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Magische Geschöpfe

15.01.2019

Ich habe seit meiner Kindheit eine hohe Affinität zu magischen Geschöpfen. Schon bevor ich in den Kindergarten ging besass ich ein Buch mit Bildern von Nixen, welches auch heute noch in meinem Bücherregal steht. An den Wasserfrauen konnte ich mich nicht satt sehen. Im Jahr 1984 dann, ich war 13 Jahre alt, erschien bei Time Life eine aus 21 Bänden bestehende Buchreihe mit dem Titel ‚Verzauberte Welten‘. Die Prachtbände mit goldnem Aufdruck und aufwändig gestalteten Bildern  waren für mich nahezu unerschwinglich. Lange ging ich die Listen durch, eigentlich musste ich diese Bücher unbedingt haben. Aber mir war klar, dass ich mir nie alle 21 würde leisten können, also reduzierte ich die Liste brutal auf die 6 wichtigsten Bände, unter anderem die Bände ‚Drachen‘, ‚Fabelwesen‘ und ‚Nachtgeschöpfe‘. Ein Jahr lang investierte ich mein gesamtes Taschengeld in diese Bücher – alle drei Monate konnte ich mir eins leisten und zwei weitere bekam ich zu Weihnachten und Geburtstag geschenkt – und legte damit meinen Grundstein zu einem Zweig meiner magischen Bibliothek, den Zweig über magische Geschöpfe. Die Bibliothek wuchs seitdem immer weiter an und endete keineswegs mit der – für mich persönlich sehr enttäuschenden – Anschaffung von Newt Scamanders ‚Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind‘ im Jahre 2001. Natürlich gilt zu bedenken, dass letztere Schrift ein Schulbuch ist und für die Einsteigerklassen gedacht ist. 

Man sollte sich bei seiner Recherche nicht allein auf Newt Scamander verlassen!

Schon vor Jahr und Tag – als der Name Scamander noch völlig unbekannt in der Muggelwelt war – spielte ich mit dem Gedanken ein Lexikon über magische Geschöpfe zu erstellen, doch verwarf ich die Idee immer wieder. Einfach zu viel spukt mir im Kopf rum und wollte umgesetzt werden. Immerhin schaffte ich es im Jahr 1999 einen Wandkalender mit magischen Geschöpfen herauszugeben, dem folgte 2001 ein Wandkalender mit ‚Feen und Elfen‘. Die Kalender sind zwar nett anzusehen, aber nicht mehr erhältlich und zudem wenig informativ. Doch bei unserem letzten  Julritual gab es wieder einmal ein Gespräch über ein – meines Erachtens – sehr bedeutsames magisches Geschöpf, welches jedoch auch in Hexenkreisen oft unter den Tisch fällt. Aus diesem Grunde habe ich entschieden in diesem Jahr hier im Blog eine kleine Serie über ‚magische Geschöpfe‘ zu starten. In jedem Monat möchte ich Euch ein Tier vorstellen und etwas zu seinen Hintergründen berichten. Zudem werde ich keine Anstrengungen scheuen, um Euch auch konkrete Orte zu nennen, an denen ihr dem entsprechenden Tier möglicherweise begegnen könnt.

Lasst Euch überraschen und bleibt mir gewogen!

 

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Solvitur quaestio?

19.12.2018

Es klingelt an der Tür. Ich stürze hin, denn wir erwarten unser Abendessen, welches wir uns bestellt haben. Ihr erinnert Euch: Wir befinden uns mitten in den Dreharbeiten zu einem magischen Filmprojekt. Vor Aufregung habe ich an diesem Tag nichts gegessen, wobei Thanis mich immer wieder mit Fudge versucht anzufüttern. Inzwischen ist es nach 21.00 Uhr, wir arbeiten also schon seit mehr als fünf Stunden und inzwischen verspüre sogar ich so etwas wie ‚Appetit‘. Ich öffne die Tür, lächelnd, doch der Sushi-Zusteller schreckt regelrecht zurück, erblassend. Scheu reicht er mir die Verpackungen und will fast gehen, ohne dass ich ihn bezahlt habe. Doch ich drücke ihm sein Geld in die Hand und er flüchtet ehe ich noch etwas Trinkgeld geben kann. Ich bin irritiert. Ich bin voll in meinem Element und vergesse dabei zuweilen, dass es Menschen gibt, die Angst vor den Energien haben, mit denen wir arbeiten. Für manch einen sind Hexen noch immer furchteinflößend.

