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Techniken der Magie: Musik – Teil 2

23.05.2017

Peti und Duke musizieren für uns.

Kerzen brennen, wir sitzen entspannt auf Sitzkissen am Boden. Wir befinden uns im Tempelraum der Sternschnuppe. Heute Abend bekommen wir ein Konzert geschenkt. Peti Songcatcher wird für uns singen. Unterstützt wird sie von Duke Meyer. Ich selbst freue mich schon den ganzen Tag auf dieses Konzert, denn ich weiß, dass mich etwas besonderes, etwas bewegendes erwartet. Dies liegt daran, dass ich in der Vergangenheit schon Konzerte von Peti erleben durfte und von daher weiß wie mitreißend, lebensbejaend und emotional inspirierend ihre Performance ist. Jedes Konzert ist ganz und gar einzigartig. Die Ursache dafür liegt darin, dass ihre Konzerte anders sind als die Performances, die man gewohnt ist. Peti Songcatchers Konzerte sind – unabhängig davon ob sie vor 6, 60 oder 600 Leuten auftritt, Mitmach-Konzerte. Man kann nicht nur tanzen zu ihren Liedern, man kann auch mitsingen. Ja, das ist sogar gewünscht! Denn Peti ist Ritualmusikerin, sie ist darin geübt Menschen Lieder mit spirituellem Charakter schnell bei zu bringen und sie zum Mitsingen zu inspirieren. So haben ihre Konzerte stets etwas magisches an sich. Eigentlich sind es musikalische Rituale, die einen dazu einladen mit auf die Reise zu gehen. Auf die Reise der Initiation, der Übergänge, der Schmerzen im Herzen, auf die Reise der Freude, der Ausgelassenheit, der Lebenslust. Aus den Tiefen der Seele heraus steigen Gedanken und Gefühle auf. Peti singt nicht nur für das Ohr, für das Herz und für das Tanzbein, sie singt auch für die eigene Stimme und die Seelentiefen. Auf ihren Konzerten wird viel gelacht. Und zuweilen auch geweint.

Peti und Duke vor dem Konzert.

Bei Peti Songcatcher ist der Name Programm: Die Reclaimerin lebt und arbeitet in der Nähe von Bremen. In ihrer Freizeit reist sie um die Welt, besucht Hexen, Göttinnenkonferenzen, Reclaiming-Veranstaltungen und Witchcamps, mit denen sie sich vernetzt und austauscht. Sie bringt etwas mit: Lieder. Sie sammelt überall Lieder, die im Hexenwirken, in der Magie, im Ritual benutzt werden. Diese Lieder erlernt sie und bringt sie dann zur nächsten Veranstaltung mit, wo sie zum einen ihre gesammelten Stücke vorträgt, zum anderen neue Lieder hört und lernt. Und somit ist sie eine Liedersammlerin, eine echte Songcatcher eben. Sie teilt ihren Schatz dabei mit allen, die ein offenes Ohr dafür haben. Sie ist auch sprachlich international unterwegs, vor allem englische, spanische und deutsche Texte finden ihren Weg zu ihr. Dabei kann sie ihr eigenes Talent und das ihrer Freunde derart nutzen, dass einige Texte sogar in allen drei Sprachen zur Verfügung stehen, durch Übersetzungen, die sich ebenfalls singen lassen. Auf diese Art sind inzwischen schon zwei CDs entstanden: „Singing the Circle of Abundance through the weel of the year“ und „Lieder zwischen Himmel und Erde“. Durch diese CDs kann sie ihre Arbeit auch den Menschen zugänglich machen, die nicht die Möglichkeit haben zu ihren Konzerten zu gehen, die aber dennoch neugierig auf ‚echte Hexenmusik‘ sind. Und man kann die Musik nicht nur hören, sondern auch mitsingen, denn die Texte werden mit geliefert.

