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Techniken der Magie: Musik – Teil 1

21.05.2017

Musik liegt in der Luft, Bild: Pixabay

Kannst Du Dich noch daran erinnern, wann das letzte Mal jemand für Dich gesungen hat? Und damit meine ich nicht, wann Du Dir das letzte Mal ein Konzert bei einer Deiner Lieblingsbands gegönnt hast. Ich meine tatsächlich: Wann hat jemand für Dich gesungen, nur für Dich, Dich dabei angesehen, Dich persönlich angesprochen, Dich gemeint? Wann hat jemand Deinen Namen gesungen? Dir mit einem Lied eine Freude gemacht? Vielleicht Deine Wunden besungen? Oder Dich zu Tränen gerührt?
Was für eine Frage! Und vielleicht sind welche unter Euch, die sich tatsächlich nicht daran erinnern können, wann jemand nur für sie gesungen hat. Möglicherweise gibst Du die Frage jetzt sogar zurück: Wann hat wohl jemand für Curtis gesungen, nur für sie? Ihren Namen gesungen? Ein Lied für sie auf den Lippen gehabt? Und ich kann es Dir tatsächlich beantworten: Es ist erst kurze Zeit her! Auf dem Phoenixtreffen, da war es, als wir Hexen zusammen Magie gewoben haben. Da wurde ein Lied für mich gesungen, da wurde mein Name gesungen. Und nicht nur mein Name wurde gesungen, es wurde viele Namen gesungen. Auch für andere wurde gesungen. Vielleicht erinnerst Du Dich noch, früher hat die Mutter oder eine Tante für Dich gesungen, wenn Du geweint hast. Oder es wurde schnell ein kleiner Segen gesungen, wenn Du eine Wunde oder eine Krankheit hattest. Ich weiß nicht, wie es bei Dir in der Familie war, aber vielleicht habt ihr ja auch mal zusammen gesungen, zu Festen oder einfach aus Spaß. Bei uns ist das bis heute üblich. Und als Du vorhin nachgedacht hast, wann Dir das letzte Mal etwas vorgesungen wurde, da bist Du vielleicht zu Deinem Geburtstag gekommen, als Freunde oder Arbeitskollegen Dir etwas vorgesungen haben. Wie hast Du Dich dabei gefühlt?

Heute möchte ich über die möglicherweise älteste Form menschlichen, magischen Wirkens schreiben: Über Musik. In meiner Vorstellung könnte es sogar sein, dass summende Töne, gelallte Lieder und Singsang der menschlichen Sprache (Sprachmelodie) voraus gingen und somit als Teil der eigentlichen Menschwerdung gesehen werden kann.
Doch möchte ich mit meinem Ausflug in die Magie der Musik gar nicht so weit zurück gehen, es reicht, wenn ich nur wieder einsteige in das Thema der modernen Reclaiming-Hexengemeinschaft: In dieser Gemeinschaft spielt Musik eine große Rolle. Je mehr Hexen sich zusammen finden, desto mehr wird erfahrungsgemäß gesungen. In Ritualen können Chants dazu beitragen die Ritualintention zu tragen, sie können Trancen fördern oder auch Bekenntnisse unterstreichen. Lieder können anrufende Funktionen haben, so können Gottheiten, Elemente oder Kräfte durch sie geehrt oder angerufen werden. Aber manche Stücke haben auch eigene Intentionen: Es gibt Lieder der Heilung, Lieder der Segnung, Lieder für die verschiedenen Jahreskreisfeste und viele mehr. Stets ist es so, dass ich bei einem unserer Hexentreffen das eine oder andere neue Lied lerne. Die Chants verbreiten sich heute noch genauso wie vor Jahrtausenden: Von Mund zu Ohr. Die Lieder, die wir verwenden, können magische und rituelle Handlungen unterstreichen, sie können aber auch selbst Träger der Magie sein. So ist es möglich Zaubersprüche oder Wünsche in Liedform zu transportieren. Oft ist es mit der Musik vergleichbar wie mit der Magie selbst: Je mehr daran mitwirken, desto intensiver wird die Kraft des jeweiligen Stückes. Tatsächlich würde ich persönlich sogar soweit gehen und Töne nicht als Grundform der Magie, sondern als eigentliche Magie bezeichnen. Erst die Komposition, die Formung zu einem Musikstück ist das Nutzen einer Technik, die sie weitergehend nutzbar macht.

