Blog-Archive

Jahresrückblick 2016 – Vorschau 2017

06. Januar 2017

Letztes Jahr habe ich hier im Blog das erste Mal einen Jahresrückblick mit Vorschau auf das Kommende geschrieben. Und das hat sich als recht hilfreich für mich selbst erwiesen. Vielleicht ist es ja auch für Euch inspirierend? Macht Ihr Euch am Anfang des Jahres ein paar Gedanken oder Notizen für das Kommende? Blickt Ihr zurück?

Ich möchte es in diesem Jahr genauso halten wie letztes Jahr und meine Gedanken für die Zukunft fokussieren, während ich schaue, was im letzten Jahr geschafft wurde und was eben nicht. 

Das Fenster zur Welt zeigt neue Wege.

Das Fenster zur Welt zeigt neue Wege.

Beginnen möchte ich wieder mit meinem Fenster zu Außenwelt: Mein Blog hatte im vergangenen Jahr 8195 Besucher und inzwischen folgen ihm 60 Personen. Immerhin 73 Beiträge gab es 2016 für Euch zu lesen. Was hat Euch besonders gefallen? Wovon möchtet Ihr mehr lesen? Was interessiert Euch besonders? Auf jeden Fall freue ich mich, dass Du auch heute wieder hier stöberst. Bleib mir gewogen, dies wünsche ich mir.

Ich selbst habe 2016 einiges von dem umgesetzt, was ich mir vor genommen hatte! Während mich bis August immer noch das Thema ‚Heilung‘ befasste – seitdem geht es endlich gesundheitlich in Richtung Stabilität – habe ich sehr viel Freude und Energie mit meinen Zaunköniginnen teilen können. Nicht nur magisch spielen sie in meinem Leben eine Rolle, auch privat haben wir viel Freude miteinander. Besonders unser Sommergrillfest mit unseren Familien war ein schönes Highlight! Und im Dezember stand sogar eine echte ‚Vogelhochzeit‘ an, zwei Zaunköniginnen gaben sich das ‚Ja-Wort‘ und ich als Trauzeugin war schon Wochen im Voraus total aufgeregt.
Kreativ konnte ich einige meiner Pläne umsetzten, davon profitierten 2016 allerdings vor allem meine Familie und meine Freunde. Obwohl: Profitieren? Ja, ich denke schon 🙂 Oder was meint Ihr (siehe Bild)?

Fanart: Holzbrennarbeit für meine Schwester zu Jul.

Fanart: Holzbrennarbeiten für meine Schwester zu Jul.

Die für 2016 angekündigte Hexenküche muss warten. Dies liegt nicht allein an mir, erste Vorbereitungen waren bereits getroffen und im Herbst 2016 sollte es los gehen mit der Renovierung. Doch ein unerwarteter Todesfall hat nun die Energie anderweitig gebunden: Eine 3-Zimmer-Wohnung muss komplett saniert und renoviert werden. Inklusive Bad und Küche. Dies befasst mich – und vor allem meinen Vater –  nun schon seit November und wird noch bis Februar Energie binden. Somit ist das Projekt Hexenküche zunächst aufgeschoben (denn ich habe dann auch bis auf weiteres die Nase voll von Renovierungsarbeiten…).

Darauf freue ich mich in jedem Jahr von Neuem: verzauberte Fluss-Landschaften, nur mit dem Boot erreichbar.

Darauf freue ich mich in jedem Jahr von Neuem: verzauberte Fluss-Landschaften, nur mit dem Boot erreichbar.