Wenn Du in oder um Berlin bist und nun neugierig geworden bist, Dich verzaubern lassen möchtest, so lade ich Dich ein am Donnerstag, 25 Mai, ab 14.30 Uhr zur Nacht der Religionen zu der Veranstaltung der Paganen Wege und Gemeinschaften zu kommen. Hier kannst Du Peti Songcatcher persönlich antreffen, sie wird im Familienzentrum Menschenskinder in der Fürstenwalder Straße 25 in Berlin zusammen mit Paula Noske am Lagerfeuer singen. Und wenn Du sie siehst und ihr sagst, dass Du gelesen hast, dass sie beinahe jedem, der sie darum bittet, ein Lied singt, dann singt sie vielleicht auch für Dich… 😉

Alle Infos zur paganen Veranstaltungen bei der Nacht der Religionen. Um 16.15 Uhr und 20.15 Uhr finden Lieder am Lagerfeuer statt – freut Euch auf Peti!

Techniken der Magie: Musik – Teil 1

21.05.2017

Musik liegt in der Luft, Bild: Pixabay

Kannst Du Dich noch daran erinnern, wann das letzte Mal jemand für Dich gesungen hat? Und damit meine ich nicht, wann Du Dir das letzte Mal ein Konzert bei einer Deiner Lieblingsbands gegönnt hast. Ich meine tatsächlich: Wann hat jemand für Dich gesungen, nur für Dich, Dich dabei angesehen, Dich persönlich angesprochen, Dich gemeint? Wann hat jemand Deinen Namen gesungen? Dir mit einem Lied eine Freude gemacht? Vielleicht Deine Wunden besungen? Oder Dich zu Tränen gerührt?
Was für eine Frage! Und vielleicht sind welche unter Euch, die sich tatsächlich nicht daran erinnern können, wann jemand nur für sie gesungen hat. Möglicherweise gibst Du die Frage jetzt sogar zurück: Wann hat wohl jemand für Curtis gesungen, nur für sie? Ihren Namen gesungen? Ein Lied für sie auf den Lippen gehabt? Und ich kann es Dir tatsächlich beantworten: Es ist erst kurze Zeit her! Auf dem Phoenixtreffen, da war es, als wir Hexen zusammen Magie gewoben haben. Da wurde ein Lied für mich gesungen, da wurde mein Name gesungen. Und nicht nur mein Name wurde gesungen, es wurde viele Namen gesungen. Auch für andere wurde gesungen. Vielleicht erinnerst Du Dich noch, früher hat die Mutter oder eine Tante für Dich gesungen, wenn Du geweint hast. Oder es wurde schnell ein kleiner Segen gesungen, wenn Du eine Wunde oder eine Krankheit hattest. Ich weiß nicht, wie es bei Dir in der Familie war, aber vielleicht habt ihr ja auch mal zusammen gesungen, zu Festen oder einfach aus Spaß. Bei uns ist das bis heute üblich. Und als Du vorhin nachgedacht hast, wann Dir das letzte Mal etwas vorgesungen wurde, da bist Du vielleicht zu Deinem Geburtstag gekommen, als Freunde oder Arbeitskollegen Dir etwas vorgesungen haben. Wie hast Du Dich dabei gefühlt?

Heute möchte ich über die möglicherweise älteste Form menschlichen, magischen Wirkens schreiben: Über Musik. In meiner Vorstellung könnte es sogar sein, dass summende Töne, gelallte Lieder und Singsang der menschlichen Sprache (Sprachmelodie) voraus gingen und somit als Teil der eigentlichen Menschwerdung gesehen werden kann.
Doch möchte ich mit meinem Ausflug in die Magie der Musik gar nicht so weit zurück gehen, es reicht, wenn ich nur wieder einsteige in das Thema der modernen Reclaiming-Hexengemeinschaft: In dieser Gemeinschaft spielt Musik eine große Rolle. Je mehr Hexen sich zusammen finden, desto mehr wird erfahrungsgemäß gesungen. In Ritualen können Chants dazu beitragen die Ritualintention zu tragen, sie können Trancen fördern oder auch Bekenntnisse unterstreichen. Lieder können anrufende Funktionen haben, so können Gottheiten, Elemente oder Kräfte durch sie geehrt oder angerufen werden. Aber manche Stücke haben auch eigene Intentionen: Es gibt Lieder der Heilung, Lieder der Segnung, Lieder für die verschiedenen Jahreskreisfeste und viele mehr. Stets ist es so, dass ich bei einem unserer Hexentreffen das eine oder andere neue Lied lerne. Die Chants verbreiten sich heute noch genauso wie vor Jahrtausenden: Von Mund zu Ohr. Die Lieder, die wir verwenden, können magische und rituelle Handlungen unterstreichen, sie können aber auch selbst Träger der Magie sein. So ist es möglich Zaubersprüche oder Wünsche in Liedform zu transportieren. Oft ist es mit der Musik vergleichbar wie mit der Magie selbst: Je mehr daran mitwirken, desto intensiver wird die Kraft des jeweiligen Stückes. Tatsächlich würde ich persönlich sogar soweit gehen und Töne nicht als Grundform der Magie, sondern als eigentliche Magie bezeichnen. Erst die Komposition, die Formung zu einem Musikstück ist das Nutzen einer Technik, die sie weitergehend nutzbar macht.