Was aussieht wie ein Meer ist ein sehr flacher Wüstensee. Soweit ich auch hinein lief, das Wasser reichte mir nicht einmal bis zur Brust.

Ich selbst habe in der Mongolei Techniken des Kehlkopfgesangs erlernt. In dieser schamanistischen Art Töne zu erzeugen – denn darum geht es zunächst – wird zuweilen der ganze Körper in Schwingungen versetzt, die eine enorme Wirkung entfalten können. Später erlernt man, wie diese Schwingungen durch bestimmte Arten des ‚besingens‘ auf Menschen oder Tiere übertragen werden können, wo sie dann wohltuende Impulse frei setzen. Diese Gesangstechnik allein auszuüben ist schon ausserordentlich intensiv. Sie in einer Gruppe auszuüben kann magisch enormes bewirken. Ich erinnere mich an einen Abend in der Wüste Gobi, wir hatten die Jurte an einem flachen Wüstensee errichtet, als ein plötzlicher Sandsturm aufkam. Das mag aus unserer westlichen Sicht jetzt nicht besonders bedrohlich klingen, aber ich kann Euch versichern, so ein Sandsturm ist die Hölle! Der Sand selbst wird zu Geschossen, die auf einen nieder prasseln. Es ist, als würde aus tausendfachen Minigewehren permanent auf Dich geschossen. Und diese Geschosse treffen, selbst ein T-Shirt bewahrt Dich kaum vor den Attacken der Sturmeskraft. Die Flucht in die Jurte ist nur dann sinnvoll, wenn der Sturm nicht stark genug ist, um sie umzureißen und Dich unter ihr zu begraben. Da wurde ich, die ich dennoch in die Jurte geflohen war, gerufen, um gemeinsam mit anderen draussen vor der Behausung gegen den Sturm zu singen, die Geister der Wüste zu beschwichtigen. Es war eines der intensivsten schamanistischen Erlebnisse, die ich hatte. Wir gingen hinaus in den Sturm, stellten bzw. setzten uns aufrecht hin – was nicht ganz einfach war – und begannen zu singen, baten die Geister um Nachsicht mit uns. Innerhalb von wenigen Augenblicken schwächte der Sturm ab. Ich möchte nicht leugnen, dass der Wind die ganze Nacht um uns herum toste. Aber der Sandsturm war vorüber. Wir waren von nun an in der Sicherheit der Jurte geborgen.

Vollmond über der Mongolei.

Wenn ich hier in meinem Blog auf der einen Seite auf Musik als Trägerin der Magie schreibe, aber auf der anderen Seite darauf hinweise, dass ein Großteil der Hexenlieder mündlich tradiert sind oder ich sogar in die Mongolei reise, um bestimmte Techniken zu erlernen, so mag dies für die Leserschaft etwas irritierend oder gar frustrierend sein. Wie kommt man denn nun selbst einmal in den Genuß von Hexenmusik? Wie ist es möglich selbst Lieder zu lernen, ohne die entsprechenden Kontakte zu haben? Ist dies überhaupt möglich? Aber klar doch!

Und deshalb werde ich Euch im zweiten Teil meines Artikels Menschen vorstellen, die mit Musik, der Magie der Musik und ihrer Kraft arbeiten und sie auch Euch zugänglich machen.

Beibt mit gewogen!

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Lieder zwischen Himmel und Erde

Es gibt neues aus der magisch-hexischen Songschmiede von Peti Songcatcher . Vor wenigen Wochen erschien ihre lang erwartete zweite CD, die ich Euch an dieser Stelle vorstellen möchte. Freunde der Musik können sich hier einen Eindruck ihrer ersten CD machen.

Die Künstler

Peti Songcatcher

Peti Songcatcher

Als Interpreten der CD fungieren ‚Peti Songcatcher & friends‘. Dahinter verbergen sich zum einen natürlich die bei Bremen lebende Künstlerin Peti Songcatcher selbst, die Initiatorin des ganzen Projektes ist. Ihr Name ist Programm. Peti reist durch die Welt und besucht dort Reclaiming Witchcamps, wo sie Hexenlieder oder anderer Songs mit spirituellem Inhalt, einfängt und bewahrt.

