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Magische Dreharbeiten

17.12.2018

Letzten Donnerstag war es soweit, die Dreharbeiten zum Projekt ‚Rituelle Kunst – künstliche Rituale‘ (so mein persönlicher Arbeitstitel) sollten beginnen. Selten war ich vor einem Projekt so aufgeregt wie vor diesem. Dabei gab es für mich im Großen und Ganzen gar nichts zu verlieren. Wenn der Film gut würde, so könnten Thanis, die ich als Unterstützung mit ins Boot geholt hatte, und ich uns freuen. Wenn nicht, so müßten wir uns auch keine Gedanken machen. Denn der Film würde erst einmal ein reines Kunstprojekt sein und es war und ist zunächst nicht vorgesehen ihn abzustrahlen. Und es würde auch keine Benotungen oder negativen Konsequenzen für das Filmteam geben. Es war einfach eine Übung. Dennoch schwitzte ich Blut und Wasser und konnte den ganzen Tag nichts essen. Denn: Ich wollte es für mich so gut wie möglich machen!
Um 16.00 Uhr erwarteten wir das Filmteam, bereits um 15.00 Uhr schlug meine Freundin Thanis bei mir auf und wir begannen im Vorfeld das Filmstudio aufzubauen. 

Spieglein, Spieglein auf dem Tisch, siehst Du mich oder siehst Du mich nicht?

Pünktlich um 16.00 Uhr dann kam das Filmteam dazu: Regisseurin Alison, Kamerafrau Laura und Kameraassistent Lukas. Es konnte los gehen! Und das tat es dann auch: Mit dem Drehbuch.
Ich habe noch nie mit einem Drehbuch gearbeitet und mit Drehvorgaben, dies war für mich eine komplett neue und spannende Erfahrung. Das Filmteam hatte nur eine begrenzte Filmrolle zur Verfügung und diese Rolle war in Szenen unterteilt worden, die in etwa zwischen 20 Sekunden und 2 Minuten lang waren. Jede Szene mußte sitzen, das heißt wir durften uns keine Fehler leisten, da jede Szene, die neu gedreht werden mußte, vom Endfilm ab gehen würde. Sprich: An und für sich gab es höchstens eineinhalb Minuten Material ‚Spielraum‘ für Patzer, um einen Kurzfilm zu drehen. Jeder Stolperer, ein Nieser, ein Zittern der Hand, ein Streichholz, welches nicht zündet könnte Auswirkungen auf das Resultat des Filmes haben. Das Entzünden einer Kerze wurde mit einem Male schon bei den Dreharbeiten ähnlich bedeutend wie in einem Ritual selbst. Die Dreharbeiten selbst wurden zu einer rituellen Szenerie, in der alles im Vorfeld geübt und geplant wurde.

Egal welcher Zauber kommt: Immer schön einen klaren Kopf bewahren! Thanis und Curtis Nike

Im Film geht es darum unsichtbares sichtbar zu machen und durch künstlerische Mittel die Zuschauerschaft einzufangen und Teil haben zu lassen an der Energie eines magischen Rituals. Hierzu wurden einige spannende Elemente genutzt, die ich selbst sehr inspirierend finde. Mein Respekt vor der Arbeit vor und hinter der Kamera ist durch die Dreharbeiten noch einmal gestiegen. Auf kleinstem Raum wurde inszeniert und gedreht. Die Kamera und das Equipment sollten nur an diesem einen Tag zur Verfügung stehen, dies hieß, dass nur das Material, welches an diesem Tag abgedreht wurde auch in den Film kommen würde. Einen Nachdreh würde es nicht geben. Einen Ersatztermin auch nicht. Der Film musste an einem Tag im Kasten sein. Was für eine Herausforderung! Sie verlangte von allen Anwesenden höchste Konzentration. Das Filmteam drehte in einer Umgebung und zu einem Thema, welches ihm vorher komplett unbekannt war. Die Darstellerinnen, nämlich wir zwei Hexen, waren zwar absolut firm im Thema, aber wir waren dafür komplett unerfahren in der Schauspielerei. Das wir beide schon einmal vor einer Filmkamera gestanden hatten war nicht von Belang, denn es sollte sich herausstellen, dass das Arbeiten mit Drehbuch und analogen Film noch einmal etwas ganz anderes war. Und so begegneten sich hier auch zwei Welten, die miteinander verbunden werden wollten.