Was aussieht wie ein Meer ist ein sehr flacher Wüstensee. Soweit ich auch hinein lief, das Wasser reichte mir nicht einmal bis zur Brust.

Ich selbst habe in der Mongolei Techniken des Kehlkopfgesangs erlernt. In dieser schamanistischen Art Töne zu erzeugen – denn darum geht es zunächst – wird zuweilen der ganze Körper in Schwingungen versetzt, die eine enorme Wirkung entfalten können. Später erlernt man, wie diese Schwingungen durch bestimmte Arten des ‚besingens‘ auf Menschen oder Tiere übertragen werden können, wo sie dann wohltuende Impulse frei setzen. Diese Gesangstechnik allein auszuüben ist schon ausserordentlich intensiv. Sie in einer Gruppe auszuüben kann magisch enormes bewirken. Ich erinnere mich an einen Abend in der Wüste Gobi, wir hatten die Jurte an einem flachen Wüstensee errichtet, als ein plötzlicher Sandsturm aufkam. Das mag aus unserer westlichen Sicht jetzt nicht besonders bedrohlich klingen, aber ich kann Euch versichern, so ein Sandsturm ist die Hölle! Der Sand selbst wird zu Geschossen, die auf einen nieder prasseln. Es ist, als würde aus tausendfachen Minigewehren permanent auf Dich geschossen. Und diese Geschosse treffen, selbst ein T-Shirt bewahrt Dich kaum vor den Attacken der Sturmeskraft. Die Flucht in die Jurte ist nur dann sinnvoll, wenn der Sturm nicht stark genug ist, um sie umzureißen und Dich unter ihr zu begraben. Da wurde ich, die ich dennoch in die Jurte geflohen war, gerufen, um gemeinsam mit anderen draussen vor der Behausung gegen den Sturm zu singen, die Geister der Wüste zu beschwichtigen. Es war eines der intensivsten schamanistischen Erlebnisse, die ich hatte. Wir gingen hinaus in den Sturm, stellten bzw. setzten uns aufrecht hin – was nicht ganz einfach war – und begannen zu singen, baten die Geister um Nachsicht mit uns. Innerhalb von wenigen Augenblicken schwächte der Sturm ab. Ich möchte nicht leugnen, dass der Wind die ganze Nacht um uns herum toste. Aber der Sandsturm war vorüber. Wir waren von nun an in der Sicherheit der Jurte geborgen.

Vollmond über der Mongolei.

Wenn ich hier in meinem Blog auf der einen Seite auf Musik als Trägerin der Magie schreibe, aber auf der anderen Seite darauf hinweise, dass ein Großteil der Hexenlieder mündlich tradiert sind oder ich sogar in die Mongolei reise, um bestimmte Techniken zu erlernen, so mag dies für die Leserschaft etwas irritierend oder gar frustrierend sein. Wie kommt man denn nun selbst einmal in den Genuß von Hexenmusik? Wie ist es möglich selbst Lieder zu lernen, ohne die entsprechenden Kontakte zu haben? Ist dies überhaupt möglich? Aber klar doch!

Und deshalb werde ich Euch im zweiten Teil meines Artikels Menschen vorstellen, die mit Musik, der Magie der Musik und ihrer Kraft arbeiten und sie auch Euch zugänglich machen.