 

 

Reisen waren 2016 ein großes Thema, wie so oft bei mir. Die treue Leserschaft meines Blogs ist nicht überrascht, dass es auch 2016 wieder nach Irland ging. Wie jedes Jahr. Es ist meine zweite Heimat und hier kann ich ausspannen und los lassen. Und das muss ich auch, denn meine anderen Reisen waren eher ‚Abenteuertrips‘. Mit den Freunden von Mos Maiorum machte ich im Juli eine spannende Zeitreise zu den Römern nach Mayen. Und im September und Oktober dann ging es rund: England und London riefen, die Winkelgasse, Hogwarts und Sherlock Holmes mussten besucht werden, alte Freunde wurden aufgesucht, ihr habt es sicher nicht überlesen können. Trotz aller Anstrengungen war es eine traumhafte Reise und mein Herz würde am liebsten gleich das nächste Wochenende schon wieder nach London hüpfen, um die Luft dort zu atmen. In keiner anderen Stadt – außer eben Berlin – könnte ich es mir noch vorstellen zu leben. London: Meine einzige Alternative. Auch nach dem Brexit? Wir werden sehen…

London ist immer eine Reise wert! Hier: Covent Garden

London ist immer eine Reise wert! Hier: Covent Garden

Freunde und Familie habe ich natürlich auch und da war einiges in Aufruhr 2016. Gleich drei meiner Freunde verloren einen Elternteil, zwei weitere Bekannte mussten ebenfalls ihren Vater zu Grabe tragen. Das war ein ziemlicher Schock, zumal auch mein Vater in diesem Jahr gleich zweimal ins Krankenhaus musste. Doch hier verlief alles glücklich und ich hoffe, dass meine Eltern noch lange, lange fit und gesund bleiben! Ich unternehme einiges mit ihnen, mit meiner Mutter war ich gerade Ende des Jahres viel im Kino, mit meinem Vater geht es regelmäßig in die Fußballkneipe (wenn nicht gerade renoviert wird).
Sehr getroffen hat mich der – für mich unerwartete – Tod von Malte S. Sembten. Er ging viel zu früh. Und schlagartig wird man sich seiner eigenen Sterblichkeit mehr als bewusst. 2016 habe ich sehr viel mehr als sonst über den Tod nachdenken müssen. Trost und Halt waren für mich mein lieber Kater Iggy, die Zaunköniginnen und die Familie.

Hexenkater Iggy genießt die Herbstabende gemütlich auf dem Sofa.

Hexenkater Iggy genießt die Herbstabende gemütlich auf dem Sofa.

Im Beruf gab es etwas Neues, was sich jedoch erst im Laufe des Jahres 2017 voll entfalten wird. Hier im Blog war es nur eine winzige Mitteilung, für mein Leben jedoch eine einschneidende Veränderung: Von nun an werde ich von der Agentur Ashera vertreten. Alle Veröffentlichungen im Bereich Kurzgeschichten, Romane und Erzählungen laufen nun über die Agentur.
Auch meine journalistische Arbeit lebte 2016 wieder auf: Ich habe einiges in den Kessel geworfen. Vielleicht werde ich auch 2017 etwas hinein geben. Wir werden sehen. 2016 war ich nicht als Illustratorin tätig, auch dies wird sich 2017 ändern. Der Hexenkalender ruft nach mir und ich werde wieder mit dabei sein. Doch ist die Arbeit am Kalender nach wie vor ehrenamtlich.
Den Großteil meines Lebensunterhaltes bestreite ich nach wie vor durch meine beratende Tätigkeit. Sie bereitet mir große Freude und die tägliche Arbeit mit dem Tarot ist auch so etwas wie eine wiederkehrende magische Praxis.
Ob es in diesem Jahr neue Workshops geben wird weiß ich noch nicht. 

Noch mehr Kunst aus 2016: Über dieses hochwertige Meisterwerk der Fanart durfte sich meine Nichte freuen.

Noch mehr Kunst aus 2016: Über dieses hochwertige Meisterwerk der Fanart durfte sich meine Nichte freuen.

Die Kreativität blüht. Das Kerzengießen biete ich ab 2017 nicht mehr als Workshop bei mir an, da ich inzwischen selbst viel experimentiere. Neue Formen, Farben und Strukturen finden den Weg auf den Kerzenteller. Auch die Arbeit mit Holz bereitet mir Freude. Aber mein Thema im kreativen Bereich wird wohl das Zeichnen sein, denn dies kam 2016 definitiv zu kurz! Allerdings nimmt mein Zeichenstil auch sehr viel Zeit in Anspruch. Und so wird sich zeigen, ob ich – neben der Kalenderzeichnerei – noch Raum und Zeit für mehr finde. Lasst Euch überraschen!

