.

Meditation und Kontemplation fordern den Geist und sind der Luft zugeordnet.

Der Hexenkalender 2018 wird unter dem Motto ‚Luft‘ stehen. Wie schon erwähnt, ist es diesmal meine Aufgabe ganze drei Monate des Kalenders zu gestalten! Schon im Dezember letzten Jahres begann ich von daher mit den Vorarbeiten zum Thema. Und der erste Schritt, noch bevor ich überhaupt erfuhr welche Monate ich gestalten würde, war eine Meditation zum Thema Luft.

Wir müssen atmen, um zu überleben. Tatsächlich ist dies das erste, was wir tun, wenn wir auf die Welt kommen: Atmen! Noch vor allen anderen Notwendigkeiten wie essen, trinken oder schlafen. Die Luft hält uns am Leben! Und auch wenn wir über einen längeren Zeitraum auf Nahrung oder Schlaf verzichten können, wenn es nötig ist, so ist es nicht möglich auf das Atmen zu verzichten. Nach nur zwei Minuten wird es selbst für geübte Perlentaucherinnen kritisch und sie müssen Luft in ihre Lungen pumpen. Luft in uns aufzunehmen ist eine erstaunliche Tätigkeit, denn wir können sie bewusst ausüben: Durch das bewusste Atmen, das Einsetzen verschiedener Atemtechniken und das Beeinflussen unserer Atmung können wir verschiedene Bewusstseinszustände einnehmen. Und zugleich atmen wir immer, ganz unbewusst. Egal ob wir schlafen oder wachen, ob wir arbeiten oder spielen, träumen oder konzentriert sind.

In der magischen, vier-Elemente Lehre ist der Luft das Schwert oder der Dolch zugeordnet, dargestellt unter anderem im Tarot. Die Himmelsrichtung für die Luft ist der Osten, hier geht die Sonne auf. Kalte Winterluft lässt uns spüren, weshalb das Schwert ihr zugeordnet ist. Die Luft schneidet regelrecht in die Haut. Auch das Atmen sehr kalter Luft kann in den Lungen schneiden. 

as-der-schwerterEs gibt diverse – nicht nur magische – Tätigkeiten, die dem Element Luft zugeordnet sind: Das Räuchern beispielsweise gehört dazu, genauso wie verschiedene Formen der meditativen Atmung, diverse geistige Übungen und Formen der Konzentration. Ja, die Luft ist dem Geist zugeordnet und somit auch jeglicher geistigen Tätigkeit. Wer wissen möchte weshalb muss nur einmal konzentriert an einer Aufgabe arbeiten und spüren, wie der  Geist ermattet. Wenn man dann zum Fenster geht, es weit öffnet und tief einatmet, dann weiß man warum die Luft dem geistigen Arbeiten – und somit auch Träumen und Visionen – zugeordnet ist. Aber auch Gesang und Musik werden von der Luft getragen. Auf dem atmosphärenlosen Mond ist es nicht weit her mit Gesang und Musik, es sei denn man hat einen Walkman in seinem Helm. 

Doch wie sollte man das Element Luft zeichnerisch umsetzen? Meine erste Assoziation begann bei den Sumerern, die sehr früh die Lamassu und den Shedu als Schutzgottheiten kannten. Obgleich diese Geschöpfe eher der späteren Sphinx ähneln, haben sie doch schon früh zahlreiche Aspekte, die sich später in den Geschöpfen der Lüfte schlechthin zeigen: Den Engeln. Diese Geschöpfe, die heute interessanterweise vor allem in der jüdisch-christlichen Mythologie eine Rolle spielen haben ihre Wurzeln in Mesopotamien, wo zahlreiche Gottheiten, Schutzwesen, aber auch Dämonen, geflügelt dargestellt wurden. Dies merkt man auch, wenn man entsprechende Texte im alten Testament liest: Die Serapim und Cherubim haben reichlich wenig mit dem zu tun, was man heute gemeinhin als ‚Schutzengel‘ bezeichnen würde. Und schon gehen meine Gedanken weiter, weg von den Engeln, hin zu den Feen, die auch mit dem Element Luft verbunden sind. Es sirrt und flirrt, es summt und brummt. Vom göttlichen Makrokosmos geht es immer weiter in den Mikrokosmos, in dem ich mich gleich viel wohler und heimischer fühle. Ideen bahnen sich ihren Weg, Schmetterlinge flattern, Hummeln brummen, schwellen an und erheben sich auf weiten, fedrigen Schwingen, mythische Geschöpfe, wilde Sphingen, stolze Greifen, Winddrachen drehen sich in der Luft. Und dann beginnen die Gedanken zu rasen, immer schneller bilden sich Bilder in meinem Geist, in dem sich die Luft materialisiert darstellt. Und ehe ich mich versehe habe ich drei Mottos für drei Monate gefunden. Und wie es damit weiter geht, davon berichte ich Euch beim nächsten Mal.