Beibt mit gewogen!

Werkzeuge der Magie – Einführende Gedanken

07.05.2017

Gaia, die Erdgöttin, umrankt von Pflanzen.
Design: Curtis Nike
Altarkerze ca. 22 cm Höhe

In der Magie gibt es zahlreiche Werkzeuge, die anwendbar sind. Als ‚Werkzeug‘ bezeichne ich in diesem Zusammenhang unterschiedliche Techniken, die man nutzen kann, um magisch wirksam zu handeln. Viele mögen die Arbeit mit dem Zauberstab oder das Wirken durch das Pentagramm, geheime, magische Zeichen oder Anrufungen mystischer Formeln mit Magie assoziieren. Doch dies sind nur einige Aspekte der Arbeit mit magischen Mitteln. Es gibt in der Magie zahlreiche unterschiedliche Arbeitsmethoden, die in sich sehr unterschiedlich sein können. Formen der Atemtechnik oder Meditation gehören genauso dazu wie das Ziehen eines Schutzkreises oder das Anrufen diverser Kräfte. Für mich ist Magie vergleichbar mit den Sprachen der Welt: Sie ist so vielseitig wie die Menschen, die mit ihr arbeiten. Zugleich kann man noch so viele Techniken lernen, es gibt immer wieder Neues zu entdecken und erlernen.

Mein Motto:
Traue keinem Magier, der behauptet alles zu wissen.
Traue keiner Hexe, die meint nichts mehr lernen zu müssen.

In der Hexentradition des Reclaiming geht es darum sich selbst zu ermächtigen. Dies gilt sowohl für das magische Handeln, als auch für die spirituelle oder religiöse Praxis. Jede und jeder hat beispielsweise seine eigene Priesterschaft in sich ruhend. Eine Hohepriesterschaft gibt es nicht. Dies liegt daran, dass jeder Mensch den göttlichen Funken in sich hat und somit der Kontakt zum Göttlichen (oder zum Universum, zum Numinosen, die Macht oder wie auch immer man es im einzelnen bezeichnen möchte) nicht über Mittler geschehen muß.
Selbstermächtigung bedeutet anzuerkennen wo habe ich meine Schwächen, wo meine Stärken. Welche magischen oder spirituellen Mittel und Methoden liegen mir besonders? Welche sind mir fern? Ich selbst zum Beispiel kann überhaupt nicht gut trommeln, dafür erstelle ich gute und effektive magische Kerzen. Und dennoch gibt es für mich in beiden Bereichen noch sehr viel zu lernen.
Das Bereichernde in der Reclaiming Tradition ist, dass alle Hexen ihre individuellen Stärken und Schwächen mit sich bringen, mit der Bereitschaft sie zum einen zu Präsentieren, zum anderen Neues hinzuzulernen. Die Bereitschaft zur Selbstreflexion, konstruktiver Umgang mit Kritik und die Fähigkeit an sich zu arbeiten sind Grundvoraussetzungen für das Miteinander in der Reclaiming Gemeinschaft. Mehr braucht es nicht. Denn genau dies zeichnet die wundervolle Magie in der Reclaiming Hexentradition aus: Neueinsteiger und ‚alte Hasen‘ arbeiten Hand in Hand zusammen. So mischen sich die Impulse immer wieder miteinander und bringen frischen und inspirierenden Wind mit sich. Neulinge können aus einem mannigfachigen Pool lernen, Alteingesessene kommen immer wieder mit neuen Ideen und Anstößen in Berührung. Daraus wächst die Gemeinschaft und dadurch hat jedes Mitglied der Gemeinschaft die Möglichkeit sich individuell zu erweitern und zu entwickeln.

Kerzen, Runenpins, magische Buttons und allerlei magischer Krimskrams… handmade by Curtis Nike

Ich möchte Euch – basierend auf meinen Erfahrungen vom ‚Phoenix-Treffen‘ in den nächsten Beiträgen zwei Grundtechniken der Magie aus meiner persönlichen Sicht kurz vorstellen und Euch zugleich Hexen und Heiden vorstellen, die diese Techniken meines Erachtens sehr gut beherrschen und Euch auch zugänglich machen.