In der Magie gab es 2016 vor allem Aktivität rund um die Zaunköniginnen und die Kreativität. 2017 habe ich nun wieder meine tägliche Yoga-Praxis aufgenommen. Das Motto lautet: Mehr körperliche Bewegung, auch mal wieder raus aus der Hexenküche (die ja auch Standard-Küche ist). 

Für 2017 habe ich folgende Ziele vor Augen:
1.) Schriftstellerisch wieder mehr in die Öffentlichkeit gehen, sprich: Publizieren.
2.) Insgesamt 5 kg Körpergewicht dauerhaft verlieren. Ja, ich weiß, manch einer belächelt dieses Ziel. Was sind schon 5 kg? Aber ich merke, dass ich langsam ‚in die Jahre‘ komme und da hat sich in den letzten zwei Jahren völlig unbemerkt etwas auf meine Hüften geschlichen, welches mich beschwert. Und bevor es heimlich noch mehr wird, werde ich einfach ‚unheimlich‘ reduzieren.
3.) So viel wie möglich mit meinen Eltern unternehmen.

Und? Was plant Ihr so? Wie war Euer Jahr 2016?

Advertisements

Zeitreise in das neunzehnte Jahrhundert

Underground Station Baker Street

Underground Station Baker Street

Ehrfurchtsvoll betrete ich das Haus. Vor mir liegt ein enger Flur. Zwei Menschen können kaum nebeneinander stehen. Ich steige die Treppe hinauf, zähle die Stufen. Schritt für Schritt. Siebzehn Stufen! Exakt die Anzahl, die ich erwartet habe. Hier bin ich richtig! Ich bin angekommen, schaue auf, betrete den Raum, der vor mir liegt…

London, Dienstag der 12. Juli 1881. Ich befinde mich in der Baker Street 221 b. Es ist angenehm warm, denn der Kamin ist entzündet. Draußen scheint die Sonne, aber ein kühler Wind weht. Das Wetter mutet herbstlich an. Erst seit kurzem lebt Dr. John Watson in dieser Wohnung zusammen mit Sherlock Holmes. Was er vermutlich noch nicht weiß: Dies ist der Beginn einer Freundschaft, die so besonders ist, dass selbst 135 Jahre später ihrer beider Namen noch in aller Munde sein wird. Ihre gemeinsamen Abenteuer füllen Bücher, Hörspiel-CDs, DVDs und ganze Kinosäle. Seit Generationen fesseln ihre Erlebnisse jung und alt. Zunächst unter dem Pseudonym ‚Arthur Conan Doyle‘ wird John Watson zum Chronisten des Consulting Detectivs Sherlock Holmes. Seine Aufzeichnungen werden in Zeitungen und später auch in Büchern publiziert und sind bis heute erhältlich. Seit dem Jahr 1990 ist es nun auch möglich ihre ehemalige Wohnung in der Baker Street 221 b zu besichtigen.

Vollgestopft, aber urgemütlich: Wohnzimmer in der Baker Stret 221 b

Vollgestopft, aber urgemütlich: Wohnzimmer in der Baker Stret 221 b

Es ist eng hier, alles wirkt etwas klein und gedrungen. Hinzu kommt Sherlocks Eigenart sich nicht besonders um Ordnung zu kümmern. Die Regale sind voll gestopft, überall liegt etwas rum. Und doch: Alles ist an seinem Ort. Der persische Pantoffel steht auf dem Kaminsims (der zweite ist übrigens in Sherlocks Schlafzimmer zu finden), das Mikroskop steht an seinem festen Platz auf dem Experimentiertisch… und da ist auch die Stradivari. Dr. Watsons Arztkoffer steht offen auf dem Stuhl. Jemand hat mit einer Pistole Löcher in die Wand geschossen. Wir bewegen uns beim Besichtigen der Wohnung durch die Zeit. Bis in das Jahr 1904 lebte Sherlock Holmes in der Bakerstreet. 

Hier forscht und experimentiert Sherlock Holmes.

Hier forscht und experimentiert Sherlock Holmes.