Um die Songs zu bewahren und weiterzugeben gibt es nun die zweite CD, auf der sie unter anderem der Musiker, Schauspieler, Schriftsteller und Künstler Duke Meyer und die, bereits auf ‚Singing the Circle of Abundance through the Weel of the Year‘ mitwirkende Berliner Musikerin Paula Noske unterstützen. Und diese Unterstützung wirkt sich sehr erfreulich auf die ganze CD aus, wie ich im weiteren zu berichten weiß.

Die CD und die Musik

‚Lieder zwischen Himmel und Erde‘ – so ist der Titel des vorliegenden Silberlings. Und auch hier bleibt die namensgebende Künstlerin ihrem multilingualem Motto, das schon den Vorgänger „Singing the Circle of Abundance through the Weel of the Year“ durchwoben hat, treu. Die CD bietet insgesamt 13 Musikstücke, die in den Sprachen Deutsch, Englisch und Spanisch präsentiert werden.

Die Aufmachung des Silberlings ist sehr liebevoll und schön.

Denn die CD wird in einem Pappschuber, der sich aufklappen lässt, geliefert. Im Inneren verbergen sich zum einen die Songtexte sämtlicher Musikstücke. Zudem kann man ein liebevoll gestaltetes Booklet finden, das sich im Inneren verbirgt und zu jedem Stück die Geschichte seines ‚Findens‘ erzählt. Besonders ansprechend finde ich die CD selbst auf der ein Foto von Peti Songcatcher abgedruckt ist, die mit weit geöffneten Armen durch seichtes Wasser auf den Betrachter zu läuft, als wolle sie ihn umarmen. Das Foto strahlt so viel Lebensfreude und Herzlichkeit aus, dass die Vorfreude auf den Inhalt nur umso mehr steigt. Also, ab in den CD Player mit dem guten Stück!

Gleich der Opener war mir bereits wohl bekannt, denn im April durfte ich bereits im Vorfeld meine Ohren spitzen und bekam das Stück Take me down zu hören. Und so beginnt die CD ‚Lieder zwischen Himmel und Erde‘ bereits sehr vielversprechend. Schon die öffnende Musiksequenz, in der ein Trommel und ein Didgeridoo das Stück eröffnen, gibt die Richtung der CD an. Die instrumentale Ausführung der Musikstücke ist auf dieser CD intensiver und klarer ausgefallen als beim Vorgänger. Neben diversen Trommeln, Didgeridoo, Gitarren oder Harfenklängen gibt es diesmal auch einige Soundeffekte zu hören. Meeresrauschen oder ein aufziehendes Gewitter, Naturgeräusche, die den Zuhörer inmitten einer Wiese wähnen aber auch Synthesizer lassen sich diesmal finden. Wer nun jedoch erschrocken zurück zuckt und fürchtet, dass dadurch die Magie des Vorgängers verloren geht, den vermag ich zu beruhigen. Genau das Gegenteil ist der Fall! Das tragende Element jedes Stückes ist nach wie vor die intensive und kraftvolle Stimmarbeit, die im Mittelpunkt des Wirkens steht. Durch die professionelle Instrumentalisierung und insgesamt sehr klare und gute Produktion wird der Gesang vielmehr stark unterstrichen und intensiviert.

Besonders spannend ist, dass dieses mal ein Stück, nämlich das trilinguale ‚Fire transform me‘ seinen Namen alle Ehre macht: Es ist gleich zweimal auf der CD enthalten. Die erste Version beginnt mit den starken Stimmen der Sängerinnen, in die sich langsam das Zupfen des Basses und dann Schlagwerk mit einschleicht. Nach und nach hört man auch einen leichten Echoeffekt, der sich über die kraftvollen, jauchzenden Stimmen legt.

Wie, um zu zeigen, dass der Inhalt des Musikstückes – Transformation durch Feuer/Leidenschaft – Programm ist, findet sich eine zweite Version des Stückes auf der CD. Hier wählte man den Mut und das Stück schleicht sich mit elektronischen Soundeffekten ein, die Stimmen tauchen kurz auf und schaffen dann einem Digeridoo Raum, welches dann vor Gesang und elektronischer Untermalung zurück tritt. Ich sage nur: Wow! Das selbe Stück, komplett anders inszeniert. Besser kann man kreative Prozesse wohl kaum ausdrücken oder hörbar machen!