Bleibt mir gewogen!

Haltlosigkeit, Halt und gehalten werden

Freya by Penrose

Freya, Gemälde von James Doyle Penrose (1862–1932)


05.05.2017

Freya weiß es genau: Diesen Weg kann sie nur alleine gehen. Niemand kann sie stützen. Niemand kann ihr die Last, die Trauer aus der Seele nehmen. Niemand kann die Wunden in ihr heilen. Der Verlust schmerzt so sehr, dass sie alles hinter sich lässt. Ihr Heim, die Umgebung der Asen, ihr liebes, rauhes Schwein Hildiswini, ihre geliebten Katzen, ja, selbst ihr Dasein als Göttin. Sie muss gehen, sie muss herausfinden was geschehen ist, sie muss sich auf die Suche machen. Ihr Herz schmerzt so sehr, die Sorge um den Geliebten treibt sie um. Sie hat keine Wahl: Sie geht. Sie verlässt die Gemeinschaft der Ihren, um sich auf eine Suche zu machen, die sie zu allem führt, nur nicht zum Geliebten. Die Geschichte ist bekannt: Sie findet mannigfaches und magisches, sie bleibt lange fort und kommt dabei den Menschen so nahe, wie selten eine andere Göttin. Sie altert auf ihrem Weg und als sie wieder kehrt in die Gefilde Asgards ist sie eine alte Frau.
Zurück kommt sie in die Gemeinschaft der Götter und hier erwartet sie Idun mit ihren Äpfeln, die so köstlich sind, das man meint ihren Geschmack niemals zu vergessen. Sie schenkt sie Freya, schenkt ihr ihre Jugend zurück, ihre Göttlichkeit, und die Wundervolle blüht auf. Hier ist sie zu Hause, da ist ihr Bruder, Freyr, der glücklich ist sie wieder in die Arme schließen zu können und da ist Thor, der liebe Freund, dem sie nie eine Bitte abschlagen kann. Ihre Katzen laufen ihr mit erhobenem Schwanz glücklich entgegen, streichen ihr um die Beine und schnurren, wobei sie fragen: „Wo warst Du denn nur?“ um dann natürlich – wie es nun einmal Katzenart ist – gleich zum Futternapf stürzen und Leckeres zu fordern. Hildswini kommt angestürmt und respektvoll weichen alle zur Seite. Froh reibt sich das Schwein an seiner Herrin.
Freya ist wieder zu Hause!

Gemeinschaft verbindet. Quelle: Pixabay

Manchmal müssen wir die Gemeinschaft verlassen, um uns auf unseren ureigenen Pfad zu begeben. Den Weg, den nur wir beschreiten können, weil es ‚an der Zeit‘ ist. Vielleicht suchen wir etwas? Vielleicht versuchen wir etwas hinter uns zu lassen? Vielleicht wissen wir nicht einmal weshalb wie aufgebrochen sind? Vielleicht haben wir auch ein Teil von uns verloren? Gründe einen Pfad alleine zu gehen gibt es mannigfache. Doch wichtig ist es dabei zum einen das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren und zum anderen nicht zu vergessen woher wir eigentlich kommen. Beides kann jedoch öfter verloren gehen als man meint. Und dann kommt man ‚vom Weg ab‘, obgleich man zuweilen meint noch auf dem richtigen Pfad zu sein. Wie gut ist es dann, wenn die Gemeinschaft, aus der man kommt, ab und zu ruft und sich in Erinnerung bringt! Denn es ist nun einmal so, man selbst kann sich nicht so betrachten und reflektieren, wie man es vielleicht glaubt, meint oder möchte. Für einen Großteil magische Grundarbeiten ist Gemeinschaft notwendig! Einige meinen zwar, sie könnten und müssten alles alleine packen und regeln, aber dies ist und bleibt außerhalb menschlicher Schaffenskraft. Und, liebe Solo-Hexen, ‚Von Gemeinschaft frustrierte‘, ‚Ich-kann-alles-alleine‘ Hexen, das ist ein Fakt. So sind wir beschaffen. Punkt. Und ihr wisst es auch! Tief in Euch wisst Ihr es genau, sonst wärt ihr keine Hexen.
Vertraut Eurer Intuition – nicht Eurer Angst. Doch ich weiche ab…

Loki und seine Kinder -ein Feuersturm im Hintergrund.