Direkt neben dem Wohnzimmer ist Sherlocks Schlafzimmer. Eine Etage höher hat John sein Zimmer, ebenso wie Sherlocks Zimmer liegt das Fenster zum Hinterhof raus. Man schaut auf Gewächshäuser. Auch Mrs. Hudson hat hier ihre Räumlichkeiten. Sie scheint den Duft von Lavendel und Zitronengras zu mögen. Ich sehe Aromaöle bei ihr stehen.

Ich sauge die Eindrücke in mir auf, finde immer wieder Gegenstände, die mir vertraut sind. Da ist eine Voodoo-Puppe (na, wer weiß mit welchem Fall sie verbunden ist?), da ist ein Orden (von der französischen Regierung), hier finde ich einen persönlichen Brief von Sherlock an John, da ein Notizbuch und natürlich ein Buch über Bienenzucht. Die Wohnung macht einen fast altvertrauten Eindruck auf mich. Natürlich komme ich bald ins Schwärmen, zeige meiner Schwester und meinem Neffen Dinge und erzähle die Episode dazu. Überall gibt es etwas zu finden, überall stecken Geschichten. Die Luft ist erfüllt von dem Duft der Vergangenheit. Und wenn ich ganz genau hin höre, dann höre ich draußen die Droschken die Baker Street entlang fahren.

Ein Drei-Pfeifen-Problem scheint gelöst werden zu müssen, denn ein Pfeife scheint im Einsatz zu sein...

Ein Drei-Pfeifen-Problem scheint gelöst werden zu müssen, denn ein Pfeife ist im Einsatz…

Irgendwann muss ich doch wieder aufbrechen. Leider. Das London des Jahres 2016 ruft uns unwiderruflich zurück. Wir können nicht hier bleiben. So ist das nun einmal bei Zeitreisen. Sie sind immer nur ein kleiner Ausschnitt. Und doch hat sich diese Zeitreise absolut gelohnt. Ich fühle mich glücklich und bereichert. Seit Jahren habe ich diesen Ausflug in die Bakerstreet 221 b herbeigesehnt, jetzt habe ich mir den Wunsch endlich erfüllen können. Und schon wieder bin ich wie verzaubert…

Und nachher geht es hier einkaufen...

Und nachher geht es hier einkaufen…

Ob London noch mehr Magie zu bieten hat? Lasst Euch überraschen!

 

 

Sher-locked – schon wieder!

Pietjes Sherlock Zitat

 

Meine ganze – engere – Familie war in den letzten Wochen hier in Berlin. Es war einiges los und es gab einige Aufruhr, die sich nun zu legen scheint. Glücklicherweise. Das Leben ist eben zuweilen eine Achterbahn. An dieser Stelle vielen Dank auch für Eure unterstützenden Kommentare, Briefe und Emails, die bei mir eingegangen sind. ❤

Und so gab es auch recht erfreuliche Ereignisse, von denen ich Euch in den nächsten Tagen berichten werde. Ein gänzlich unerwartetes Ereignis war sicherlich die Tatsache, dass mein zwölfjähriger Neffe (ihr erinnert Euch vielleicht noch an meinen Zauberlehrling) komplett sher-locked wurde. Eigentlich wollten meine Schwester und ich eines Abends nur den Film „Die Braut des Grauens“, den sie im TV verpasst hatte, entspannt zusammen schauen. Wir debattierten noch, ob mein Neffe Pietje solcherart Unterhaltung überhaupt mögen würde oder ob wir ihn lieber allein  den ‚Percy Jackson‘ und ‚Star Wars‘ Hörspielen überlassen sollten (und die ich dann leider verpasst hätte). Doch er bestand auf den ‚Detektiv-Gruselfilm‘. Vorerfahrung in Sachen ‚Sherlock Holmes‘ hatte er bereits durch den absolut empfehlenswerten Film ‚Young Sherlock Holmes‘. Und so starteten wir den Kinoabend daheim.