Ob wir es wohl geschafft haben? Ihr sollt es demnächst in meinem letzten Beitrag zum Thema erfahren. Bleibt mir gewogen!

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Finite Incantatem

14.12.2018

Ich lasse meinen Kopf auf das Kopfkissen sinken, schließe die Augen und schlafe fast augenblicklich ein. Die Erschöpfung und Aufregung der letzten Tage fordert ihren Tribut. Mein Herz ist aufgeregt,  glücklich, begeistert und müde zugleich als ich heute in den frühen Morgenstunden in mein Bett krieche. Mein Tag gestern bzw. heute früh endete mit dem Schlenker des Zauberstabes und einem – zugegebenermaßen – sehr müden ‚Finite incantatem!‘. Der Zauber ist beendet. 

Finite Incantatem. Der Zauber ist vorbei.

Hinter mir liegt ein spannender, aufregender und sehr langer Tag. Es war ein besonderer Tag, an dem ich viel lernen und erleben durfte. Es war ein abenteuerlicher Tag, an dem ich ins kalte Wasser sprang. Und es war ein arbeitsintensiver und anstrengender Tag. Es war ein Tag voller Zauber und Magie. Und das Besondere: Die Magie wurde sichtbar gemacht und auf Filmband fest gehalten. Denn ein Team der Filmhochschule Babelsberg war vor Ort, um einen Dreh zu machen. Wie es dazu gekommen ist und worum es eigentlich geht, dies werde ich hier im Blog in den nächsten Tagen ausführlich berichten. 

Ich danke an dieser Stelle meiner Freundin Thanis, dass sie mit mir zusammen ins kalte Wasser gesprungen ist, mich unterstützt hat und das Abenteuer mit mir geteilt hat.

Und ich danke Alison, Laura und Lukas, dem Filmteam aus Babelsberg, die dieses Abenteuer erst möglich gemacht haben.

 Bleibt neugierig und freut Euch auf spannende Eindrücke aus der Welt des Films und der Magie!

Impressionen von der siebten langen Nacht der Religionen.

Stand der Zaunköniginne n auf der LNdR 2018

09.09.2018

Ich lehne mich zurück und lege die Beine hoch. Körper und Seele sind zu Recht erschöpft, zugleich fühle ich mich bereichert und beschenkt. Gestern war für mich und meine spirituelle Gruppe ‚Die Zaunköniginnen‚ das Event des Jahres. Denn erstmalig nahmen wir aktiv an der Veranstaltung der Paganen Wege und Gemeinschaften zur Langen Nacht der Religionen Teil. Und diese Veranstaltung hatte es in sich! Die quirligen Zaunköniginnen gehören nämlich eher zu den Machertypen, als zu denen, die sich auf einer Veranstaltung vor allem dadurch auszeichnen, dass sie lediglich einen Flyer vor Ort auslegen. Und so wurde nicht nur ein Stand, sondern zusätzlich ein Vortrag sowie ein Ritual aus unserer Mitte heraus geplant und angeboten. Das dann auch noch eine Buchvorstellung und Lesung von einer Freundin der Zaunköniginnen heraus geboten wurde machte die Sache perfekt. 

Um das Ganze wirklich so rund und schön zu gestalten, wie es am Ende wurde, bedurfte es jedoch monatelanger Vorbereitungsarbeit und sehr viel Stress und Aufruhr. Als recht überschaubare Gruppe scheuten wir uns nicht unsere Reclaiming-Gemeinschaft aus ganz Deutschland – und sogar aus der Schweiz – zu aktivieren und einzuladen mitzuwirken. Und was das zauberhafte an dieser wundervollen Gemeinschaft ist, ist die Tatsache, dass unsere Freunde nicht nur ohne zu zögern anreisten, sondern auch mitmachten. Tatkräftige Unterstützung beim Vortrag, bei der Ritualplanung und beim Ritual und auch am Stand war ebenso selbstverständlich, wie das gemeinschaftliche Essen nach getaner Arbeit und das wohlverdiente Frühstück am Folgetag.