Kunst oder Ritual? Am Ende wird dies der Betrachter selbst entscheiden müssen.

Energien… sie werden in Bewegung gesetzt und in der Magie durch Inszenierungen nutzbar gemacht. In einem Ritual übernehmen die Teilnehmer bestimmte Rollen, die sie ausfüllen. Je nachdem, welche Rolle sie gestalten lenken sie unterschiedliche Energien. Beim Ziehen des Kreises beispielsweise geht es darum durch den magischen Akt einen geschützten Raum zu schaffen. Doch nicht nur in der Magie werden Energien bewegt, auch im Alltag geschieht dies immer wieder. Ihr könnt das mal überprüfen: Sichtbar wird es besonders in der Küche, die nicht genutzte Küche hat eine komplett andere Energie, als eine Küche in der gekocht oder gebacken wird. Fühlbar wird es beim Tanzen: Fühle einmal in Dein eigenes Zimmer hinein und dann nimm Dir die Zeit, um zu Deiner Lieblingsmusik zu tanzen. Wie verändern sich Deine Schwingungen, wie verändern sich die Schwingungen des Raumes? 

Ein leuchtendes Pentagramm

Es geht auf Mitternacht zu, als die letzte Szene mit uns Hexen als Darstellerinnen im Kasten ist. Ein sehr inspirierender, lehrreicher aber auch anstrengender Tag neigt sich dem Ende entgegen. Erschöpfung macht sich in mir breit. Ich wechsel mein Ritualgewand gegen meine Hauskleidung ein und transformiere mich wieder in mein weltliches Leben hinein.
Was für ein unvergesslicher Tag! Am Ende bleibt nur eine letzte Frage im Raum: 
Aufgabenstellung gelöst? Ist es gelungen ein Ritual filmisch künstlerisch in Szene zu setzten? Und diese Frage können wir noch nicht beantworten. Denn erst im nächsten Jahr wird der Film sichtbar gemacht. Gegen Ende Januar könnte es diesbezüglich schon Neuigkeiten geben. Darauf bin ich schon sehr neugierig!

Magische Dreharbeiten

17.12.2018

Letzten Donnerstag war es soweit, die Dreharbeiten zum Projekt ‚Rituelle Kunst – künstliche Rituale‘ (so mein persönlicher Arbeitstitel) sollten beginnen. Selten war ich vor einem Projekt so aufgeregt wie vor diesem. Dabei gab es für mich im Großen und Ganzen gar nichts zu verlieren. Wenn der Film gut würde, so könnten Thanis, die ich als Unterstützung mit ins Boot geholt hatte, und ich uns freuen. Wenn nicht, so müßten wir uns auch keine Gedanken machen. Denn der Film würde erst einmal ein reines Kunstprojekt sein und es war und ist zunächst nicht vorgesehen ihn abzustrahlen. Und es würde auch keine Benotungen oder negativen Konsequenzen für das Filmteam geben. Es war einfach eine Übung. Dennoch schwitzte ich Blut und Wasser und konnte den ganzen Tag nichts essen. Denn: Ich wollte es für mich so gut wie möglich machen!
Um 16.00 Uhr erwarteten wir das Filmteam, bereits um 15.00 Uhr schlug meine Freundin Thanis bei mir auf und wir begannen im Vorfeld das Filmstudio aufzubauen. 

Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, siehst Du mich oder siehst Du mich nicht?