Gemeinschaft stärkt. Gemeinschaft gibt Halt. Gemeinschaft verbindet. Gemeinschaft heilt. Und dabei ist die Gemeinschaft weitaus mehr als die Summe ihrer Mitglieder. Die Kräfte potenzieren und ergänzen sich. Eine funktionierende Reclaiming-Gemeinschaft kennt keine Konkurrenz zwischen ihren Mitgliedern, sondern Ergänzung, Wachstum, Freude, Bereicherung. Daraus wächst eine enorme Stärke und Schönheit, eine unglaublich schöne Kraftquelle, ein Brunnen der Kreativität und Magie.
Aber zugleich gibt es in einer Gemeinschaft auch stets Herausforderungen: Wo beginne ich? Wo ende ich? Wo beginnen wir? Wo enden wir? Wo werden Grenzen überschritten? Wessen Grenzen werden überschritten? Und so weiter… ihr kennt die Fragen. Jedoch auch hier: Eine funktionierende Gemeinschaft hat funktionierende Kommunikationsregeln. Und sie fängt auch Kommunikationsschwierigkeiten auf. Eine funktionierende Gemeinschaft verträgt es, wenn Du, wie Freya, einen Zeit lang einen eigenen Weg gehen musst. Und sie wird Dich offen wieder empfangen. Es ist doch ganz einfach, oder?

Eine funktionierende Gemeinschaft wird Dich, Deine Schwächen, Deine Talente, Deine Gaben, Deine Kräfte er-tragen. Und Du wirst die Gemeinschaft er-tragen“, flüstert er in mein Ohr, „die Frage ist nur: Erträgst Du Dich selbst?“
Mir wird fast körperlich übel, ich halte mich an meinem Weinglas fest. Ein leichter Schwindel erfasst mich. Eine Antwort bleibt in meinem Hals stecken.
„Lasse los von Deinem (vermeintlichen) Halt!“ höre ich Lokis Stimme und beginne zu wanken, zu schwanken, zu fallen… in die Arme der Gemeinschaft.
Curtis ist wieder zu Hause.

Heilungsoptionen

04.05.2017

Das wärmende Kaminfeuer erfreute auch die Hexentiere. Foto: Peti Songcatcher

Das Kaminfeuer prasselt. Wir sitzen zusammen, trinken, naschen Süßigkeiten und reden angeregt. Der Abend beginnt der Nacht Platz zu machen. Die Nacht vor Beltane bricht bald an. Das Gespräch, welches wir führen, wühlt mich auf. Etwas brodelt in mir.
Und da ist hinter mir mit einem Male eine wohl vertraute Präsenz. „Lasse los von Deinem Halt!“ Es ist eine verwandte Stimme, die mir ins Ohr flüstert. Doch noch ehe ich mich umdrehen kann und Loki ein Wiederwort geben kann werde ich haltlos und stürze…

Moment: Alles von Anfang an! Denn stets scheint es so, als greifen die Dinge ineinander. Vielleicht glauben einige auch an Ursache und Wirkung. Ich zumindest halte mich an Magie. Und genau die haben wir gewoben! Und sie wirkte, bis unter die Haut, in die Haarspitzen hinein, durchdrang das Fleisch und ritzte sich mühelos in die Knochen. Wie sie nun einmal so ist. Magie lässt nichts aus, sie ist bedingungslos. Wird Magie gewoben, so muss man sich den Konsequenzen stellen.

Diese tollen Preise standen zur Verlosung. Die Tombola wurde sehnsüchtig erwartet und auch wild gefeiert.