In den vergangenen Jahren habe ich einen Blick als außenstehender Besucher auf die Veranstaltung der Paganen Wege und Gemeinschaften werfen können. Diesmal war ich aktiv mit dabei und konnte somit auch einen Blick hinter die Kulissen und in den Aufbau werfen. Ich werde Euch an den Ereignissen Teil haben lassen, aber nun habe ich erst einmal meinen wohlverdienten Feierabend und freue mich darauf Euch im Laufe der kommenden Woche zu berichten. 🙂

Ein Mensch und ein Werwolf bitte!

28.08.2018

Der heiße Sommer lud dazu ein die Tage etwas lockerer zu gestalten. Erfrischung findet man in Berlin unter anderem am Wannsee oder im Grunewald. Das fand auch mein Neffe, der samt Familie die Ferien hier bei mir in der Stadt verbrachte. Und wie stets, wenn er hier ist, besuche ich mit ihm magische und verzauberte Orte, die irgendwo in Berlin verborgen sind. In diesem Jahr führte uns unser Weg in das kleine, aber feine Magicum, in der Nähe der S-Bahn Station Hackescher Markt. Eine kleine Pforte muß durchschritten werden und schon befindet man sich in einer anderen Welt. Hinter dem Tresen steht ein freundlicher Zauberer und ich zücke meine Geldbörse, „ein Mensch und ein Werwolf bitte!“. Der Zauberer lächelt und nickt, „einen Moment, ich muß in die Liste schauen“, antwortet er mit einem orientalischen Akzent, dann holt er zwei Tickets hervor, „wir machen es für einen kleinen und für einen großen Menschen, kommt auf das Gleiche hinaus.“ Ich zahle die Tickets und es geht los…

Wir werden gebeten uns hin zu setzen, damit wir eine Prüfung machen können, in der sich herausstellt, ob wir ‚magische Hände‘ haben. Vor allem für meinen Neffen ist dies wichtig, da durch die Prüfung herausgefunden wird, ob er seine magische Ausbildung beginnen kann. Ich kann soviel sagen: Die Herausforderung, die aus der Lösung eines Zaubertricks bestand, hatte es in sich! Ich benötigte viel Zeit und Konzentration, um sie zu meistern. Doch dadurch wurde meine Vorfreude auf das, was uns noch erwarten würde, nur umso größer! Wir erhielten – nach der Meisterung der Eingangsaufgabe – ein kleines Heft mit Aufgaben, die uns durch das Magicum leiten sollte. Darin befanden sich Aufgaben, die man im Laufe des Besuches des Magicums lösen konnte.

Das Magicum ist ein rundum interaktives kleines, aber feines Museum. Man geht einige Treppen hinab in die Tiefe und taucht gleich ein in die Welt der Alchemie. Dabei ist es wichtig die Augen offen zu halten, zu leicht übersieht man eines der Highlights, die alchemistische Küche von Nicholas Flamel, die sich in eine Nische schmiegt und sehr an das erinnert, was ich mir unter einer echten ‚Hexenküche‘ vorstelle.

Willkommen in der Welt der Magie!

Das Magicum lädt überall ein inne zu halten und magische Gegenstände selbst auszuprobieren. Dies ist an Tischen mit bequemen Stühlen möglich, auch stehen überall Bleistifte bereit, die es ermöglichen sich Notizen zu machen. So kann man einiges über das eigene Sternzeichen, sein chinesisches Horoskop oder die Bedeutung der Elemente in den Sternbildern erfahren. Anderswo können Karten gezogen werden, so kann man Krafttierkarten, Götterkarten oder Feenkarten ziehen und auch sogleich etwas über die Bedeutung erfahren. An anderer Stelle kann man mit chinesischen Wasserschalen meditative Klänge erzeugen oder sich mit dem Pendel beschäftigen. Das Magicum ist voller Rätsel und Aufgaben, die einen magischen, illusionistischen oder spirituellen Hintergrund besitzen. Zugleich erfährt man etwas über Alchemie, die Weltreligionen, Hexen, Illusionskunst und ähnliches. 