Pünktlich um 16.00 Uhr dann kam das Filmteam dazu: Regisseurin Alison, Kamerafrau Laura und Kameraassistent Lukas. Es konnte los gehen! Und das tat es dann auch: Mit dem Drehbuch.
Ich habe noch nie mit einem Drehbuch gearbeitet und mit Drehvorgaben, dies war für mich eine komplett neue und spannende Erfahrung. Das Filmteam hatte nur eine begrenzte Filmrolle zur Verfügung und diese Rolle war in Szenen unterteilt worden, die in etwa zwischen 20 Sekunden und 2 Minuten lang waren. Jede Szene mußte sitzen, das heißt wir durften uns keine Fehler leisten, da jede Szene, die neu gedreht werden mußte, vom Endfilm ab gehen würde. Sprich: An und für sich gab es höchstens eineinhalb Minuten Material ‚Spielraum‘ für Patzer, um einen Kurzfilm zu drehen. Jeder Stolperer, ein Nieser, ein Zittern der Hand, ein Streichholz, welches nicht zündet könnte Auswirkungen auf das Resultat des Filmes haben. Das Entzünden einer Kerze wurde mit einem Male schon bei den Dreharbeiten ähnlich bedeutend wie in einem Ritual selbst. Die Dreharbeiten selbst wurden zu einer rituellen Szenerie, in der alles im Vorfeld geübt und geplant wurde.

Egal welcher Zauber kommt: Immer schön einen klaren Kopf bewahren! Thanis und Curtis Nike

Im Film geht es darum unsichtbares sichtbar zu machen und durch künstlerische Mittel die Zuschauerschaft einzufangen und Teil haben zu lassen an der Energie eines magischen Rituals. Hierzu wurden einige spannende Elemente genutzt, die ich selbst sehr inspirierend finde. Mein Respekt vor der Arbeit vor und hinter der Kamera ist durch die Dreharbeiten noch einmal gestiegen. Auf kleinstem Raum wurde inszeniert und gedreht. Die Kamera und das Equipment sollten nur an diesem einen Tag zur Verfügung stehen, dies hieß, dass nur das Material, welches an diesem Tag abgedreht wurde auch in den Film kommen würde. Einen Nachdreh würde es nicht geben. Einen Ersatztermin auch nicht. Der Film musste an einem Tag im Kasten sein. Was für eine Herausforderung! Sie verlangte von allen Anwesenden höchste Konzentration. Das Filmteam drehte in einer Umgebung und zu einem Thema, welches ihm vorher komplett unbekannt war. Die Darstellerinnen, nämlich wir zwei Hexen, waren zwar absolut firm im Thema, aber wir waren dafür komplett unerfahren in der Schauspielerei. Das wir beide schon einmal vor einer Filmkamera gestanden hatten war nicht von Belang, denn es sollte sich herausstellen, dass das Arbeiten mit Drehbuch und analogen Film noch einmal etwas ganz anderes war. Und so begegneten sich hier auch zwei Welten, die miteinander verbunden werden wollten.

Ob wir es wohl geschafft haben? Ihr sollt es demnächst in meinem letzten Beitrag zum Thema erfahren. Bleibt mir gewogen!

Finite Incantatem

14.12.2018

Ich lasse meinen Kopf auf das Kopfkissen sinken, schließe die Augen und schlafe fast augenblicklich ein. Die Erschöpfung und Aufregung der letzten Tage fordert ihren Tribut. Mein Herz ist aufgeregt,  glücklich, begeistert und müde zugleich als ich heute in den frühen Morgenstunden in mein Bett krieche. Mein Tag gestern bzw. heute früh endete mit dem Schlenker des Zauberstabes und einem – zugegebenermaßen – sehr müden ‚Finite incantatem!‘. Der Zauber ist beendet. 

Finite Incantatem. Der Zauber ist vorbei.