Noch einmal zur Erinnerung: Ich bin in der Sternschnuppe Oldenbüttel zum Freunde des Phoenix Treffens. Inzwischen ist es der Samstag vor dem ersten Mai und alle, die wir erwartet haben, sind eingetroffen: Hexen und Heiden aus ganz Deutschland – und sogar eine aus Australien. Alte Freunde werden begrüßt, neue kennen gelernt. Die meisten haben lange Anfahrtswege auf sich genommen um hier zu sein. Aber dieser Ort ist in sich so besonders und die Menschen (und Hobbits!), die es hierher zieht, sind Teil einer so wunderbaren Kraft, dass es keinen scheut die lange Strecke mit dem Hexenbesen oder dem Muggelzug zurück zu legen. Hier Kraft zu tanken, Energie zu tauschen und Magie zu weben ist einfach so bereichernd, das kaum ein Weg zu weit erscheint. Nicht einmal der Weg um die Welt! Und hier sind wir nun. Ein Hexenmarkt eröffnet die Pforten – es gibt vier wunderbare Stände – eine Verlosung wird initiiert, überall laufen Gespräche, Ideen werden ausgetauscht und gemeinsam wird gegessen und getrunken. Zum Nachmittag wollen wir gemeinsam ein Heilungsritual machen. Darauf freue ich mich schon, denn Heilung – die brauche ich immer. Wer braucht sie nicht? Und so beginne ich auch gleich mit einer lieben Mithexe zusammen am Thema zu arbeiten: Wir verabreichen uns gegenseitig entspannende, heilsame Massagen. In der Zwischenzeit wird nebenan das Ritual geplant. Jemand fragt noch (ich weiß noch wer!): „Welchen Part im Ritual übernimmst Du, Curtis?“ Und ich winke nur ab: „Ist mir egal, solange ich nicht das Wasser anrufen muss!“ Das Wasser… dieses feuchte, emotionale Element, welches mich in den letzten Wochen und Monaten viel zu viel um getrieben hat. Nein, das will ich nicht! Das soll doch jemand anders machen! Und tatsächlich: Das Wasser muss ich nicht anrufen, zumindest nicht im Heilungsritual… da mache ich dann nur die Runentrance zum Finden der persönlichen Heilrunen… als ich das erfahre kippe ich fast aus dem Schuhwerk. Da wäre mir ja das Wasser fast wie ein Spaziergang vor gekommen… ich bin mir sicher, dass die Idee mit der Runentrance von Freya kam. Die hat sie mir aufs Auge gedrückt! Sie und Loki, die beiden bringen mich irgendwann noch um das letzte bisschen Verstand, das ich noch habe. Vermutlich habe ich es nicht anders verdient… ähm… gewollt.

Braucht es zum heilen einen Hexendoktor?

Das Wirken von Magie in einer Gemeinschaft ist wie eine Energiedusche! Die Kraft und Kreativität aller Mitwirkenden inspiriert letztendlich auch den eigenen Geist und verleiht ungeahnten Ideenreichtum. Wir kreierten eine gemeinsame Sphäre, in der unsere Befähigungen sich nicht etwa verdoppeln oder verdreifachen, sondern mit jeder Person neu potenzieren. Dies macht gemeinschaftliche Magie so extrem wirkungsvoll, dies lässt jeden Zauber verdichten und einzigartig werden. Zugleich entfalten sich ungeahnte Wirkungsbereiche.

Zurück zu unserem Kaminfeuer, mit dem etwas Neues begann. „Lasse los von Deinem Halt!“ Typisch Loki. Er bringt es einfach klar auf den Punkt. Mach mal. Spring doch einfach in den Abgrund! Aber es geht gar nicht! Schmerz durchdringt mich, Wasser – ich habe mich so geweigert es zu rufen – steigt in mir auf, bricht sich ungehindert seine Bahnen und fließt über mein Gesicht. Ich lasse los… falle… und werde aufgefangen von Armen die mich halten. Eine nur leicht bedeckte Wunde in mir bricht auf… zeigt sich… zeigt sich der Gemeinschaft. Und mit einem Male wird klar: Es gibt Verletzungen, die – selbst bei bester Behandlung – nur dann geheilt werden können, wenn man zulässt, dass auch andere die Wunden betrachten können und mit an der Heilung wirken. Und so wird es beim nächsten Mal hier um das Thema meiner Wunde gleichermaßen wie das Thema meiner Heilsoptionen gehen: ‚Gemeinschaft‘

Bleibt mir gewogen!

May the Force be with you!