Letztendlich zeigte es sich: Mein Neffe kommt ganz und gar auf unsere Familie raus. Mich erwischte das Sherlock Holmes Fieber ja auch in etwa in seinem Alter erstmalig… Und so wurden wir, nach Begeisterung über den Film, von Pietje genötigt jeden Abend mit ihm eine Folge Sherlock zu gucken, bis er mit allen drei Staffeln durch war. Es gibt durchaus schlimmeres, mit dem man seine Zeit verbringen kann ;). Ach ja, wie schön ist es, dass auf den Familiengeschmack immer Verlass ist.

Am I Sher-locked?

Ich stamme aus einer Familie, die unter mehreren Infektionen leidet, welche auf mich übersprangen. Von meinen Eltern bekam ich das Science Fiction Fieber, von meiner Großmutter die Krimi-Infektion mit speziellen Auswüchsen. Während sich das Science Fiction Fieber wuchernd in alle Bereiche des Genres ausdehnte, betraf die Krimi-Infektion zunächst vor allem Detektivgeschichten und hat sich erst später weiter ausgedehnt.

Durch diese zweite Infektion ist es naheliegend, dass ich bereits früh eine Vorliebe für die Hörspiele und Filme rund um Sherlock Holmes und seinen Freund Dr. Watson entwickelte, hatte doch meine Oma die ganze Bücherbox zu Hause (naja, sie hatte auch alles von Edgar Wallace und der göttlichen Agatha Christie), auf deren Rücken die zusammengesetzten Bücher das Portrait des Meisterdetektivs zeigten. Ich erinnere mich noch daran, wie ich als 13-jähriges Geschöpf erstmalig nach London reiste und die Bakerstreet besuchte. Die U-Bahnstation war geschmückt mit zahlreichen Motiven rund um Holmes. Das beeindruckte mich zutiefst und lies meine Bewunderung für den brillanten Geist des Detektivs nur weiter wachsen.

Naheliegend war es auch, dass ich mit diesen Infektionen eine ebenfalls infizierte zweite Hälfte anzog und so wuchs die Film- und CD Sammlung bei gemeinsamen Sammeln an, wobei bei den Filmen sich leider auch die ein oder andere Irritation mit in unser DVD Regal verirrte.

Bis… ja, bis dann im Sommer 2011 die neue BBC-Serie Sherlock ins TV kam. Eine Serie, die die Ereignisse rund um den Meisterdetektiv in die heutige Zeit transformierte. Ein Muss für uns! Und so verfolgten wir die erste Staffel der Serie komplett. Sie hinterließ bei mir gemischte Gefühle. Ja, ich erinnere mich an einen Anruf meiner Mutter, die mir empört am Telefon mitteilte: „DAS ist nicht Sherlock Holmes!“ Und ich glaube meine Oma hätte sich eventuell auch im Grabe umgedreht.

Irgendwie war mir die Serie mehr als suspekt. Da saß ich nun, hatte mir die Fälle alle angeschaut und war ratlos. Ich hatte keine Ahnung, was ich davon halten sollte. Um mich herum hingegen brach das Sherlock-Fieber aus, wobei es sowohl Opfer mit bereits vorliegender Krimi-Infektion als auch gesunde Geister betraf. Warum bekam ich kein Fieber?

Was war denn das auch für eine seltsame Darstellung des Meisterdetektivs in ‚Sherlock‘? Holmes war schon immer ein schwieriger Charakter, mit einer Menge obskurer Eigenschaften. Ein kettenrauchender Chaot, der schon mal mit seinem Geigenspiel nerven konnte. Aber zugleich ein Mann, der es schaffte den gequälten Dr. Watson, wenn er einen Anfall im Angesichts des Chaos bekam und auf das Aufräumen der Wohnung bestand, charmant mit einer Erzählung eines alten Falles einzuwickeln. Und somit war auch der lesende oder hörende Teilnehmer ganz hingerissen von den Ereignissen. Aufgeräumt freilich hat Holmes selten. Und der allmorgendliche Konflikt der beiden Herren um die nur einmal vorhandene Times, auch der ist altvertraut.