Hinter mir liegt ein spannender, aufregender und sehr langer Tag. Es war ein besonderer Tag, an dem ich viel lernen und erleben durfte. Es war ein abenteuerlicher Tag, an dem ich ins kalte Wasser sprang. Und es war ein arbeitsintensiver und anstrengender Tag. Es war ein Tag voller Zauber und Magie. Und das Besondere: Die Magie wurde sichtbar gemacht und auf Filmband fest gehalten. Denn ein Team der Filmhochschule Babelsberg war vor Ort, um einen Dreh zu machen. Wie es dazu gekommen ist und worum es eigentlich geht, dies werde ich hier im Blog in den nächsten Tagen ausführlich berichten. 

Ich danke an dieser Stelle meiner Freundin Thanis, dass sie mit mir zusammen ins kalte Wasser gesprungen ist, mich unterstützt hat und das Abenteuer mit mir geteilt hat.

Und ich danke Alison, Laura und Lukas, dem Filmteam aus Babelsberg, die dieses Abenteuer erst möglich gemacht haben.

 Bleibt neugierig und freut Euch auf spannende Eindrücke aus der Welt des Films und der Magie!

Der Mann, der keine Geschlechter kennt

17.05.2018

Vorbemerkung: Die folgende Geschichte hat sich so und zwar GENAU SO abgespielt. Ich war zwar persönlich nicht mit dabei, aber Loki war dabei. Und er hat sie mit meinen Fingern geschrieben und mir bestätigt, dass es so war und nicht anders! Ganz sicher! Ungelogen!

Dieses verlängerte Wochenende sollte ein ganz besonderes für Familie E. aus der Stadt werden. Vater E. hatte sich extra einen Brückentag von seiner harten Arbeit als Manager eines großen Unternehmens genommen. ‚Christi Himmelfahrt‘ machte es möglich. Mutter E. hatte ihn dazu überredet. Die gemeinsame Tochter wünschte sich ein Wochenende in der Natur mit ihren Eltern. Eine Wanderung sollte es werden, sie sollte durch den schönen Harz führen und man wollte es schlicht halten. Übernachtet werden sollte in Jugendherbergen. Ausnahmsweise. Der Tochter zu Liebe. Gemeinsam als Familie wollte man abtauchen in die Natur. Mal ganz entspannt wandern, spazieren, schlicht übernachten und sich der Natur öffnen. Frau E. hatte sich dafür extra neue Schuhe gekauft. Herr E. hatte sich komplett neu eingekleidet für dieses echte Outdoor-Abenteuer. Am Tag vor dem großen Ereignis gönnte er sich noch eine schöne Vatertagstour um Kraft für die familiäre Pflichtveranstaltung zu tanken. Und so wanderte die kleine Familie am Freitag motiviert los…

Merkwürdige, verstörende Zeichen zierten die Toilettentüren.