CD-Cover 'Lieder zwischen Himmel und Erde'

CD-Cover ‚Lieder zwischen Himmel und Erde‘

Für wen ist die CD geeignet?

Diese CD ist passend für Hexen, für Heiden, für Freunde guter und intensiver Lieder, für Menschen, die sich neuen Musikeindrücken öffnen können. Die Lieder sind hervorragend dazu geeignet bei Ritualen oder Tänzen gehört und gesungen zu werden. Oder aber auch gemütlich abends am Lagerfeuer, Kamin oder eben bei Kerzenschein.

Resümee

Für den Zuhörer, der sich auf diese CD einlässt, ist Gänsehaut garantiert! Vor allem das Hören mit Kopfhörern empfehle ich sehr! Einmal bequem in den Sessel legen, die Augen schließen und sich die Lieder vorsingen lassen. Sie gehen unter die Haut, sie dringen in das Herz, fließen direkt ins Blut! Und während ich dies schreibe erwische ich mich schon wieder dabei, wie ich eines meiner persönlichen Lieblingslieder ‚Where is the Moon‘ schon wieder mit singe… Und die Songcatching-Geschichte zu diesem Stück hat mir tatsächlich die Tränen in die Augen getrieben.

Und auch diese CD bietet, wie der Vorgänger, mit ‚Good Night sweet Witches‘ ein optimales Gute-Nacht-Lied. Doch Achtung! Auf der CD verbirgt sich noch eine kleine ‚Einschlaffalle’… denn auch wenn es dreizehn Musikstücke sind, welche die CD bietet, gibt es da noch eine ominöse Nummer vierzehn… und was es damit auf sich hat verrate ich nicht, dass muss man schon selbst heraus finden 😉

Hörproben:
Hier könnt ihr in die CD reinhören und sie auch käuflich erwerben.

Gesamtlänge
ca. 63 Minuten

Preisleistungsverhältnis
Die CD kostet 21 € und ist jeden Cent dieses Betrages wert!

Wie beim Vorgänger gilt: Wenn es gelingt fünf Interessenten zusammen zu bekommen, dann zahlt die Gruppe für 5 CDs den Preis von lediglich 4 CDs, was den Preis dann natürlich entsprechend reduziert.

Auch bei Peti Songcatchers zweiter CD handelt es sich um ein Stück ganz besonderer Musik und ganz besonderer Liederkultur!

Neues von Songcatcher!

Vor ein paar Mondumläufen habe ich Euch an dieser Stelle die wundervolle CD von Peti Songcatcher vorgestellt. Wer sie noch nicht hat, sollte zügig zuschlagen und gegebenenfalls auch die im Mai erscheinende zweite CD gleich dazu bestellen!

Ich durfte heute ‚Mäuschen‘ spielen und schon im Vorfeld in die neue CD rein hören bzw. einen der fertig abgemixten Songs genießen.

Mit ‚Take me down‘ bietet Songcatcher (& Friends) wieder einen wahren Ohrenschmaus. Eingeführt wird das Stück durch eine Instrumentalsequenz mit Trommel und Didgeridoo, wodurch bereits ein sehr intensiver Klangteppich entsteht. Die Stimmung ist sehr trancig und wird dann nach einer Minute und fünfundzwanzig Sekunden durch Peti Songcatchers klare, kraftvolle und intensive Stimme in das Lied geführt. Nach und nach steigen auch die anderen Sänger mit ein.

Mit ‚Take me down‘ legt Songcatcher ein eingängiges und das Herz berührendes Hexenchant vor, welches nicht nur vielversprechend ist, sondern zudem die Vorfreude auf die neue CD extrem steigert!

‚Take me down‘ wird in drei Sprachen, Englisch, Spanisch und Deutsch, gesungen. Es läd sofort zum mitsingen ein. Das Stück ist sechs Minuten und siebenundvierzig Sekunden lang und ausgezeichnet klar produziert.

Ich will unbedingt mehr davon!

Wer mehr wissen möchte über Peti Songcatchers wundervolles, neues CD-Projekt, dem empfehle ich einen Blick in diese Richtung.