Die Ausstellung richtet sich vor allem an Neugierige und ist so konzipiert, dass man sie komplett ohne Vorwissen besuchen kann. Insofern bot das Informationsmaterial mir nicht wirklich neue Impulse. Dennoch hatte ich beim Besuch des Magicums sehr viel Spaß und mein Neffe und ich mussten uns – obgleich die reine Ausstellung recht überschaubar ist und schnell zu durchlaufen ist – nach über zwei Stunden nahezu gewaltsam los eisen, um pünktlich zum Familienessen nach Hause zu kommen. Die zahlreichen Rätsel und Aufgaben – einige davon kannte ich tatsächlich noch aus meiner eigenen magischen Anfangszeit – machten uns so viel Spaß und nahmen uns regelrecht gefangen, dass wir Zeit und Raum vergaßen.

Das Magicum befindet sich in der Großen Hamburger Straße 17 in 10115 Berlin, es ist täglich von 10.00 bis 20.00 Uhr geöffnet. Die Tickets kosten für ausgewachsene Menschen 9,50 € und für kleine Menschen und alle anderen Kreaturen 7,50 €. Miniaturmenschen bis 6 Jahre haben freien Eintritt.

Meines Erachtens ist das Magicum einen Ausflug wert und auch Muggel können hier Magie einmal von einer ganz neuen Warte aus erfahren. 

Der Mann, der keine Geschlechter kennt

17.05.2018

Vorbemerkung: Die folgende Geschichte hat sich so und zwar GENAU SO abgespielt. Ich war zwar persönlich nicht mit dabei, aber Loki war dabei. Und er hat sie mit meinen Fingern geschrieben und mir bestätigt, dass es so war und nicht anders! Ganz sicher! Ungelogen!

Dieses verlängerte Wochenende sollte ein ganz besonderes für Familie E. aus der Stadt werden. Vater E. hatte sich extra einen Brückentag von seiner harten Arbeit als Manager eines großen Unternehmens genommen. ‚Christi Himmelfahrt‘ machte es möglich. Mutter E. hatte ihn dazu überredet. Die gemeinsame Tochter wünschte sich ein Wochenende in der Natur mit ihren Eltern. Eine Wanderung sollte es werden, sie sollte durch den schönen Harz führen und man wollte es schlicht halten. Übernachtet werden sollte in Jugendherbergen. Ausnahmsweise. Der Tochter zu Liebe. Gemeinsam als Familie wollte man abtauchen in die Natur. Mal ganz entspannt wandern, spazieren, schlicht übernachten und sich der Natur öffnen. Frau E. hatte sich dafür extra neue Schuhe gekauft. Herr E. hatte sich komplett neu eingekleidet für dieses echte Outdoor-Abenteuer. Am Tag vor dem großen Ereignis gönnte er sich noch eine schöne Vatertagstour um Kraft für die familiäre Pflichtveranstaltung zu tanken. Und so wanderte die kleine Familie am Freitag motiviert los…

Merkwürdige, verstörende Zeichen zierten die Toilettentüren.