An jenem Freitag, es war kein dreizehnter, sondern ein elfter, war das Wetter angenehm. Obgleich sich immer mal wieder Wolken vor die Sonne schoben, blieb es weitestgehend trocken und die Temperatur war für das Wandern im Wald optimal. Die frische, klare Waldluft war voller Sauerstoff und duftete nach allerlei Gehölz. Für die Städter war die Wanderung schon ein besonderes Erlebnis, aber auch ein bisschen ungewohnt, und sie waren zugegebenermaßen froh, als sie ihre zukünftige Jugendherberge – in der sie ein Zimmer reserviert hatte – nach Stunden des Gehens endlich vor sich sahen. Da war es, das Haus, ein Naturfreundehaus. Erstaunt stellten sie fest, dass vor dem Haus unzählige Fahrzeuge parkten. Automobile mit Kennzeichen aus dem ganzen Bundesgebiet waren da und dann hörten sie auch schon seltsame, tiefe, vibrierende Laute die aus dem Erdgeschoss des Gebäudes drangen. Beim näher kommen bemerkten sie, dass es wohl Trommeln waren, die rhythmisch geschlagen wurden. Trommeln. Im Harz. Wie merkwürdig. Vorsichtig näherten sie sich dem Haus. Da tanzte eine Frau an ihnen vorbei, in einem bunten, irgendwie seltsam anmutenden Gewand, welches hinter ihr her wehte und sie summte und sang vor sich hin. Gesang! Einfach so! Ob sie eine Angestellte des Hauses war? Oder etwa eine Musikerin? Oder gar eine, die Lieder aus der Luft einfängt? Hatte sie etwa ein Schmetterlingsnetz dabei? Doch sie war schon vorbei und die Familie konnte sich nicht erinnern, ob sie ein Netz hatte. Es wäre auch irgendwie seltsam gewesen. Aber wo kam nur diese absurde Idee her, dass die Frau Lieder mit einem Netz fängt???
Wie dem auch sei, es war äußerst suspekt. Vorsichtig betraten sie das Haus. Rhythmischen Trommeln erfüllte die Luft. Aus den oberen Stockwerken hörten sie Gelächter. Was ist hier nur los?
„Guck mal da“, irritiert zeigte die Tochter, ein Teenager, auf die Tür zum WC, da ist ein komisches Schild angebracht, „was soll das denn heißen?“

Kennen Sie diesen Mann? Er gilt als gefährlich lustig und erschreckt im Harz wandernde Muggel durch suspekte WC-Schilder und Sexlosigkeit! Ausserdem steht er unter dringendem Verdacht mit Loki im Bunde zu sein!

Doch ehe Familie E. sich darüber klar werden konnte polterten Schritte die Treppe hinunter. Ein zunächst sehr freundlich wirkender Mann kam auf sie zu.
„Hallo“, begrüßte er sie erfreut, „Sie sind bestimmt die Mugg… äh… Familie, die hier für heute Nacht ein Zimmer reserviert hat, oder?“ Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„Ähm. Ja“, Familie E. war leicht verunsichert, weitere Personen kamen die Treppe hinunter. Lachend, singend, summend. Manche hatten Blumen im Haar, andere bemalte Gesichter (!!!) und wieder andere hatten Nasenpiercings. Nasenpiercings! Im Harz! Man stelle sich das mal vor!
Die meisten Leute gingen vorbei, nur eine im ersten Moment harmlos wirkende Frau blieb neben dem Mann stehen und lächelte. Sie war, so findet die Familie, irgendwie komisch gekleidet, so gar nicht in Jeans und T-Shirt, sondern mehr… naja, hippiemäßig irgendwie. Oder waren das Yogasachen? Obgleich, das passt auch nicht so ganz. Irgendetwas an ihr war komisch, war anders. Nur was?
„Was sind denn das für Schilder?“ fragte Frau E., ihre Stimme klang schriller als gewollt, und sie zupfte unwillkürlich nervös an einem ihrer Perlenohrringe. Herr E. klammerte sich an seinen Rucksack.
„Ach, die Kloschilder“, der Mann machte eine wegwerfende Handbewegung, „keine Sorge. Wir haben nur die sanitären Anlagen für alle Geschlechter geöffnet.“
Irritiert sahen die Wanderer den Mann an, er war bei genauerem Hinsehen jetzt irgendwie doch sehr seltsam. Diese scheinbar freundliche Stimme, dieses lächelnde Gesicht. Da stimmte doch was nicht! Hatten sie sich verhört?
„Was soll das bedeuten?“ fragte Frau E. unsicher, „das heißt doch nicht etwa, dass Männer auf das Frauenklo gehen, oder?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ein Gefühl des Entsetzens in ihr aufsteigt. Männer sind doch gar nicht in der Lage ein Klo vernünftig zu benutzen! Ständig pinkeln sie daneben und machen alles dreckig. Zuhause muß sie dann immer alles weg wischen. Männer sind ja generell nicht in der Lage zu Putzen. Aber wie war das hier, unter diesen seltsamen Leuten… sie scheinen ja das ganze Haus besetzt zu haben! Was sind das nur für Gestalten? Putzen die Frauen ständig den Männern hinterher? Irgendwie wirkten die Leute hier so… unbeteiligt an den wirklichen Problemen der Welt. Sie sahen komisch aus, verhielten sich komisch und wirkten wie aus einer anderen Welt.
Der fremde Mann spürte natürlich die Unruhe der Neuankömmlinge und machte eine beschwichtigende Geste, „keine Sorge, die WCs und Duschräume sind ja bei Bedarf abschließbar. Und sehen Sie“, er lächelte beschwichtigend, „wir sind in unserer Gemeinschaft offen für alle Geschlechter. Manchmal gibt es ja Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht ihres Körpers identifizieren können, und wir sind da eben total barrierefrei. Jeder kann jedes Klo benutzen ohne sich immer fragen zu müssen ‚welches Klo darf ich denn benutzen?'“, und da er bemerkte wie unruhig, ja erschrocken die Neuankömmlinge auf seine Ausführungen reagierten, fügte er rasch erklärend hinzu: „Das hat natürlich alles nichts mit Sex zu tun!“
„Ähm ja, wir wollten eh noch essen gehen“, sagte Herr E. und versuchte gelassen zu klingen. In Wahrheit stieg nackte Panik in ihm auf.
„Prima, Sie können Ihr Gepäck schon hier lassen, es gibt einen Aufbewahrungsraum“, sagte der freundliche Mann und möchte ihnen den Weg weisen. Doch Familie E. dankte freundlich und erklärte, dass man 
dann am Abend wieder zum Einchecken komme . Fluchtartig verließ die Familie das Haus des Schreckens.