Aber der in der Serie ‚Sherlock‘ dargestellte Soziopath Sherlock Holmes, dessen IQ möglicherweise genial hoch, dessen EQ hingegen aber gegen nicht vorhanden strebt, gefiel mir gar nicht. Hier wird ein arroganter, von sich eingenommener, gefühlskalter, zynischer Charakter gezeigt, von dem man sich fragt wie Watson überhaupt auch nur auf den Gedanken kommen konnte mit ihm in eine WG zu ziehen. Schon die erste Begegnung war obskur und mysteriös und irgendwie… unsympathisch. Und eigentlich übertrifft in Antipathie nur Holmes arroganter Bruder Mycroft den Detektiv. Dessen Darstellung verwirrte mich vollends. Armer Watson, aber er hatte diesen Schritt in die Bakerstreet ja bei freiem Geist und freier Entscheidungsfreiheit gemacht. Entschuldigend wirkt hier gegebenenfalls sein posttraumatisches Streßsyndrom. Das kann schon mal zu etwas wirren Entscheidungen führen. Ja, und dann nervte mich an dieser Serie auch noch diese permanenten homosexuellen Anspielungen/Distanzierungen/Erläuterungen. Es war dann auch irgendwann selbst für meinereiner ermüdend.

Die zweite Staffel von Sherlock schaute ich nicht… das heißt, den Reichenbachfall konnte ich mir nicht verkneifen, ich sah ihn etwa zu 2/3, da ich den Anfang verpasste. Doch damit schien das Kapitel beendet zu sein… schien.

Eines Tages kam meine Freundin strahlend zur Tür hinein: „Ich habe Dir was mitgebracht!“ sagte sie und ich erwartete neue Hörspiele, die sie stets in der Tasche hatte, um gute Unterhaltung ins Haus zu bringen. Doch sie zückte eine DVD-Packung. „Die schenke ich Dir.“ Und da lag sie vor mir, die erste Staffel von Sherlock. Ein Geschenk von meiner Freundin. Sie wollte mir eine Freude machen. Ich schaute auf die Packung. Gemischte Gefühle. Immerhin hatte ich die erste Staffel gesehen. Alle Teile. Ich hatte nicht aus geschaltet, was ich durchaus des öfteren tue, wenn mir ein Film nicht gefällt. Warum hatte ich eigentlich nicht aus geschaltet? Hatte ich mich vielleicht doch gut unterhalten gefühlt? Naja, man konnte sich die Serie ja noch mal in Ruhe anschauen… Vielleicht auch einfach mal den Hinterkopf ausschalten beim schauen?

So kam es also, dass ich es mir vor meinem Fernseher bequem machte, die erste DVD rein warf und… I’ve been sherlocked. Von der ersten Minute an riss mich die Serie in ihren Bann und ich war absolut begeistert. Ich inhalierte die drei Filme regelrecht und verstand überhaupt nicht mehr, weshalb ich vorher so skeptisch gewesen war. Nein, statt dessen ließ ich mir umgehend auch die zweite Staffel als Geschenk ins Haus liefern und gab mich ihr genauso begeistert hin. Ja, ich mußte über das, was mir vorher so aufgestoßen war, sogar mehr als einmal lachen. Denn die Serie präsentierte mir das Sherlock Holmes Prinzip am eigenen Leib, wobei ich diesmal in der Rolle des Dr. Watson war: Ich hatte mir die Filme angeschaut. Und hatte alle Fakten. Doch obgleich alles vor mir lag, war ich nicht in Stande den Fall zu lösen. Betriebsblindheit auf Grund eines hohen Konsums von Sherlock Holmes hatte mich zwar dazu gebracht die Serie zu verfolgen, aber sie nicht in mein Innerstes dringen lassen. Statt dessen war ich dem Produkt mit Vorurteilen und festen Vorstellungen begegnet. Erst beim zweiten Schauen konnte ich meine eigenen Erwartungen an eine Holmes Verfilmung hinten anstellen und mich voll und ganz auf die Serie einlassen. Und dies sollte ich nicht bereuen! Eine geniale Verfilmung, in der ich bei jedem Sehen noch etwas Neues/Altes entdecke. Ich freue mich schon auf die dritte Staffel!

I am Sher-locked

Und was ist mit Dir? Wie ist es Dir mit dieser Serie gegangen?

Sherlock