An jenem Freitag, es war kein dreizehnter, sondern ein elfter, war das Wetter angenehm. Obgleich sich immer mal wieder Wolken vor die Sonne schoben, blieb es weitestgehend trocken und die Temperatur war für das Wandern im Wald optimal. Die frische, klare Waldluft war voller Sauerstoff und duftete nach allerlei Gehölz. Für die Städter war die Wanderung schon ein besonderes Erlebnis, aber auch ein bisschen ungewohnt, und sie waren zugegebenermaßen froh, als sie ihre zukünftige Jugendherberge – in der sie ein Zimmer reserviert hatte – nach Stunden des Gehens endlich vor sich sahen. Da war es, das Haus, ein Naturfreundehaus. Erstaunt stellten sie fest, dass vor dem Haus unzählige Fahrzeuge parkten. Automobile mit Kennzeichen aus dem ganzen Bundesgebiet waren da und dann hörten sie auch schon seltsame, tiefe, vibrierende Laute die aus dem Erdgeschoss des Gebäudes drangen. Beim näher kommen bemerkten sie, dass es wohl Trommeln waren, die rhythmisch geschlagen wurden. Trommeln. Im Harz. Wie merkwürdig. Vorsichtig näherten sie sich dem Haus. Da tanzte eine Frau an ihnen vorbei, in einem bunten, irgendwie seltsam anmutenden Gewand, welches hinter ihr her wehte und sie summte und sang vor sich hin. Gesang! Einfach so! Ob sie eine Angestellte des Hauses war? Oder etwa eine Musikerin? Oder gar eine, die Lieder aus der Luft einfängt? Hatte sie etwa ein Schmetterlingsnetz dabei? Doch sie war schon vorbei und die Familie konnte sich nicht erinnern, ob sie ein Netz hatte. Es wäre auch irgendwie seltsam gewesen. Aber wo kam nur diese absurde Idee her, dass die Frau Lieder mit einem Netz fängt???
Wie dem auch sei, es war äußerst suspekt. Vorsichtig betraten sie das Haus. Rhythmischen Trommeln erfüllte die Luft. Aus den oberen Stockwerken hörten sie Gelächter. Was ist hier nur los?
„Guck mal da“, irritiert zeigte die Tochter, ein Teenager, auf die Tür zum WC, da ist ein komisches Schild angebracht, „was soll das denn heißen?“

Kennen Sie diesen Mann? Er gilt als gefährlich lustig und erschreckt im Harz wandernde Muggel durch suspekte WC-Schilder und Sexlosigkeit! Ausserdem steht er unter dringendem Verdacht mit Loki im Bunde zu sein!

Doch ehe Familie E. sich darüber klar werden konnte polterten Schritte die Treppe hinunter. Ein zunächst sehr freundlich wirkender Mann kam auf sie zu.
„Hallo“, begrüßte er sie erfreut, „Sie sind bestimmt die Mugg… äh… Familie, die hier für heute Nacht ein Zimmer reserviert hat, oder?“ Er strahlt wie ein Honigkuchenpferd.
„Ähm. Ja“, Familie E. war leicht verunsichert, weitere Personen kamen die Treppe hinunter. Lachend, singend, summend. Manche hatten Blumen im Haar, andere bemalte Gesichter (!!!) und wieder andere hatten Nasenpiercings. Nasenpiercings! Im Harz! Man stelle sich das mal vor!
Die meisten Leute gingen vorbei, nur eine im ersten Moment harmlos wirkende Frau blieb neben dem Mann stehen und lächelte. Sie war, so findet die Familie, irgendwie komisch gekleidet, so gar nicht in Jeans und T-Shirt, sondern mehr… naja, hippiemäßig irgendwie. Oder waren das Yogasachen? Obgleich, das passt auch nicht so ganz. Irgendetwas an ihr war komisch, war anders. Nur was?
„Was sind denn das für Schilder?“ fragte Frau E., ihre Stimme klang schriller als gewollt, und sie zupfte unwillkürlich nervös an einem ihrer Perlenohrringe. Herr E. klammerte sich an seinen Rucksack.
„Ach, die Kloschilder“, der Mann machte eine wegwerfende Handbewegung, „keine Sorge. Wir haben nur die sanitären Anlagen für alle Geschlechter geöffnet.“
Irritiert sahen die Wanderer den Mann an, er war bei genauerem Hinsehen jetzt irgendwie doch sehr seltsam. Diese scheinbar freundliche Stimme, dieses lächelnde Gesicht. Da stimmte doch was nicht! Hatten sie sich verhört?
„Was soll das bedeuten?“ fragte Frau E. unsicher, „das heißt doch nicht etwa, dass Männer auf das Frauenklo gehen, oder?“ Sie konnte nicht verhindern, dass ein Gefühl des Entsetzens in ihr aufsteigt. Männer sind doch gar nicht in der Lage ein Klo vernünftig zu benutzen! Ständig pinkeln sie daneben und machen alles dreckig. Zuhause muß sie dann immer alles weg wischen. Männer sind ja generell nicht in der Lage zu Putzen. Aber wie war das hier, unter diesen seltsamen Leuten… sie scheinen ja das ganze Haus besetzt zu haben! Was sind das nur für Gestalten? Putzen die Frauen ständig den Männern hinterher? Irgendwie wirkten die Leute hier so… unbeteiligt an den wirklichen Problemen der Welt. Sie sahen komisch aus, verhielten sich komisch und wirkten wie aus einer anderen Welt.
Der fremde Mann spürte natürlich die Unruhe der Neuankömmlinge und machte eine beschwichtigende Geste, „keine Sorge, die WCs und Duschräume sind ja bei Bedarf abschließbar. Und sehen Sie“, er lächelte beschwichtigend, „wir sind in unserer Gemeinschaft offen für alle Geschlechter. Manchmal gibt es ja Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht ihres Körpers identifizieren können, und wir sind da eben total barrierefrei. Jeder kann jedes Klo benutzen ohne sich immer fragen zu müssen ‚welches Klo darf ich denn benutzen?'“, und da er bemerkte wie unruhig, ja erschrocken die Neuankömmlinge auf seine Ausführungen reagierten, fügte er rasch erklärend hinzu: „Das hat natürlich alles nichts mit Sex zu tun!“
„Ähm ja, wir wollten eh noch essen gehen“, sagte Herr E. und versuchte gelassen zu klingen. In Wahrheit stieg nackte Panik in ihm auf.
„Prima, Sie können Ihr Gepäck schon hier lassen, es gibt einen Aufbewahrungsraum“, sagte der freundliche Mann und möchte ihnen den Weg weisen. Doch Familie E. dankte freundlich und erklärte, dass man 
dann am Abend wieder zum Einchecken komme . Fluchtartig verließ die Familie das Haus des Schreckens.