Unvorstellbar! Ein Klo für alle! Frauen, Männer, Kinder und selbst Loki kann es benutzen!

Stellen wir uns vor, dass zu diesem Zeitpunkt Curtis die Treppe runter kommt. Sie sieht ihre beiden Hexenfreunde im Flur stehen. Ihr Kumpel von den Holunderschwänen guckt verdutzt, die Kollegin aus Hamburg, die gar nicht in Hamburg wohnt, grinst.
„Was ist los?“ fragt Curtis erstaunt.
Die Hexe kichert, lacht dann, es kommt tief aus ihrem Inneren, „gerade waren die Muggel da, die heute Nacht hier übernachten wollen. Mr. T. hat ihnen aber achtsam und zugewandt erklärt, dass wir eine Transgender-Gruppe sind, zusammen duschen, aber keinen Sex haben.“
„Stimmt ja gar nicht“, entfährt es dem Mann, der keine Geschlechter kennt, „ich wollte nur unsere Kloschilder erklären.“
„Aha“, eine Augenbraue wird in die Höhe gezogen, „sehr aufmerksam von Dir. Und wieso hast Du nicht einfach gesagt dass wir Hexen sind? Ich meine die erwartet man doch im Harz“, möchte Curtis erstaunt wissen, „und die hätten doch schön unsere Winkelgasse leer kaufen können.“
„Ich wollte die Muggel doch nicht verschrecken!“ erklärt unser Mann im Brustton der Überzeugung. 

Familie E. kehrte nie wieder zurück in das Naturfreundehaus. Sie konnten kaum glauben, was sie erlebt hatten. Sie waren im falschen Film gewesen. Diese seltsamen Leute dort mussten einen Knall haben, vermutlich waren sie psychisch schwer gestört und vielleicht sogar gefährlich. Und so flohen die Muggel in ein **** Hotel mit einem eigenen Bad und einem Aussenklo in der Lobby des Hotels für Herrn E. Hier wurden sie bekocht und versorgt. Trommeln gab es nicht, auch keine bunten Gewänder. Das Hotel hatte sogar eine Sauna – nach Geschlechtern getrennt. Denn eines ist klar: Wenn es um Geschlechter geht, hat alles mit Sex zu tun 😉