Unvorstellbar! Ein Klo für alle! Frauen, Männer, Kinder und selbst Loki kann es benutzen!

Stellen wir uns vor, dass zu diesem Zeitpunkt Curtis die Treppe runter kommt. Sie sieht ihre beiden Hexenfreunde im Flur stehen. Ihr Kumpel von den Holunderschwänen guckt verdutzt, die Kollegin aus Hamburg, die gar nicht in Hamburg wohnt, grinst.
„Was ist los?“ fragt Curtis erstaunt.
Die Hexe kichert, lacht dann, es kommt tief aus ihrem Inneren, „gerade waren die Muggel da, die heute Nacht hier übernachten wollen. Mr. T. hat ihnen aber achtsam und zugewandt erklärt, dass wir eine Transgender-Gruppe sind, zusammen duschen, aber keinen Sex haben.“
„Stimmt ja gar nicht“, entfährt es dem Mann, der keine Geschlechter kennt, „ich wollte nur unsere Kloschilder erklären.“
„Aha“, eine Augenbraue wird in die Höhe gezogen, „sehr aufmerksam von Dir. Und wieso hast Du nicht einfach gesagt dass wir Hexen sind? Ich meine die erwartet man doch im Harz“, möchte Curtis erstaunt wissen, „und die hätten doch schön unsere Winkelgasse leer kaufen können.“
„Ich wollte die Muggel doch nicht verschrecken!“ erklärt unser Mann im Brustton der Überzeugung. 

Familie E. kehrte nie wieder zurück in das Naturfreundehaus. Sie konnten kaum glauben, was sie erlebt hatten. Sie waren im falschen Film gewesen. Diese seltsamen Leute dort mussten einen Knall haben, vermutlich waren sie psychisch schwer gestört und vielleicht sogar gefährlich. Und so flohen die Muggel in ein **** Hotel mit einem eigenen Bad und einem Aussenklo in der Lobby des Hotels für Herrn E. Hier wurden sie bekocht und versorgt. Trommeln gab es nicht, auch keine bunten Gewänder. Das Hotel hatte sogar eine Sauna – nach Geschlechtern getrennt. Denn eines ist klar: Wenn es um Geschlechter geht, hat alles mit Sex zu tun 😉